Bundesliga

Hertha trotzt den Bayern zum Ligastart ein 2:2 ab

Auftakt mit Ausrufezeichen: Lukebakio und Grujic treffen für die Berliner beim Eröffnungsspiel der neuen Bundesliga-Saison.

Münchens Niklas Süle (l.) und Herthas Vedad Ibisevic kämpfen um den Ball.

Münchens Niklas Süle (l.) und Herthas Vedad Ibisevic kämpfen um den Ball.

Foto: dpa

München. Hertha BSC ist mit einem echten Coup in die 57. Bundesliga-Saison gestartet. Im Eröffnungsspiel bei Meister Bayern München erkämpften sich die Berliner am Freitagabend ein 2:2 (2:1). Ein schmeichelhaftes, aber nicht unverdientes Ergebnis, wenngleich Abwehrchef Niklas Stark zugab: „Wenn das Spiel noch zehn Minuten länger gegangen wäre, hätten wir wohl Probleme bekommen.“

Hertha-Coach Ante Covic nahm die herzlichen Glückwünsche von Bayern-Trainer Niko Kovac mit seligem Lächeln entgegen. Im ersten Bundesligaspiel als Trainer gleich ein Punkt beim Branchenprimus – viel besser hätte die Premiere des Kroaten nicht laufen können, wenngleich das Glück ein wenig mithalf.

„Wir wissen das Ergebnis einzuordnen“, sagte Covic: „Wir hatten gute Momente, aber phasenweise hat uns die Kompaktheit gefehlt. Es gibt viel aufzuarbeiten.“ Zu den guten Momenten zählten freilich die Tore durch Rekordeinkauf Dodi Lukebakio (36. Minute) und Marko Grujic (39.). Zu den weniger guten die Situationen bei den Gegentoren durch Robert Lewandowski (24., 60. Foulelfmeter).

Lukebakio spielt für Kalou

Anders als im DFB-Pokal entschied sich Covic für eine defensive Dreierkette und zwei Personalwechsel. Dass Lukas Klünter für Jordan Torunarigha in die Anfangsformation rückte, verkam dabei zur Fußnote, für mehr Aufsehen sorgte die Entscheidung für Lukebakio (21). Der 20-Millionen-Euro-Angreifer erhielt den Vorzug vor Salomon Kalou und gab bei seinem Startelf-Debüt die zweite Spitze neben Kapitän Vedad Ibisevic.

Seinem Ruf als Bayern-Schreck sollte der Belgier zwar später noch gerecht werden, doch zunächst war es Klünter, der sich in den Vordergrund spielte. Nachdem sich die Bayern in den ersten zehn Minuten auf Betriebstemperatur gebracht hatten, klärte der rechte Verteidiger mehrfach in höchster Not, sei es gegen Lewandowski (11.) oder Kingsley Coman (20.).

„Wir müssen Mut haben“, hatte Covic gefordert. Eine Vorgabe, die sein Team beherzigte, die Berliner verteidigten hoch, liefen den Favoriten schon an dessen Sechzehner an. Viel sprang dabei allerdings nicht heraus, gefährlich wurde es zunächst nur am Gäste-Strafraum.

Lewandowski schießt das erste Tor der Saison

Das wiederum lag auch an Herthas schlechtem Spielaufbau, der meist vorüber war, ehe er richtig begonnen hatte. Zu wenig Passsicherheit, zu viel Hektik – fast nie gelang es den Berlinern, sich zu befreien, von strukturierten Angriffsbemühungen ganz zu schweigen.

Das Gegentor kam daher nicht überraschend. Erst agierte Grujic zu zögerlich gegen Joshua Kimmich, dann Maximilian Mittelstädt zu abwartend gegen Serge Gnabry. Einen Querpass später staubte Lewandowski ab – 0:1 (24.). Für den Polen ein Rekord: Als erster Spieler der Bundesliga-Historie traf er in fünf Saisons in Folge im ersten Spiel.

Eine Minute später hätte Gnabry gegen den streckenweise überforderten Mittelstädt beinahe nachgelegt, doch Torhüter Rune Jarstein verhinderte Schlimmeres. An der Dominanz der Bayern änderte das nichts. Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass der Rekordmeister das Spiel noch aus der Hand geben würde. Doch genauso sollte es kommen.

Herthas Aufholjagd beginnt kurios

Herthas Aufholjagd begann kurios: Als Lukebakio im linken Halbfeld nicht angegriffen wurde, nutzte er den Raum und zog kurzerhand ab. Sein Schuss aus 20 Metern touchierte den Rücken von Ibisevic und senkte sich abgefälscht ins Netz – 1:1 (36.). Für Lukebakio war es im dritten Spiel gegen die Bayern das fünfte Tor; für Hertha der erste Treffer in München seit Oktober 2013. Doch für die Berliner sollte noch besser kommen.

Nach einem weiten Jarstein-Pass gewann der bis dahin schwache Grujic ein Kopfballduell gegen Benjamin Pavard, wobei beide mit den Köpfen kollidierten. Während Pavard einen Moment innehielt, startete Grujic Richtung Strafraum. Dort wurde der Serbe von Ibisevic bedient, umkurvte Bayern-Keeper Manuel Neuer und schob ein – 2:1 (39.). Als Andenken an den Zusammenprall spielte Grujic mit Veilchen weiter.

Elfmeter für Bayern nach Videobeweis

Dass auch die Bayern noch mit einem blauen Auge davonkamen, lag an Hälfte zwei, in der die Münchner den Druck spürbar erhöhten. Nachdem Jarstein­ einen weiteren Gnabry-Schuss entschärft hatte (56.), fiel der Ausgleich vom Punkt. Grujic hatte im Strafraum Lewandowski umgerissen, Schiedsrichter Harm Osmers gab nach Eingriff des Video-Assistenten Elfmeter. Lewandowski verwandelte­ sicher (60.).

Und Hertha? Fand abgesehen von einem Freistoß, den Ondrej Duda aus aussichtsreicher Position in die Mauer setzte (77.) offensiv nicht mehr statt. Am Ende stand ein Chancenverhältnis von 17:6 zu Buche, doch weder Corentin Tolisso­ (72.) noch Gnabry (85.) sollte ein weiterer Treffer gelingen.

Bis auf Ibisevic, der sich über den Elfmeterpfiff aufregte, konnten sie bei Hertha mit dem Ergebnis gut leben. Übernächsten Sonntag wird es gelten, den guten Start zu bestätigen. Dann ist der VfL Wolfsburg zu Gast im Olympia­stadion.