BUNDESLIGA

Hertha erwartet zum ersten Heimspiel 40.000 Fans

Hertha rechnet trotz des Heimdebüts von Trainer Covic und 20-Millionen-Stürmer Lukebakio gegen Wolfsburg mit nur 40.000 Anhängern

Nach dem Liga-Debüt in München gibt Hertha-Trainer Ante Covic am Sonntag gegen Wolfsburg seinen Einstand im Olympiastadion

Nach dem Liga-Debüt in München gibt Hertha-Trainer Ante Covic am Sonntag gegen Wolfsburg seinen Einstand im Olympiastadion

Foto: Foto: Balk / dpa

Berlin . Vor seinem Heimspieldebüt mit Hertha BSC wagt Ante Covic einen Witz. 40.000 Zuschauer erwartet der Verein am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg (18 Uhr). „39.000 davon sind auf meinem Mist gewachsen“ sagt der Trainer­ und lacht. „Spaß beiseite, einige meiner Engsten werden im Stadion sein, die mich auf dem Weg hierhin begleitet haben.“ Von den Anfängen als Jugendcoach bei Hertha bis hin zum Chef­trainer, der nun erstmals die Profis in eigenem Stadion anleiten darf.

Für Covic wird es ein besonderes Spiel sein. „Ich spüre eine gesunde Anspannung, Nervosität und Vorfreude“, sagt der 43-Jährige. Am 4. März 2000 stand der frühere Rechtsaußen letztmals als Hertha-Spieler auf dem Rasen des Olympiastadions, bei einem 2:1 gegen Unterhaching vor 35.000 Zuschauern. Nun kehrt Covic erstmals in offizieller Funktion zurück – das glück­lose Engagement als Assistent unter Interimstrainer René Tretschok und Otto Rehhagel beim Abstieg 2012 nicht ein­gerechnet.

Sonntag 18 Uhr ist keine ideale Anstoßzeit

„Als Spieler hat man eine ganz andere Wahrnehmung“, erläutert Covic, „es wird etwas Besonderes sein, in anderer Funktion an der Tartanbahn zu stehen, von der Linie zur Ostkurve zu schauen und zu sehen, wie die Jungs dort jubeln.“

Nun scheint der Heimspielauftakt gegen Wolfsburg aber nicht für jeden Hertha-Fan ein Grund zum Jubeln zu sein. Gegen Wolfsburg werden womöglich nicht viel mehr Zuschauer kommen als damals gegen Unterhaching. „18 Uhr ist keine dankbare Zeit, viele Fans kommen aus dem Umland“, begründet Covic. Es gibt außerdem attraktivere Auftakt­gegner als die Niedersachsen. Die 40.000 erwarteten Zuschauer entsprechen ziemlich genau dem Schnitt: Zu Herthas letzten zehn Heimspielen gegen Wolfsburg seit 2007 kamen im Schnitt genau 39.736 zahlende Kunden.

2018 gegen Nürnberg waren 52.729 Fans da

Deutlich weniger, als normalerweise zu Herthas Auftaktspielen kommen: In den vergangenen zehn Jahren erschienen durchschnittlich 48.476 Fußballinteressierte zum ersten Heimspiel der Saison­. Bestmarke waren 61.100 Zuschauer gegen Nürnberg, nach dem Aufstieg 2011. Tiefstwert 23.400 verkaufte Tickets gegen Paderborn, nach dem Abstieg 2012. Im Vorjahr kamen zum Auftakt gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg immerhin­ 52.729 Fans.

Dass es nun gegen Wolfsburg weniger werden sollen, mag damit zusammenhängen, dass viele Berliner zumindest mental noch im Sommerurlaub sind und der Zuschauerschnitt im Saisonverlauf traditionell nach oben schnellt, speziell in den Heimspielen gegen Bayern, Dortmund, Leipzig und bald Union. Durch das Derby-Heimspiel im März 2020 könnte der Vorjahresschnitt von 47.197 Zuschauern steigen.

Gegner Wolfsburg ist nicht dafür bekannt, bei Auswärtsspielen anderen Vereine die Ränge vollzuspülen. Laut dem Portal fussballmafia.de brachten die Niedersachsen vergangene Saison im Schnitt ganze 1000 Fans mit zu Auswärtsspielen, schlechter waren in dieser Kategorie nur Hoffenheim und Augsburg (Hertha landet mit 2550 Fans übrigens auf Platz zehn).

Hertha will attraktiven Fußball bieten

Oder ist es die Sorge, keinen attraktiven Fußball zu sehen, der das potenzielle Publikum von Stadionbesuch am Sonntag abhält? In den vier vergangenen Saisons, in denen Pal Dardai Hertha betreute hat, gab es im Schnitt 25 Heimspieltore­ zu bestaunen, knapp anderthalb pro Heimspiel. Ein Grund, warum der Ungar im Sommer gehen musste, war die Sehnsucht nach weniger Sicherheitsfußball­.­ Nachfolger Covic betont oft die Verpflichtung, die man gegenüber den eigenen Fans habe, attraktiven Fußball zu spielen. Und erinnert sich an seine Spielerzeiten, an Aufstiege und Europacup-Teilnahmen, als das Stadion immer mal wieder ausverkauft­ war.

„Wir wollen in Vorleistung gehen und die Leute ins Stadion locken, mit erfolgreichem Fußball“, stellt er als Anreiz in Aussicht, mal vorbeizuschauen. „Wir haben Vorleistung erbracht“, findet Manager Michael Preetz, mit dem 5:1 im Pokal gegen Eichstätt und dem 2:2 bei den Bayern. Dazu sei das Wetter am Sonntag ja nicht schlecht. „28, 30 Grad, am Abend sicher etwas kühler, sind eigentlich angenehmen Bedingungen. Wir haben noch ein bisschen Platz im Stadion.“ Die Kapazität im Olympiastadion beträgt 74.475 Plätze. Mit den Heimdebüts von Chefcoach Covic und 20-Millionen-Rekordeinkauf Dodi Lukebakio gibt es eigentlich genug Anreize.

Fans sammeln Unterschriften für neues Stadion

Der neue Torjäger wird auch gegen Wolfsburg in der Startelf erwartet. Der Belgier hatte gleich in seinem ersten Bundesliga-Spiel für Hertha in München getroffen. Dennoch scheinen viele Fans skeptisch. „Wir versuchen, Wolfsburg mit Dominanz unser Spiel aufzudrücken“, kündigt Covic an. Das könnte eine Aussicht sein, die weit über Freundes- und Verwandtenkreis hinaus zieht.

Und ein guter Zuschauerzuspruch könnte ein Argument in der schwelenden Stadiondebatte sein. Derzeit sammeln Fans im Internet bei der Plattform Openpetition.de Unterschriften für einen Neubau. „Wir freuen uns über jede Art von Unterstützung, die dafür sorgt, dass wir mit unserem Anliegen auf offene­ Ohren stoßen in der Politik“, sagt Manager­ Preetz dazu.