Er will das Stadion

Hertha-Präsident Gegenbauer kritisiert Berliner Politik

Gegenbauer fordert Bekenntnis der Berliner Politik zum Hertha-Stadion. Innensenator Geisel kontert die Kritik

Werner Gegenbauer, Präsident von Hertha BSC. (Archivbild)

Werner Gegenbauer, Präsident von Hertha BSC. (Archivbild)

Foto: Soeren Stache / picture alliance / Soeren Stache

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hat in einem Grußwort zur neuen Bundesliga-Saison an die knapp 37.000 Mitglieder von Hertha BSC Stellung bezogen zu dem ins Stocken geratenen Bauprojekt einer reinen Fußball-Arena.

Gegenbauer schreibt, dass die Fortschritte bei dem „Neubauprojekt deutlich hinter unseren Erwartungen zurückbleiben“. Der Hertha-Präsident kritisiert Innen- und Sportsenator Andreas Geisel, der einen Standort Olympiapark für ausgeschlossen erklärt hat: „Zu meinem Bedauern haben wir jedoch von Herrn Senator Geisel über die Presse eine generelle Absage für diesen Standort erhalten.“

Gegenbauer plädiert einmal mehr für einen Neubau im Olympiapark. Zu dem Argument, Hertha sei nicht in der Lage, Ersatzlösungen für die 24 Wohnungen in der Sportforumstraße zu finden, versucht der Hertha-Präsident den schwarzen Peter weiterzuschieben. Hertha habe im Herbst 2018 zwei Grundstücke als Ersatzgelände vorgeschlagen. Dafür sei aber „eine Unterstützung leider ausgeblieben“.

Hertha hält die Wohnungsfrage für lösbar

Gegenbauer unterstellt dem Berliner Senat grundsätzlich einen fehlenden Willen, Hertha BSC beim Arena-Projekt zu unterstützen: „Wenn es einen politischen Willen gäbe, wäre eine Lösung im Olympiapark, der unter mehreren Aspekten ideale Standort, sicherlich zügig machbar.“

Gegenbauer behauptet, dass „jedes andere Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 150 Millionen Euro, welches sich beim Land um neue Produktionsflächen bemühte, eine ganz andere Unterstützung“ vom Land bekäme - aber eben nicht Hertha BSC.

Innen- und Sportsenator Geisel hingegen blieb bei der Ablehnung des Olympiaparks: „Wir haben von Anfang an gesagt: Olympiapark nur dann, wenn Hertha BSC eine Einigung mit der Wohnungsbaugenossenschaft erzielt. Das hat bis heute nicht geklappt.“

Skepsis über den Standort Tegel

Skeptisch äußert sich Gegenbauer über den Standort Tegel, den Sportsenator Geisel als möglichen Ort für eine neues Stadion ins Spiel gebracht hat. „Die Realität zeigt, dass bisher weder ein konkreter Standort noch eine belastbare Zeitschiene oder eine Anbindung des ÖPNV geklärt sind“, schrieb der Hertha-Präsident.

Hertha werde die Gespräche mit dem Senat fortführen. Gegenbauer nimmt die Politik in die Pflicht: „Wir erwarten ein klares Bekenntnis der Berliner Politik zu Hertha BSC und einem neuen Stadion.“ Außerdem bleibt Gegenbauer dabei, dass Hertha „ab Saisonbeginn 2025/2026 in unserer eigenen blau-weißen Heimat, unserer eigenen Arena“ spielen will.“

Geisel: Mit dem Kopf durch die Wand baut man kein Stadion

Das sind zwei mutig formulierte Anliegen. Weil Hertha es in der seit mehr als zwei Jahren andauernden Diskussion nicht geschafft hat, grundlegende Unterstützung für sein Ansinnen zu erwerben. Kaum eine Partei aus dem Abgeordnetenhaus (mit Ausnahme von Teilen der CDU) hat sich bisher entschieden hinter den Hertha-Wunsch nach einer neuen Arena gestellt.

Der aktuelle Mietvertrag zwischen Hertha und dem Senat läuft bis 2025.

Die Kommunikationsstrategie von Hertha, hier von Präsident Gegenbauer, stößt bei Senator Geisel auf Kopfschütteln. Geisel sagte der Morgenpost: „Mit dem Kopf durch die Wand baut man kein Stadion.“