Kommentar

Einer wie Stark darf nicht schwach sein

Eigentlich soll Niklas Stark Herthas Defensiv-Anker sein, doch der Abwehrchef kämpft mit sich selbst. Das muss sich schnell ändern.

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (r.) wirkt derzeit nicht immer souverän.

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (r.) wirkt derzeit nicht immer souverän.

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Gelsenkirchen/Berlin. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie gern Niklas Stark wortlos in die Kabine entschwunden wäre. Nach einem verkorksten Spiel Rede und Antwort zu stehen und die eigenen Fehler zu kommentieren, zählt für Profi-Fußballer sicher nicht zu den Lieblingsmomenten. Stark (24) tat es am Sonnabend trotzdem.

Über das Wesen von Herthas Abwehrchef sagt das sicher einiges aus, nur macht das seine Leistung nicht besser. Ein Eigentor zum 0:1, ein slapstickartiger Patzer kurz vor der Pause und eine verfrühte Grätsche vor dem zweiten Gegentreffer – bei der bitteren 0:3-Pleite auf Schalke zählte Stark zu den Schwächsten.

Herthas Niklas Stark zählt zum Dunstkreis der Nationalelf

Früher konnten derartige Auftritte noch verziehen werden, Stichwort „Lehrgeld“. Für Stark sind diese Zeiten jedoch vorbei. Heute zählt er zum Dunstkreis der Nationalelf, bei Hertha wurde er zum Vizekapitän befördert. Es zählt zu seinen Kernaufgaben, den Berlinern Stabilität zu verleihen, seine Kollegen besser zu machen und zu dirigieren, doch derzeit scheint er genug mit sich selbst zu tun zu haben. Schon am vorangegangenen 0:3 in Wolfsburg hatte er seinen Anteil.

Herthas viele Gegentore (schon acht nach drei Spielen) allein an ihm festzumachen, wäre natürlich nicht gerecht. Unter Trainer Ante Covic fehlt den Berlinern insgesamt die nötige Balance, doch umso dringender bräuchte das Team einen verlässlichen Defensiv-Anker. Stattdessen erlaubte sich neben Stark auch sein ähnlich veranlagter Kollege Karim Rekik (24) zu viele Schwächen. Ein fatales Signal, galt das Abwehrzentrum doch eigentlich als Berliner Stärke. Doch statt Sicherheit ist dort nun Verunsicherung zu spüren.

Hertha-Trainer Ante Covic wird seinem Defensiv-Do den Rücken stärken

Covic wird sein Defensiv-Duo kaum sprengen, sondern ihm den Rücken stärken. Ein Vertrauen, dass vor allem Stark zurückzahlen muss, schließlich gilt es zu beweisen, dass er das Zeug zum Führungsspieler hat.

Es wird interessant zu sehen sein, wie er mit den jüngsten Rückschlägen umgeht. Stark sagt: „Wir müssen versuchen, mit allem, was in unserer Macht steht, dagegen zu beißen und stärker aus der Situation hervorzugehen.“ Worte, denen zwingend Taten folgen müssen. Fest steht: Hertha braucht einen starken Abwehrchef. Und um jener zu sein, muss sich Stark schnell steigern.