BUNDESLIGA

Hertha BSC: Für Ante Covic schließt sich der Kreis

Ante Covic erzielt 1997 das erste Bundesliga-Tor für Hertha. An diesem Freitag absolviert er sein erstes Bundesliga-Spiel als Trainer

August 1997: Ante Covic (r.) erzielt das ersete Bundesliga-Tor für Hertha nach dem Aufstieg, die Dortmund Andi Möller (l.) und Stefan Reuter kommen zu spät.

August 1997: Ante Covic (r.) erzielt das ersete Bundesliga-Tor für Hertha nach dem Aufstieg, die Dortmund Andi Möller (l.) und Stefan Reuter kommen zu spät.

Foto: imago sport

Berlin. Die Arena in München ist mit 75.000 Zuschauern ausverkauft. Die Partie ab 20.30 Uhr (ZDF und DAZN) werden weltweit rund 200 Millionen Menschen verfolgen . Ob das, was mit der Liga-Premiere von Ante Covic als Cheftrainer von Hertha BSC beim Meister FC Bayern beginnt, der Anfang einer Ära ist, wird man erst am Saisonende beurteilen können. In jedem Fall schließt sich mit dem Auftaktspiel der Bundesliga-Saison 2019/20 ein Kreis. Für viele jüngere Fans beginnt die Wahrnehmung von Hertha mit dem Aufstieg 1997. Was vor 22 Jahren richtig war, gilt auch noch heute: Ein guter Start ist wichtig. Ein Rückblick­ zur Frage: Wer hat das erste Hertha-Tor erzielt? Und was ist daraus geworden?


1997 Mit großen Erwartungen startete Hertha BSC unter Aufstiegstrainer Jürgen Röber ins Spieljahr: Im ausverkauften Olympiastadion ging es gegen Borussia Dortmund, den frisch dekorierten Champions-League-Sieger. Die Schlagzeilen bestimmten aber nicht Matthias Sammer, Andi Möller oder Stephane Chapuisat: Die Überschriften nach dem 1:1 gegen den BVB gehörten dem Torschützen des erstes Saisontores von Hertha BSC: Ante Covic. In der ARD-Sportschau hieß es: „Covic, das ist ein Name, den man sich merken sollte.“ Der gebürtige Berliner spielte 1997/98 die beste Saison seiner Karriere: Vier Tore­ und zwei Vorlagen gelangen dem Flügelstürmer – Aufsteiger Hertha sicherte sich nach einem schwierigen ersten­ Saison-Drittel letztlich souverän als Liga-Elfter den Klassenerhalt.



1998 Im Herbst seiner Karriere erklomm Michael Preetz neue Höhen. Es begann mit einer Körpertäuschung, mit der der Hertha-Stürmer Gegenspieler Viktor Skripnik ins Leere rutschen ließ, Preetz erzielte den Treffer zum 1:0-Endstand gegen Werder Bremen. Die 63.000 Fans im Olympiastadion erlebten den Start ins beste Hertha-Jahr seit Jahrzehnten. Der vielzitierte „schlafende Riese in Berlin“ schien zu erwachen: Am Ende qualifizierte sich das Team von Trainer Jürgen Röber als Dritter für die Champions League. Preetz gewann mit 23 Treffern als erster und einziger Herthaner die Torjäger-Kanone. Und debütierte­ im Februar 1999 im fortgeschrittenen Fußball-Alter von 31 Jahren in der Nationalelf (0:3 gegen die USA)


2000 Ganz so groß und mächtig war der „schlafende Riese“ dann doch nicht. Platzhirsch FC Bayern zeigte Hertha BSC Anfang August im Ligapokal (5:1) und zum Saisonstart erneut gegen Hertha (4:1), wie es um die Machtverhältnisse im deutschen Fußball bestellt ist. Das erste Berliner Saisontor erzielte Ali Daei eine Minute vor dem Ende – ein sehr teurer Stürmer, den der damalige Manager Dieter Hoeneß verpflichtet hatte, um den von ihm nicht so geschätzten Preetz zu ersetzen. Ende der Geschichte: Daei erzielte in drei Jahren in Berlin sechs Treffer, Preetz ist der Rekord-Torjäger von Hertha BSC (83). Daei ist in seiner Heimat, dem Iran, mit 149 Länderspielen eine Ikone. 2008/09 war er Nationaltrainer. Aktuell dürfte Daei der Ex-Herthaner sein mit den meisten Anhängern bei Instagram­ (4,1 Millionen Follower).


2001 Er war das vielleicht größte Versprechen von Hertha, das sich aber nicht erfüllen sollte. Sebastian Deisler eröffnete mit einem verwandelten Elfmeter den Saison-Reigen, 3:1 gewannen die Berliner beim SC Freiburg. In seiner Berliner Zeit stoppten regelmäßig Knieverletzungen den Hochbegabten. Nach seinem Wechsel zum FC Bayern­ beendete der an Depressionen erkrankte Deisler im Alter von 27 Jahren seine Karriere.


