Bundesliga

Herthas Heimdebüt bleibt ohne Happy End

Hertha kassiert im ersten Heimspiel der Saison ein 0:3 gegen Wolfsburg. Vor allem nach der Pause gelingt dem Covic-Team wenig.

Wolfsburgs Wout Weghorst verwandelt den Elfmeter, Hertha-Torwart Rune Jarstein hat das Nachsehen.

Wolfsburgs Wout Weghorst verwandelt den Elfmeter, Hertha-Torwart Rune Jarstein hat das Nachsehen.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die wartenden TV-Reporter ließ Ante Covic zunächst stehen. Trotz des herben Rückschlages bei seinem ersten Heimspiel bedankte sich der Cheftrainer von Hertha BSC bei seinen Spielern: bei Dodi Lukebakio, bei Vladimir Darida, bei Niklas Stark. Dann grüßte Covic seinen ehemaligen Schützling John Brooks, der mittlerweile das Trikot des VfL Wolfsburg trägt. Ein Handschlag beim Schiedsrichter-Team beendete die Tour auf dem Platz. All das änderte nichts am Resultat auf der Anzeigentafel: Hertha 0, Wolfsburg 3.

Ein richtungsweisendes Spiel sollte die Partie am zweiten Bundesliga-Spieltag werden, nach dem 2:2 in der Vorwoche bei Meister FC Bayern. Doch während Wolfsburg mit sechs Punkten eines von fünf Teams ist, das die beiden ersten Saisonpartien gewonnen hat, steht Hertha mit einem Zähler auf Rang elf.

Aufregung schon nach 17 Sekunden

„Wir hatten vor, den Punkt aus München zu vergolden“, sagte Covic, „das ist uns leider nicht gelungen. Auch wenn einiges ganz gut war, wissen wir: Wir können es wesentlich besser, gerade was die Balance betrifft.“

70 Minuten vor dem Anpfiff stand Covic bereits auf dem Rasen des zu diesem Zeitpunkt weitgehend leeren Olympiastadions. Er freute sich auf sein Heimdebüt als Cheftrainer.

Covic hatte seine 3-5-2-Taktik aus München geändert. Die Aufgabe Wolfsburg gingen die Berliner in einem 4-3-3-System mit drei Stürmern an (Lukebakio, Vedad Ibisevic, Salomon Kalou).

Die Partie begann wie auf Speed: Nach 17 Sekunden pfiff Schiedsrichter Guido Winkmann erstmals Elfmeter. Ondrej Duda war im Wolfsburger Strafraum zu Fall gekommen. Wütende Proteste der Gäste, aus Köln schaltete sich Videoassistent Günter Perl ein – im frühesten Videobeweis der Bundesliga-Geschichte. Der Schiedsrichter schaute sich die Szene auf dem Monitor an, ehe er die (korrekte) Entscheidung fällte: Der Wolfsburger Jerome Roussillon hatte erst den Ball gespielt und danach Duda berührt – kein Elfmeter.

Rekik verursacht den Elfmeter vor dem 0:1

Nach acht Minuten der nächste Pfiff: Elfmeter für den VfL. Die Hertha-Fans tobten – aber es hatte seine Ordnung. Karim Rekik hatte seinen Gegenspieler aus den Augen verloren. Der Holländer versuchte dann, den Wolfsburger Felix Klaus mit einem Kamikazesprung vom Ball zu trennen und rammte ihn dabei zu Boden. VfL-Torjäger Wout Weghorst ließ sich von dem Pfeifkonzert der Berliner Fans nicht beirren und verwandelte den Strafstoß, 0:1 (9.).

„Ich war etwas geschockt, weil ich dachte, dass es in der Szene zuvor Freistoß für uns gibt“, sagte Rekik. Da hatte der Schiedsrichter bei einem harten Zweikampf zwischen Hertha-Abwehrchef Stark und Wolfsburgs Weghorst jedoch auf Weiterspielen entschieden.

Nun waren die Hausherren vor 42.738 Zuschauern, unter ihnen Ex-Trainer Pal Dardai, gefordert. Hertha spielte zügig und variabel. Salomon Kalou verfehlte mit einem wuchtigen Kopfball das Tor knapp (12.). Dann wurde ein Schuss von Marko Grujic von VfL-Torwart Koen Casteels pariert, den Abpraller des Serben lenkte Roussillon zur Ecke (20.).

Redan und Löwen geben ihr Hertha-Debüt

Nach etwa 25 Minuten fiel es den Hausherren zunehmend schwerer, Lücken in der Wolfsburger Defensive zu finden. Wie immer, wenn diese Kontrahenten aufeinander treffen, ging es nickelig zur Sache. Hertha-Kapitän Ibisevic geigte VfL-Torwart Casteels die Meinung, als der sich bei einem Abschlag provozierend viel Zeit ließ. Duda kassierte eine Gelbe Karte, weil er dem Wolfsburger Xaver Schlager (nicht zu Unrecht) Schauspielerei unterstellte.

Mitte der zweiten Hälfte setzte Covic auf volle Offensive: Davie Selke kam, dann gab der 18-jährige Daishawn Redan, im Sommer vom Chelsea-Nachwuchs gekommen, sein Debüt im Hertha-Trikot. In der Schlussviertelstunde durfte zudem erstmals Eduard Löwen ran. Allein, es fehlte an Durchschlagskraft. Marko Grujic spielte Ibisevic frei, doch dem Hertha-Kapitän versprang der Ball bei der Annahme – dahin war die Chance (54.).

Rekordeinkauf Lukebakio überzeugt nur in Hälfte eins

An der Seite versuchte Trainer Covic gestenreich zu vermitteln, wie sein Team spielen sollte. Je länger die Partie dauerte, „desto mehr schwand bei den Spielern der Glaube, dass noch was möglich ist“, sagte der Hertha-Trainer. Lukebakio, der für 20 Millionen Euro Ablöse aus Watford gekommene Stürmer, legte eine quirlige erste Hälfte hin, ließ dann aber nach.

Die Gäste verwalteten ihren Vorsprung – und legten im Endspurt mit den Toren von Josip Brekalo (82.) und Roussillon (90.) nach – 0:3. „Wir sind sehr froh über den Sieg“, sagte VfL-Trainer Oliver Glasner „wir haben zunächst keinen Zugriff bekommen, Hertha hat immer wieder Überzahl auf den Außen herstellen können.“

Vor den Berlinern liegen nun zwei Auswärtsaufgaben: am Sonnabend auf Schalke und am 14. September in Mainz.