Hertha gegen Schalke

Was Hertha-Spielmacher Duda zum Torrekord antreiben soll

Duda gelang 2018 auf Schalke der Durchbruch, dank elf Toren gewann er am Saisonende eine Uhr. Jetzt liegt die Latte höher.

Mehr Applaus, bitte: Herthas Ondrej Duda (l.) feiert im September 2018 seine zwei Tore auf Schalke, Kapitän Vedad Ibisevic gratuliert.

Mehr Applaus, bitte: Herthas Ondrej Duda (l.) feiert im September 2018 seine zwei Tore auf Schalke, Kapitän Vedad Ibisevic gratuliert.

Foto: dpa Picture-Alliance / nph/Mauelshagen / picture alliance / nordphoto

Berlin. Ondrej Duda trägt immer ein Lächeln mit sich herum. Der Spielmacher von Hertha BSC hat auf seinem linken Arm zahlreiche Tattoos platziert, eines davon ist ein Smiley. Ansonsten ist der 24-Jährige meist ein ernster Zeit­genosse. Der Slowake gehört, wie sein Landsmann Peter Pekarik und der Tscheche Vladimir Darida, zu der eher zurückhaltenden Osteuropa-Fraktion bei Hertha.

Selbst wenn man Duda auf seinen Durchbruch im Berliner Dress anspricht, verzieht der Blondschopf keine Miene. „Es war ein denkwürdiger Moment“, sagt er nüchtern. „Aber das ist Vergangenheit, es liegt schon hinter mir.“ Der Mittelfeldmann­ möchte nur nach vorne schauen, auf das Auswärtsspiel am kommenden Sonnabend beim FC Schalke (15.30 Uhr).

Ondrej Duda: Doppelpack auf Schalke als Startschuss

Dabei lohnt es sich durchaus, zurück­zuschauen. Vor fast genau einem Jahr war es, in der Arena zu Gelsenkirchen. Duda hatte bis dahin keine gute Zeit bei Hertha gehabt. 2016 bei der EM in Frankreich entdeckt und für 4,2 Millionen Euro Ablöse als Königstransfer von Legia Warschau nach Berlin gekommen, absolvierte er in den folgenden zwei Saisons verletzungsbedingt insgesamt gerade mal 20 Spiele und erzielte dabei einen Treffer. An jenem 2. September 2018 verdoppelte er diese Ausbeute in nur einem Spiel.

Nach einer Viertelstunde traf Duda mit einem abgefälschten Flachschuss zur Führung. In der sechsten Minute der Nachspielzeit zirkelte er einen Freistoß in die Maschen des Schalker Tores. Beim Torjubel hielt er jeweils die Hände an die Ohren, als wolle er dem Schalker Publikum­ sagen: Ich höre nichts.

In der Kabine hörte Duda dafür umso mehr. Zunächst wurde er von Manager Michael Preetz anerkennend getätschelt, dann sang ihm Salomon Kalou tanzend ein Ständchen. „Er trifft, wie er will“, stimmte der Ivorer an, auf die Melodie­ von Guantanamera.

Die späte Erfolgsgeschichte beginnt auf Schalke

Mit Kalou verbindet Duda eine besondere Beziehung. Der Routinier hatte den anfangs schüchternen Slowaken immer wieder bestärkt, er habe eine besondere Qualität. Schließlich bot er sogar eine Wette an: Bei acht Saison-Toren gibt es eine Rolex. Duda gewann – Kalou überreichte die Uhr.

Vergangene Saison war er mit elf Treffern der beste Torschütze der Berliner, zudem gab er sieben­ Vorlagen. Überhaupt erzielten in der Liga mit dem Leverkusener Kai Havertz (17 Tore) und dem Dortmunder Jadon Sancho (zwölf Treffer) nur zwei Mittelfeldspieler mehr Tore.

Das lange unerfüllte Versprechen Duda wurde endlich zur Erfolgs­geschichte, die ihren Anfang in Gelsenkirchen nahm. Davon will der Hauptdarsteller heute­ nichts wissen. „Es ist eine neue Saison, Schalke hat ein neues Team und einen neuen Coach, wir auch“, sagt er­. „Es wird ein anderes Spiel. Wir wollen gewinnen, um auszugleichen, was wir im Heimspiel verloren haben.“

Noch nicht auf Betriebstemperatur

Vielleicht ist es dieses 0:3 gegen Wolfsburg, das Duda und vielen Hertha-Fans nach vielversprechendem Saisonstart die Laune verhagelt hat. Bei genauerem Hinsehen hat der Spielmacher auch noch nicht die Betriebstemperatur vom Vorjahr erreicht. Eine Vorlage beim Pokalspiel gegen Viertligist VfB Eichstätt (5:1), ein Assist in München (2:2) – darüber hinaus konnte Duda noch nicht zeigen, warum er ein Spieler ist, für den die Leute ins Stadion gehen, wie sein Trainer Ante Covic behauptet.

„Einen Ausnahmespieler, der für die besonderen Momente zuständig ist“, nennt der Deutsch-Kroate seinen Spielmacher. Vergangene Weggefährten sagen­ über den Techniker, dass er Mitspieler benötige, die seine unorthodoxen Ideen verstünden. Die sollte Duda nun bei Hertha haben, seine Nebenleute Darida­ und Marko Grujic verfügen über technische Qualitäten und sollen mit einem Spielaufbau aus der Zentrale heraus für ansehnlichen Offensivfußball sorgen. Ein Stil, der Herthas Nummer zehn eigentlich zugutekommen sollte.

„Natürlich ist es gut für mich und die anderen Offensivspieler“, sagt er. Aber es sei nicht nur der Trainer, der den Spielstil bestimme. „Für ihn und für uns ist die Defensive ebenso wichtig. Er arbeitet viel an der Taktik, wir brauchen da noch Zeit. Aber er ist auf einem guten Weg, glaube ich.“

Löwen könnte neu ins Team rücken

Möglich, dass in der spielstarken Mittelfeldvariante die Absicherung nach hinten fehlt und mit Eduard Löwen gegen Schalke ein Mann ins Team rückt, der dazwischenfegen kann. „Wir haben viele Spieler mit viel Qualität, ich kann mit jedem spielen“, sagt Duda, es mache keinen Unterschied. Er habe sich auch keine­ Trefferzahl für diese Saison vorgenommen. „Das habe ich auch vergangene Saison nicht, ich will nur den Fußball genießen­“, sagt er.

Ob für Duda und das Berliner Spiel wieder der zündende Genussmoment auf Schalke kommt, wird sich am Sonnabend zeigen. Sicher ist nur: Der Smiley auf Dudas Unterarm wird lächeln. Und eine neue Rolex-Wette gibt es auch: Diesmal sind aber 16 Saisontore nötig.