Immer Hertha

Uli Hoeneß ist der Forrest Gump der Bundesliga

Uli Hoeneß hat so viel erlebt, dass es für mehrere Leben reichen würde. Der Erfolg, die Macht und das Geld haben ihn verändert.

Uli Hoeneß mutet an wie ein Forrest Gump des Fußballs, nur in der schlauen Version, meint unser Autor Uwe Bremer.

Uli Hoeneß mutet an wie ein Forrest Gump des Fußballs, nur in der schlauen Version, meint unser Autor Uwe Bremer.

Foto: dpa

Berlin. An diesem Donnerstag macht Uli Hoeneß offiziell, was in Fußball-Deutschland eh jeder weiß: Dass er seine Ämter als Präsident und Vorsitzender der Aufsichtsrates des FC Bayern abgeben wird.

Rückblende: Als der Autor dieser Kolumne erstmals abends Fußball schauen durfte, war es so, dass sich in der Bundesliga mit 23, 24 Jahren entschied, ob ein Talent im Profifußball ankommt. Bei dem Länderspiel im März 1972 gegen Ungarn war es eine Sensation, dass das Nationalmannschafts-Trikot von zwei 20-Jährigen getragen wurde. Die Aufstellung von Paul Breitner und Uli Hoeneß bescherte Bundestrainer Helmut Schön reichlich Kritik. Egal – Hoeneß und Breitner standen sowohl beim Gewinn der Europameisterschaft 1972 in der Startelf (3:0 gegen die UdSSR), als auch beim Sieg im WM-Finale 1974, beim 2:1 über die Niederlande.

Zwischendrin hatte Uli Hoeneß deutsch­­-deutsche Geschichte geschrieben. Im Herbst 1973 trafen im Europapokal der Landesmeister mit dem FC Bayern und Dynamo Dresden erstmals zwei Klubs der beiden deutschen Staaten aufeinander. Nach einem 4:3 im Hinspiel elektrisierte das Rückspiel Deutschland. Mann des Abends war Uli Hoeneß. Der pfeilschnelle Stürmer lief Gegenspieler Eduard Geyer zweimal davon und sorgte für eine 2:0-Führung (Endstand 3:3).

Wo Glamour ist, sind auch Tränen: Das EM-Finale 1976 verlor Weltmeister Deutschland gegen die Tschechoslowakei im Elfmeterschießen. Der „Nacht­himmel von Belgrad“, in den der verschossene Elfmeter von Uli Hoeneß geflogen ist, ist in den deutschen Fußball­-Wortschatz eingegangen.

Als 30-Jähriger überlebte Uli Hoeneß einen Flugzeug-Absturz

Eines der Wunder seines Lebens war, dass der damals 30-Jährige, mittlerweile Manager beim FC Bayern, im Februar 1982 als einziger Insasse den Flugzeug-Absturz einer Piper­ in einem Wald bei Hannover überlebte, die drei Mitinsassen verstarben.

Hoeneß, Sohn eines Metzgers aus Ulm, führte den FC Bayern so, wie er es in den Wirtschaftswunderjahren gelernt hatte: Ärmel hochkrempeln, anpacken, Widerstände aus dem Weg räumen. Auch der Wohltäter Hoeneß gehört zum Bild: Der Ex-Bayern-Spieler Lars Lunde wurde nach einem Autounfall, bei dem der Schwede ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte, im Hause Hoeneß aufgepäppelt. Als Gerd Müller alkoholkrank wurde, kümmerte sich Hoeneß um eine Therapie und stabile Lebensverhältnisse.

Es gibt aber auch die andere Seite. Im Umgang mit Gegnern war Hoeneß persönlich. Im Jahr 2000, als Christoph Daum Bundestrainer werden sollte, machte Hoeneß in einem Interview öffentlich, was bis dahin als Gerücht kursierte: „Der DFB kann doch keine Aktion ,Keine Macht den Drogen‘ starten­, und der Herr Daum hat vielleicht damit etwas zu tun.“ Auch die nach außen demonstrierte Solidarität der Bayern mit der Liga bei der Verteilung der TV-Gelder stellte sich als Fake heraus. 1999 wurde enthüllt, dass die Bayern mit der Kirch-Gruppe einen Extra-Vertrag hatten. Der garantierte den Münchenern die damals fabelhafte Summe­ von 190 Millionen Mark.

Irgendwann hat sich Uli Hoeneß verlaufen

Doch irgendwann hat sich Hoeneß verlaufen in der Welt mit der vielen Macht und dem vielen Geld. Im Nachhinein sagte er, er sei „börsensüchtig gewesen“ – 2013 wurde Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Mittlerweile weiß man nicht, welcher Hoeneß der echte ist: Der, der sagt, er habe den „Fehler seines Lebens“ begangen, dessen Folgen er sich aus seinem „Verständnis von Anstand, Haltung und Verantwortung“ stelle. Oder der Hoeneß, der nach der Haft erzählte: „Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen.“

Uli Hoeneß mutet an wie ein Forrest Gump des Fußballs, nur in der schlauen Version. Eine Person, in der sich auf beinahe­ märchenhafte Weise die Geschichte­ der Zeit verdichtet. Ist es für die Bundesliga gut oder schlecht, dass er geht? Sage mal so: Einen wie Uli Hoeneß wird es nicht wieder geben.