BUNDESLIGA

Zwei Neue suchen ihren Platz

Hertha wartet unter Trainer Ante Covic auf den ersten Bundesliga-Sieg, Schalke unter David Wagner auf das erste Saisontor

Hertha-Trainer Ante Covic ist (ebenso wie Kollege David Wagner auf Schalke) neu in der Bundesliga

Hertha-Trainer Ante Covic ist (ebenso wie Kollege David Wagner auf Schalke) neu in der Bundesliga

Foto: Foto: Dalder / Reuters

Berlin. Eines hat Hertha BSC dem FC Schalke voraus. Die Berliner veranstalteten ihre Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Sonnabend (15.30 Uhr) am Donnerstag. Die Gelsenkirchener sind einen Tag später dran. Das hat der neue Trainer David Wagner (47) verfügt, der es so aus England gewöhnt ist.

Ansonsten verbindet beide Vereine mehr, als sie trennt: „Wir stehen am dritten Spieltag wie Schalke mit einem Punkt da und treffen als Tabellennachbarn aufeinander“, sagte Hertha-Coach Ante Covic (43). Eine mäßige, aber erklärbare Ausbeute für die beiden Bundesliga-Neulinge, die ihre Vereine zurück in die Erfolgsspur führen sollen. Die Morgenpost schaut, wie sich Schalke und Hertha bisher schlagen.

Trainer-Verpflichtung David Wagner galt im Sommer auch als Kandidat bei Hertha. Aber als sein Ex-Klub Schalke angeklopft habe, hätte er nicht lange nachdenken müssen, sagte der Uefa-Cup-Sieger von 1997. Der Deutsch-Amerikaner hatte sich in der Premier League bei Huddersfield Town einen Namen gemacht. Bei Hertha wurde derweil Ante Covic als Wunschlösung präsentiert. Der Deutsch-Kroate hatte sich in seiner Geburtsstadt Berlin von der U15 zu den Profis hoch gearbeitet.

Ausgangslage Schalke benötigte dringend einen Umbruch. Nach dem Sturz von Platz zwei auf Platz 14, der Trennung von Trainer Domenico Tedesco und Manager Christian Heidel sowie Unstimmigkeiten im Team musste sich etwas ändern. Zudem musste sich Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies nach seinen rassistischen Äußerungen, wegen der die DFB-Ethikkommission nun kein Verfahren eröffnen wird, vorerst zurückziehen. Bei Hertha sollte sich dagegen etwas ändern. Mit Trainer Pal Dardai sah man nach den Plätzen 15, 7, 6 und 10 kein Entwicklungspotenzial mehr.

Finanzen Schalke muss zunächst Altlasten im Kader, verpflichtet von Manager Heidel, abbauen. Man wäre etwa froh, würde Werder Bremen den schwierigen Nabil Bentaleb abnehmen. Hertha kann sich durch einen neuen Investor und eine Finanzspritze von 125 Millionen Euro im gehobeneren Regal bedienen, was Zugänge angeht.

Zugänge Beide Klubs gönnten sich als Königstransfer für eine zweistellige Millionen-Ablöse einen Flügelstürmer, der im Vorjahr zehn Treffer für Fortuna Düsseldorf erzielt hat. Schalke holte Benito Raman, Hertha Dodi Lukebakio. Schalke hält ebenso wie Hertha Ausschau nach einem hochkarätigen Offensivspieler. Manager Michael Preetz drückt es offiziell so aus: „Wir beobachten­ den Markt.“

Saisonziel Beide Vereine drucksen herum, wenn es um konkrete Platzierungen geht. Während sich Wagner Formulierungen wie „einstelliger Tabellenplatz“ entlocken lässt, sagt Hertha-Trainer Covic: „Erfolgreich zu sein, viele Punkte zu sammeln.“ Intern habe man sich jedoch auf Ziele geeinigt, in der Kabine und mit der Klubführung. Nach Morgenpost-Informationen werden die internationalen Plätze angepeilt. Dies soll aber nicht offiziell kommuniziert werden, um den neuen Trainer nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.

Herangehensweise Beide Trainer gehen mit Freude und Leidenschaft ans Werk. Sie kennen ihre Vereine gut, obwohl sie als Spieler keine großen Spuren hinterließen. Wagner will, wie gefühlt fast alle Bundesligatrainer, früh attackieren und Gegenpressing sehen. Die Spieler seien willig, sagt der Schalke-Trainer, aber „wir sind weit davon entfernt, perfekt zu sein“. Vor allem die Offensive muss er beleben: Als einziges Team der Liga ist Schalke noch torlos. Bei Hertha ist nach fünf Gegentoren in zwei Partien die Balance zwischen Offensive und Defensive das Thema. Dennoch hält Covic an seinem Ziel fest, attraktiven Offensivfußball spielen zu lassen.

Resultate Beide spazierten locker durch den Pokal, Schalke gewann gegen Drochtersen/Assel 5:0, Hertha beim VfB Eichstätt 5:1. Es folgten glückliche Auswärts-Punkte (Schalke 0:0 in Gladbach, Hertha 2:2 beim FC Bayern) und 0:3-Heimniederlagen gegen Gegner, gegen die man sich schwer tut: Schalke gegen die Bayern, Hertha gegen Wolfsburg.

Duell Für Schalke soll die Saison dagegen erst richtig anfangen. „Qualitativ ist Hertha mit uns auf Augenhöhe“, sagt Teammanager Sascha Riether, „da haben wir ganz andere Chancen als gegen Bayern.“ Der erste Heimsieg seit dem 20. Januar (!) soll her. Die Berliner hoffen auf einen Auswärtssieg als Initialzündung, ähnlich wie beim 2:0 in Gelsenkirchen vor einem Jahr, dem eine starke Hinserie folgte. „Wir wären alle einverstanden, wenn das einen ähnlichen Verlauf nimmt“, sagte Manager Preetz. Mithelfen sollen Marvin Plattenhardt und Javairo Dilrosun, die wieder fit sind und vermutlich im Aufgebot stehen werden.

Perspektiven Beide Trainer benötigen Zeit, bis die von ihnen angestoßenen Änderungen greifen. Die will das Umfeld ihnen eigentlich auch bewilligen. Doch wer das Duell am Sonnabend verliert, könnte allmählich unter Druck oder zumindest in erste Erklärungsnot geraten.