2003 Nervosität machte sich in Berlin breit. Nach vier Spieltagen hatte der Hauptstadt-Klub noch kein einziges Tor erzielt. Am fünften Spieltag waren es die beiden teuren Neuen, die endlich für das erste Erfolgserlebnis sorgten: Niko Kovac, vom FC Bayern gekommen, legte auf, Fredi Bobic traf gegen Hannover. Allein – die Partie ging mit 2:3 verloren. Manager Dieter Hoeneß zögerte lange, ehe er seinen Wunschtrainer Huub Stevens entließ. Da stand Hertha - Saisonziel war das Erreichen der Champions League - auf Rang 17. „Feuerwehrmann“ Hans Mayer sorgte dafür, dass die missratene Saison mit Rang zwölf noch halbwegs glimpflich ablief.


2006 Er war Publikumsliebling und Trainerschreck: Mit seinem Führungstor gegen Hannover 96 sorgte Marko Pantelic dafür, dass Hertha BSC am zweiten Spieltag der erste Sieg gelang (4:0). Wandervogel­ Pantelic, der fünf Sprachen spricht und bei zwölf Vereinen anheuerte, blieb nirgends so lange wie in Berlin: Von 2005 bis 2009 trug er das blau-weiße Trikot. Doch die Hoffnungen auf internationalen Fußball erfüllten sich nicht: Im April 2007 entließ Manager Dieter Hoeneß das Trainerteam Falko Götz und Andreas Thom. Hertha enttäuschte auf Rang zehn.


2007 Nach seinem Debüt, einem Pokalsieg bei der SpVgg Unterhaching hatte der neue Trainer Lucien Favre Manager­ Hoeneß seinen Rücktritt angeboten: Die Mannschaft sei nicht bundesliga-tauglich. Mit Herthas erstem Saisontreffer (am zweiten Spieltag) sorgte Sofian Chahed dafür, dass Favre wenigstens mit seinem Heimspiel-Einstand zufrieden sein konnte, es gab ein 3:1 gegen den VfB Stuttgart. Chahed, ein Eigengewächse von Hertha, arbeitet mittlerweile im Nachwuchs und ist verantwortlich für Herthas U16.


2009 Puh, nochmal gut gegangen, dachten sich 42.000 Zuschauer im Olympiastadion nach Tor von Gojko Kacar (82. Minute), mit dem ein mühsamer 1:0-Auftaktsieg gegen Hannover 96 sichergestellt wurde. Doch nichts war gut: Nach Platz vier in der Vorsaison und dem Abgang von Manager Dieter Hoeneß befand sich Hertha im freien Fall. Manager-Nachfolger Michael Preetz entließ Lucien Favre Ende September. Auch Trainer Friedhelm Funkel fand keinen Zugang zur Mannschaft unter Kapitän Arne Friedrich, die im Mai 2010 abstieg.

2013 Adrian Ramos eröffnete mit seinem Tor Herthas spektakulärste Saisoneröffnung: Mit 6:1 fegte der Liga-Rückkehrer Eintracht Frankfurt vom Platz. Der Aufsteiger unter Trainer Jos Luhukay hielt die Liga als Elfter. Seit mittlerweile sechs Saisons hält Hertha die Klasse. Ramos verdient sein Geld in Spanien und ist mit dem FC Granada in die Primera Division aufgestiegen.


2015 Im ersten regulären Jahr unter Trainer Pal Dardai sorgte Salomon Kalou mit einem verwandelten Foulelfmeter für einen 1:0-Startsieg beim FC Augsburg. Der Abstiegskandidat der Vorsaison lag wochenlang auf Rang drei – am Ende war eine durchwachsene Rückrunde Schuld daran, dass es Platz sieben wurde - und damit die Qualifikationsrunde zur Europa League.


2016 Das erste Tor der Saison gelang Vladimir Darida, doch in Erinnerung blieb der euphorisch gefeierte 2:1-Siegtreffer von Julian Schieber, erzielt gegen fünf Verteidiger des SC Freiburg (90.+5). Erneut profitierte Hertha von einem guten Start und qualifizierte sich (trotz einer eher mäßigen Rückrunde) als Sechster direkt für die Europa League.


2018 Nicht mehr schnell genug, über den Zenit – die Kritiker irrten, die Vedad Ibisevic abgeschrieben hatten. Wie schon eine Woche zuvor im Pokal (2:1 bei Eintracht Braunschweig) entschied der Hertha-Kapitän mit seinem Tor auch den Liga-Start, ein schmuck­loses 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Am Saisonende war Ibisevic mit zehn Saisontoren zweitbester Schütze im Team (Ondrej Duda erzielte elf Treffer).

Mit 35 Jahren ist Ibisevic Team-Oldie. Aber Alter schützt vor Leistung nicht. Hertha-Manager Michael Preetz hat den Vertrag mit Ibisevic erneut verlängert. Und in München wissen die Bayern-Innenverteidiger Niklas Süle und Benjamin Pavard beim heutigen Bundesliga-Start: Es ist nicht lustig, gegen Ibivevic zu spielen. Und Ante Covic wird alles dafür tun, dass sein Trainer-Debüt so in Erinnerung bleibt wie sein erstes Bundesliga-Spiel mit Hertha 1997.