Bundesliga

Lukebakio: Die Hoffnung auf eine Hertha-Ära

Dodi Lukebakio steht für den Aufbruch von Hertha BSC. Im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg wollen die Berliner ein Zeichen setzen

Hält die Liga in Atem: Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio (Nr. 28) im Sprintduell mit  Corentin Tolisso

Hält die Liga in Atem: Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio (Nr. 28) im Sprintduell mit Corentin Tolisso

Foto: Foto: Ottmar Winter / Ottmar Winter

Berlin . Beim Kurznachrichtendienst Twitter wird etwas pikiert gefragt, warum­ die jungen Männer in Topform den 250 Meter langen Weg von der Kabine zum Trainingsplatz nicht zu Fuß zurücklegen können – so wie es die Hertha-Profis seit Jahrzehnten gemacht haben. Doch seit einigen Monaten hat sich ein elektrischer Golfwagen in den Fuhrpark des Fußball-Bundesligisten geschlichen. Und seither wird konkurriert, wer das Gefährt dann mit drei, vier Kollegen zum Schenckendorffplatz fahren darf. Am Dienstag dieser Woche durfte der Neue ans Steuer. Dodi Lukebakio ging die Sache sehr vorsichtig an. In Zeitlupe steuerte er den Golfwagen über die Plastikschweller, die den ohnehin kaum vorhandenen Verkehr auf der Friedrich-Friesen-Allee verlangsamen sollen. Doch kaum war er drübergeruckelt, machte Lukebakio das, was er auch auf dem Fußballplatz am liebsten macht: Vollgas geben, von fröhlichem Gelächter begleitet juckelte­ die Fuhre Richtung Kabine.

Keine Frage: Der Neue ist schnell angekommen. „Ich brauche Vertrauen“, sagte Lukebakio, „das spüre ich hier von jedem, vom Trainer, vom Manager und von den Kollegen­.“ 21 Jahre ist der belgische U21-Nationalspieler jung. Und er ist das Sinnbild für das Versprechen auf einen goldenen Hertha-Jahrgang 2019/20, der an diesem Sonntag gegen den VfL Wolfsburg sein erstes Heimspiel bestreitet (18 Uhr, Sky). Auch wenn die Kulisse im Olympiastadion­ mit erwarteten 40.000 Fans überschaubar sein wird – die Hoffnung­ ist, dabei zu sein beim Beginn einer Hertha-Ära.

Bundesliga investiert wie nie

Die Bundesliga hat in diesem Sommer so viel Geld für neue Spieler ausgeben wie nie. Bereits acht Tage vor Ende­ der Wechselfrist am 2. September haben die 18 Erstligisten mit 720 Millionen Euro an Ablösesummen schon jetzt eine neue Bestmarke aufgestellt.

Nach Jahren der finanziellen Zurückhaltung mischt Hertha BSC in diesem Sommer in bisher nicht gekannten Dimensionen mit. Möglich ist das durch das 125-Millionen-Euro-Investment von Risiko-Investor Lars Windhorst, der im Gegenzug 37,5 Prozent der Hertha-Aktien erhalten hat. Deshalb konnte sich Hertha in dem Qualitätsregal bedienen, in dem Dodi Lukebakio zu Hause ist. Mit der 20-Millionen-Euro-Ablöse an den FC Watford hat Hertha die bisherige Topsumme (Davie Selke, 2017 für acht Millionen Euro von RB Leipzig geholt) pulverisiert. Lukebakio berichtet, die Höhe der Ablöse belaste ihn nicht. Er will versuchen, das Vertrauen, das Hertha in ihn setzt, mit Leistung und Toren zurückzuzahlen.

Vertrag des Rekord-Einkaufs läuft bis 2024

Der Auftakt war spektakulär. Mit dem 2:2 bei Meister Bayern München hat die Mannschaft von Trainer Ante Covic einen guten Start hingelegt. Die Bayern, ohnehin von einem Lukebakio-Trauma geplagt, orientierten sofort drei Gegenspieler zu dem Stürmer, sobald er den Ball erhielt. Dessen drei Tore aus der Vorsaison, damals beim 3:3 für Fortuna Düsseldorf erzielt, hatten sich tief ins Münchener Gedächtnis eingebrannt. Trotzdem traf Lukebakio auch in seinem ersten Hertha-Spiel gegen die Bayern.

Manager Michael Preetz hat attraktiven und erfolgreichen Fußball, vor allem bei Heimspielen, in Aussicht gestellt. Nach außen hin hält man sich beim Thema Saisonziel bedeckt. Intern ist aber unstrittig: Hertha will 2020 international spielen.

Lukebakio: Ich bin nie wirklich aufgeregt

Das Auftaktprogramm ist anspruchsvoll: Im Anschluss stehen zwei Auswärtsspiele an auf Schalke (31. August­) und in Mainz (14. September). Deshalb soll die Partie­ im Olympiastadion gegen Europa-League-Starter Wolfsburg unbedingt gewonnen­ werden.

Mit seiner Mischung aus Dynamik, Mut und Torgefahr verspricht Lukebakio einen Stürmer-Typen, wie die Hertha-Fans ihn viele Jahre nicht gesehen haben. Derzeit wohnt er noch im Hotel und wartet darauf, seine Wohnung beziehen zu können. Er selbst macht sich keinen Druck. Der „Bild“ sagte Lukebakio: „Ich bin entspannt und ruhig. Ich bin nie wirklich aufgeregt.“ Nach seinen vielen Stationen zwischen 2015 und diesem Sommer (Anderlecht, Toulouse, Charleroi, Watford, Düsseldorf) ist das Engagement in Berlin langfristig angelegt. Sein Hertha-Vertrag läuft bis 2024.