Bundesliga

Hertha BSC steht vor einer Saison wie nie zuvor

Neuer Investor, neuer Coach, Rekordzugang und Derby: Hertha peilt 2019/20 hohe Ziele an. Das birgt Chancen, erzeugt aber auch Druck.

Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Spielzeit? Herthas Profis schwören sich vor dem Pflichtspiel-Start gegen Eichstätt ein. Es folgt ein 5:1.

Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Spielzeit? Herthas Profis schwören sich vor dem Pflichtspiel-Start gegen Eichstätt ein. Es folgt ein 5:1.

Foto: Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH

Berlin. Die Ouvertüre könnte passender nicht sein. Saison-Eröffnungsspiel, Flutlicht und Primetime, das alles beim Branchenprimus FC Bayern und unter maximalem medialen Interesse. Wenn Hertha BSC am Freitag (20.30 Uhr, ZDF und DAZN) in die Spielzeit 2019/20 startet, werden Fußball-Fans aus über 200 Ländern zuschauen.

„Wir haben die ungeteilte Aufmerksamkeit, die ganz große Bühne“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz, „da wollen wir unsere Visitenkarte abgeben.“

Das bislang letzte Mal, dass Hertha die Ehre der Saison-Eröffnung zuteilwurde (2002 in Dortmund), grätschten in der Nationalelf noch Spieler wie Carsten Ramelow und Jens Jeremies um die Wette, der Bundeskanzler hieß Gerhard Schröder. Doch nicht nur deshalb stehen die Berliner vor einer denkwürdigen Saison, einer Spielzeit, die es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Hertha-Manager Michael Preetz: „Möglichkeiten wie noch nie“

Der Einstieg von Investor Lars Windhorst hat in der Hauptstadt die Fantasien beflügelt – am stärksten beim Geldgeber selbst. Dass Windhorst öffentlich davon träumte, Hertha zu einem „Big City Club“ zu machen, also einem Topteam, das es mit den Granden aus London, Paris oder Madrid aufnehmen kann, wurde vielerorts belächelt.

Fakt ist jedoch: Die 125 Millionen Euro, die Windhorst für 37,5 Prozent der Anteile an der Hertha BSC KGaA gezahlt hat, verschaffen dem Klub völlig neue Freiheitsgrade. Zumal als ausgemacht gilt, dass der Investor seine Anteile in einem zweiten Schritt auf 49,9 Prozent aufstocken wird, aller Voraussicht nach für weitere 100 Millionen Euro.

„Wir haben jetzt Möglichkeiten, wie wir sie in unserer Vereinsgeschichte noch nie hatten“, schwärmt Preetz, „es ist unsere Aufgabe und Verantwortung, damit vernünftig umzugehen und den Klub stetig weiterzuentwickeln.“ Auf ausschweifendes Spieler-Shopping hat der Manager daher verzichtet, Rekordmarken knackte er dennoch.

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Dodi Lukebakio ist der mit Abstand teuerste Profi der Hertha-Historie

Mit Angreifer Dodi Lukebakio (21, 20 Mio. Euro) kaufte der Manager den mit Abstand teuersten Profi der Hertha-Historie. Mittelfeldspieler Eduard Löwen (22, 7 Mio. Euro) haftete ebenfalls ein beachtliches Preisschild an.

Insgesamt investierte Preetz in diesem Sommer schon 31,7 Millionen Euro in den Kader und pulverisierte so die bisherige Hertha-Rekordmarke von 17,45 Millionen (2001/02). Und: Bis Ende der Wechselperiode am 2. September soll noch ein weiterer Hochkaräter an die Spree gelotst werden.

Dass Hertha die sportliche Verantwortung in die Hände eines Trainers legt, der bislang ausschließlich im Nachwuchs gearbeitet hat, mag auf Außenstehende irritierend wirken. Preetz traut Ante Covic (43) jedoch einen ähnlichen Weg zu wie zuvor Pal Dardai (43), der 2015 von Herthas U15 zu den Profis aufrückte. Allerdings mit einer anderen Philosophie.

Kann Hertha-Trainer Ante Covic auch Bundesliga?

Während Dardai zuallererst auf defensive Stabilität bedacht war, ist Covics Ansatz deutlich offensiver. Selbst gegen den FC Bayern setzt er auf spielerische Lösungen und taktische Variabilität. „Wir wollen uns gut präsentieren“, sagt er. Nur was, wenn das Team in der Saison nicht die nötige Balance findet?

Dass der Klub auf Attacke setzt, kommt nicht von ungefähr. Durch den Aufstieg des 1. FC Union ist Herthas Alleinstellungsmerkmal als Hauptstadtklub in der Bundesliga dahin. Während den Köpenickern die Fan-Herzen zuletzt regelrecht zuflogen, müht sich Hertha seit Jahren, mehr Menschen für die Farben Blau und Weiß zu begeistern.

Zwei Berliner Klubs in der Bundesliga, das hat es letztmals 1977 gegeben. Der Fußball wird in der Hauptstadt so präsent sein wie noch nie, umso mehr sind sie bei Hertha bemüht, die bisherige Hierarchie zu zementieren. „Es ist wichtig, dass wir weiter die Nummer eins in der Stadt sind“, betont Covic, „wir wollen beide Derbys gewinnen.“ Aber was, wenn das misslingt?

Hertha beharrt in Stadion-Debatte auf Kurs

Die weiteren Saisonziele werden eher moderat formuliert. Auf ein „besser als im Vorjahr“ (Platz elf) folgte am Mittwoch ein „idealerweise in der oberen Tabellenhälfte“, wobei man in diesem Rahmen laut Preetz „maximal ehrgeizig“ sein wolle. Intern wird der internationale Wettbewerb angepeilt.

Ob sportlicher Erfolg in der Stadion-Debatte helfen würde, steht auf einem anderen Blatt. Noch ist es den Klub-Verantwortlichen nicht ansatzweise gelungen, den Berliner Senat vom Wunsch der reinen Fußball-Arena zu überzeugen. Dass Hertha wie erhofft 2025 ein neues Zuhause bezieht, ist inzwischen höchst unwahrscheinlich. Nach der parlamentarischen Sommerpause sollen die Gespräche wieder aufgenommen werden. Herthas Wunsch bleibt trotz der jüngsten Absagen der Standort Olympiapark.

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„Wir haben einen Strauß von vielen Themen“, sagt Manager Preetz, der die Saison aber „nicht überhöhen“ möchte. Warum auch zusätzlichen Druck schüren, die Herausforderungen sind schließlich auch so schon groß genug. Auch Preetz weiß: „Es wird spannend.“