Niederlage

0:3 bei Schalke: Hertha verteilt gleich zwei Gastgeschenke

Hertha schenkt den Königsblauen am Geburtstag des Trainers zwei Eigentore. In der Offensive präsentierten sich die Berliner harmlos.

Herthas Niklas Stark (l.) bugsiert den Ball bei einem Rettungsversuch ins eigene Netz. Torwart Rune Jarstein ist chancenlos.

Herthas Niklas Stark (l.) bugsiert den Ball bei einem Rettungsversuch ins eigene Netz. Torwart Rune Jarstein ist chancenlos.

Foto: Baron/Bongarts/Getty

Ante Covic ging vieles durch den Kopf, nur nach Feiern war ihm am späten Sonnabendnachmittag ganz sicher nicht zumute. Einen derart verkorksten Geburtstag wie in diesem Jahr dürfte der nun 44 Jahre alte Hertha-Coach selten erlebt haben.

Allzu gern wäre der Kroate mit dem ersten Saisonsieg beglückt worden, doch Geschenke verteilten seine Spieler nur an den Gegner. Die Innenverteidiger Niklas Stark (38. Minute) und Karim Rekik (48.) leiteten die 0:3 (0:1)-Pleite auf Schalke mit zwei Eigentoren ein, ehe Jonjoe Kenny den Schlusspunkt setzte (85.). „Das“, sagte Covic bedient, „ist ein extrem bitteres Ergebnis.“

Hertha geht auf einem Abstiegsplatz in die Länderspielpause

Mit einem Punkt aus den ersten drei Spielen geht Hertha auf einem Abstiegsplatz in die Länderspielpause. Dass die Tabelle zum jetzigen Zeitpunkt keine allzu große Aussagekraft hat, versteht sich von selbst, ernsthafte Sorgen bereitet jedoch das Berliner Torverhältnis. „Wir haben schon acht Gegentore kassiert“, gab Covic zu bedenken, „da wissen wir, wo wir den Hebel ansetzen müssen.“

Schon auf Schalke hatte der Trainer die Statik seiner Mannschaft verändern wollen, wenn auch nur marginal. Linksverteidiger Marvin Plattenhardt rückte nach auskurierter Muskelverletzung in die Anfangsformation, Angreifer Salomon Kalou blieb dafür auf der Bank. Stattdessen sollte der nach vorn gerückte Maximilian Mittelstädt Akzente über links setzen. Ein Plan, der Theorie blieb.

Lukebakio vergibt die große Chance zur Führung

Besser lief das Berliner Angriffsspiel auf der anderen Seite an. Dort wurde Dodi Lukebakio von Spielmacher Ondrej Duda in Szene gesetzt, doch Herthas Rekordeinkauf machte aus dieser Möglichkeit zu wenig. Statt aus der rechten Strafraumhälfte aufs lange Eck zu zielen, drosch der Belgier den Ball direkt auf Schalke-Keeper Alexander Nübel, der mit seinen Beinen parierte (10.).

Überhaupt geriet die Anfangsphase der Gäste ordentlich. Das Spiel machten zwar die Schalker, doch Hertha verteidigte konzentriert, setzte nach Balleroberungen Nadelstiche. Mit zunehmender Spieldauer zogen sich die Berliner jedoch zu weit zurück, reagierten nur noch, statt zu agieren. „Wir haben keinen Zugriff gefunden und uns hinten reindrücken lassen“, sagte Verteidiger Lukas Klünter.

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Nach einer halben Stunde wurde der Druck der Hausherren immer größer. Ein unorthodoxer Volleyschuss von Guido Burgstaller rauschte knapp am linken Pfosten vorbei (33.), Plattenhardt klärte in höchster Not vor dem eigenen Tor (34.). Bei der nächsten Aktion gab es indes nichts mehr zu retten, im Gegenteil: Nachdem Schalkes Kenny in der rechten Strafraumhälfte auf Daniel Caligiuri durchgesteckt hatte, legte jener den Ball von der Torauslinie zurück. Einen Mitspieler fand er dabei zwar nicht, dafür grätschte Stark das Spielgerät ins Tor – 0:1 (38.). „Ich gehe lieber hin, als etwas zuzulassen“, sagte der Abwehrchef.

Für Stark (24), der erst am Donnerstag von Bundestrainer Joachim Löw für die anstehende EM-Qualifikation nominiert worden war, sollte es nicht der letzte bittere Moment des Nachmittags bleiben. Während sich sein Eigentor noch in der Rubrik „unglücklich“ verbuchen ließ, leistete er sich kurz vor der Pause einen skurrilen Patzer. Statt den Ball entschlossen zu klären, wartete er im eigenen Strafraum auf das Herauslaufen von Keeper Rune Jarstein, doch der Norweger blieb im Tor. In Starks Rücken schlich sich Burgstaller heran, ergaunerte den Ball und zog ab. Dass sein Abschluss über der Querlatte landete, war fast ähnlich kurios wie zuvor Starks Lapsus (44.).

Nur Joker Dilrosun setzt noch ein paar Akzente

Hälfte zwei begann ähnlich ernüchternd, wie die erste aufgehört hatte. Nach einem Konter ließ Burgstaller Stark aussteigen und beförderte den Ball Richtung Tor. „Er wäre vorbeigegangen“, wusste Covic, „aber wir schieben ihn selbst rein.“ Diesmal war Starks Nebenmann Karim Rekik der Unglücksrabe (48.).

Covic versuchte nun zu retten, was kaum zu retten war, brachte mit Javairo Dilrosun, Davie Selke (61.) und Mathew Leckie (77.) schnelle Offensivkräfte. Lediglich Erstgenanntem sollten noch zwei Torschüsse gelingen (67., 88.), viel mehr brachten die Gäste nicht mehr zustande. Im Spiel nach vorn fehlten Struktur und Genauigkeit und spätestens beim dritten Gegentor war es auch defensiv um die Ordnung geschehen. Vor Kennys sattem Flachschuss zum 0:3 (88.) waren die Berliner ihren Gegnern viele Sekunden lang kopflos hinterhergerannt.

„Wir gewinnen im Moment nicht die entscheidenden Zweikämpfe“, sagte Covic. Klünter war genauso bedient: „Mit zwei Niederlagen in die Länderspielpause zu gehen, ist eine Enttäuschung.“