BUNDESLIGA

Hertha gegen Wolfsburg: Phasenweise kopflos

Wie Hertha-Trainer Ante Covic mit der 0:3-Heimniederlage gegen Wolfsburg umgeht: Lob für die Fortschritte, Klartext bei den Fehlern

Hertha-Trainer Ante Covic (M.) im Kreise seiner Spieler nach dem misslungenen Heimspiel-Start gegen Wolfsburg

Hertha-Trainer Ante Covic (M.) im Kreise seiner Spieler nach dem misslungenen Heimspiel-Start gegen Wolfsburg

Foto: Foto: Engler / nordphoto

Berlin. Die Frage lautet: Was soll man daraus nun machen? Die Erwartungen waren hoch. Auch aus der Geschäftsleitung von Hertha BSC waren sie befeuert worden. Vor dem Anpfiff war bei Twitter eine kleine Ansprache unter der Anrede „Berliner!“ zu lesen. Hertha sei der Verein, „der euch mit tollem Fußball begeistern will. Der Club, der stetig in Bewegung ist, genau wie unsere Stadt. Ante Covic und sein Team spielen heute für uns alle. Also­, auf geht’s!“

Doch die Wünsche haben sich nicht erfüllt. Die Kulisse von 42.738 Fans im ersten Heimspiel im Olympiastadion (mit seinen 74.475 Plätzen) ist, sagen wir, ausbaufähig. Und das Resultat, 0:3 gegen den VfL Wolfsburg, war ein herber Dämpfer für die Hoffnungen auf eine besondere Saison. Ante Covic, dem Trainer von Hertha BSC, kam nun die Aufgabe zu, den Rückschlag zu moderieren.

Covic und „das Wechselbad der Gefühle“

Covic (43) wirkte auch am Tag danach noch geknickt. Er ist seit 1996, mit einer Unterbrechung zwischen 2000 und 2003, rund 20 Jahre bei Hertha. Sein erstes Heimspiel als Cheftrainer „war ein Wechselbad der Gefühle“. Der Elfmeter gleich in der ersten Minute für Hertha, der nach Einsatz des Video­beweises wieder zurückgenommen wurde. Wenig später der Elfmeter für Wolfsburg, der die Ursache war, dass Hertha in Rückstand geriet. Eine Führung, die die Berliner nicht mehr aufzuholen vermochten­ – am Ende wurden sie noch zweimal aus­gekontert.

Hertha hat sich viel vorgenommen für dieses Spieljahr. Ein Sieg im ersten Heimspiel wäre sehr willkommen gewesen. Jeder­ weiß, wie wichtig ein guter Saisonstart ist.

Covic entschied sich für eine Sowohl-als-auch-Strategie, in der er Stärken und Schwächen klar ansprach. Der Trainer lobte, dass seine Mannschaft sowohl in München (Endstand 2:2) als auch gegen Wolfsburg „nach dem 0:1-Rückstand nicht sofort die Brechstange ausgepackt hat, sondern versucht hat­, fußballerische Lösungen zu suchen­“.

25 Minuten hui …

In der Tat bot Hertha eine knappe­ halbe Stunde jenen Fußball, den Manager Michael Preetz immer wieder fordert: Mit Tempo und Variabilität spielte Hertha über die Außen, sowohl der schnelle Lukas Klünter als auch Dodi Lukebakio hatten gute Szenen. Kapitän Vedad Ibisevic schickte mit einer Vorlage per Hacke zwei Verteidiger ins Leere – Pech für Hertha, dass der wuchtige Schuss von Marko Grujic vom Wolfs­burger Torwart Koen Casteels pariert wurde.

Allerdings verschwieg der Trainer nicht, dass die Hausherren in der zweiten Hälfte kaum noch Bälle in den Gäste-Strafraum gebracht haben. Covic hatte seine Spieler schon vor dem Montagstraining zu einer ersten Analyse gebeten: „Es haben uns nicht viele Schritte gefehlt. Aber wichtig ist, dass man, wenn man in Rückstand liegt, nicht kopflos wird – und das waren wir phasenweise. Wir haben das 0:2 und 0:3 bekommen, weil wir phasenweise mit neun Spielern vorne blind angerannt sind.“

Keine gute Balance

Der Trainer monierte, dass „wir nach der Pause zu viel wollten und keine gute Balance mehr hatten. Wir hatten dann zu viele Spieler auf einer Höhe.“

Auch mit der Laufleistung war er nicht einverstanden. Rannten die Herthaner in München starke 119,19 Kilometer, waren es gegen Wolfsburg nur noch 110,27. „Wir müssen die Mannschaft dafür sensibilisieren, dass die Laufleistung stimmen muss, um erfolgreich Fußball zu spielen“, sagte Covic, „je mehr wir unterwegs sind, desto mehr Anspielstationen haben wir, desto schwieriger sind wir zu verteidigen.“ Das sind deutliche Worte. Auch die Profis ärgerten sich. „Es ist schade, weil wir wirklich nicht schlecht gespielt haben“, sagte Spielmacher Ondrej Duda. „Dieses Spiel 0:3 zu verlieren, ist einfach Mist.“

Warum die Brechstange nicht zum Einsatz kam

Und manchmal hat man als Trainer auch Pech. Um das Geschehen zu drehen, hatte Covic zeitig gewechselt: Davie Selke kam nach 61 Minuten, Daishawn Redan nach 70, Eduard Löwen nach 75. Weil das alles nichts änderte, wollte der Trainer in der 82. Minute die Brechstange auspacken. Er gab Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt einen Zettel mit der Anweisung: Vierer-Abwehrkette auflösen, umstellen auf Dreierkette, Abwehrchef Niklas Stark in den Sturm. Die Idee, so Covic: „Ich wollte mit Niklas, Vedad und Davie drei kopfballstarke­ Spieler im gegnerischen Strafraum haben.“ Mittelstädt hielt den Zettel noch in der Hand, als die Maßgabe wieder hinfällig war. Der leichtfüßige Wolfsburger Josip­ Brekalo hatte das 2:0 für die Gäste erzielt – die Partie war entschieden.

Egal, wie hoch die Erwartungen bei Hertha auf eine besondere Saison sind: Niederlagen und der Umgang damit gehören zum Geschäft. Der Trainer sagt: „Wir werden Zeit brauchen, um alles umzusetzen.“ Klar sei jedoch: „Wir müssen schnellstmöglich lernen.“ Die nächsten Gelegenheiten, es besser zu machen, bieten sich auswärts: am Sonnabend auf Schalke und am 14. September in Mainz.