Bundesliga

Vermeintlicher Angriff auf Hertha-Fans: Das sagt die Polizei

Fans sollen nach dem Spiel gegen Wolfsburg übermäßig hart von Polizisten angegriffen worden sein. Nun gibt es eine Stellungnahme.

Nach Herthas Heimpremiere am Sonntag gegen  den VfL Wolfsburg soll es vor dem Olympiastadion zu einem Polizeiangriff auf abreisende Hertha-Fans gekommen sein

Nach Herthas Heimpremiere am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg soll es vor dem Olympiastadion zu einem Polizeiangriff auf abreisende Hertha-Fans gekommen sein

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Nach dem Bundesliga-Heimspiel zwischen Hertha BSC und dem VfL Wolfsburg soll es auf dem Olympischen Platz vor der Ostkurve zu einem Polizeiangriff auf abreisende Herthaner gekommen sein. Das berichtet die Fanhilfe Hertha BSC.

Ihrer Meinung nach soll die Polizei eine Meinungsverschiedenheit zwischen drei Herthanern zum Anlass genommen haben, um „wahllos und ungezügelt auf umstehende Fans einzuschlagen und Pfefferspray zu versprühen.“ Hierbei wurden auch als solche erkennbar auftretende und vermittelnd wirkende Mitarbeiter des Fanprojekts Berlin, der Fanbetreuung von Hertha BSC, sowie eine Rechtsanwältin tätlich angegriffen, heißt es weiter.

Berliner Polizei: Beamte wurden von Hertha-Fans "mit geballten Fäusten bedrängt"

„Der Vorfall ist bekannt“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Morgenpost. „Die Polizei hat Anzeigen gegen Beteiligte wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch gestellt.“ Zu den Vorwürfen gegen die Beamten erklärte ein Polizeisprecher am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Berliner Morgenpost, die Polizisten seien bei der Festnahme eines an der gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligten Fans "durch sich solidarisierende Fans... mit zum Teil geballten Fäusten bedrängt worden". Zudem hätten einige Herthaner "Trittversuche" gegen die Beamten unternommen.

Hintergrund: Herthas Heimdebüt bleibt ohne Happy End

"Zum Eigenschutz und zur Sicherung der Festnahmen wurde durch die Polizeikräfte körperlicher Zwang gegen die beteiligten Personen angewandt. Zudem kam es durch die Polizei zum Einsatz von Pfefferspray", heißt es in der Stellungnahme.

Hertha hatte zuvor erklärt: „Wir haben am Sonntagabend unmittelbar nach dem Vorfall die Meldung über eine polizeiliche Lage bekommen. Daraufhin waren Vertreter von Hertha BSC umgehend vor Ort, um sich persönlich ein Bild zu machen und sich informieren zu lassen. Ebenso wurde der folgende polizeiliche Vorgang auf der Stadionwache von Hertha BSC begleitet."

Die Fanhilfe vermutet in dem harten Einsatz eine neue Vorgehensweise der Polizei. „Ganz offensichtlich scheint die Berliner Polizei zu Beginn der Saison eine neue Eskalationsstrategie umzusetzen“, heißt es. „Anders ist es nicht zu erklären, dass für die Festnahme eines Herthaners, dem lediglich ein leichtes Vergehen vorgeworfen wurde, unzählige Verletzte in Kauf genommen wurden.“

BVB verhängt bundesweites Stadionverbot gegen 46 Personen aus dem Hertha-Fan-Umfeld

Borussia Dortmund hat als Konsequenz der Ausschreitungen im Gäste-Block am 27. Oktober 2018 insgesamt 46 Stadionverbote für Personen aus dem Hertha-Umfeld verhängt. Die Verbote beziehen sich auf alle Bundesliga- und DFB-Pokalspiele. Neun Verbote sind zur Bewährung ausgesetzt. Das Ergebnis sind 37 bundesweit wirkende Stadionverbote für eine Dauer zwischen zwölf und 36 Monaten, sowie neun Stadionverbote, die auf Bewährung ausgesprochen worden sind. Zuerst hatte die „Bild“ von den Verboten berichtet.

„Wir haben, wie direkt im Anschluss an die Begegnung in Dortmund und den dortigen Vorfällen angekündigt, eine intensive Aufarbeitung sowohl der Handlungen der Fans im Block von Hertha BSC als auch der Vorgehensweise der Ordnungskräfte vor Ort eingefordert. Ebenso haben wir damals umgehend unsere Unterstützung bei der Aufklärung zugesagt. Wir haben den Prozess in den vergangenen Monaten eingehend begleitet und die aktive Fan-Szene ebenso wie die Fan-Hilfe von Hertha BSC regelmäßig über den Verlauf unterrichtet“, erklärt der Bundesligist Hertha BSC.

DFB verhängte gegen Hertha BSC Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro

Im vergangenen Oktober hatte die Dortmunder Polizei während des Bundesliga-Spiels zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC (2:2) eingegriffen, um am Gäste-Block eine Ultra-Fahne einzuziehen. Zuvor hatten Mitglieder der Ultra-Gruppe Hauptstadtmafia minutenlang Pyrotechnik gezündet. In der Folge war es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei vor dem Block und Anhängern im Block mit rund 60 Verletzten gekommen. In der Pause hatten Personen aus dem Gästeblock die Sanitäranlagen zerstört.

Ein Sprecher von Borussia Dortmund bestätigte der Morgenpost, dass der BVB die 46 Stadionverbote mit der Entscheidungsbefugnis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgesprochen habe. Die 18 Erstligisten haben sich gegenseitig zu solchen Stadionverboten bevollmächtigt. Der DFB hatte in der Folge gegen Hertha BSC eine Geldstrafe von 100.000 Euro verhängt. Hertha-Fans hatten ihrerseits eine Anzeige gegen die Einsatzleitung der Dortmunder Polizei erstattet. Dieses Ermittlungsverfahren war jedoch von der Staatsanwaltschaft Dortmund eingestellt worden.

Von den betroffenen Ultra-Gruppen war auf Anfrage dieser Zeitung am Montag keine Stellungnahme zu erhalten.