Bundesliga

Harter Konkurrenzkampf bei Hertha BSC – Ganz eng beieinander

Bei Hertha spitzt sich der Konkurrenzkampf vor dem Ligastart beim FC Bayern zu. Das liegt besonders am wiedererstarkten Vladimir Darida

Wieder mittendrin: Vladimir Darida (3.v.r.) hat sich nach einer verkorksten Saison zurück in Herthas erste Elf gekämpft.

Wieder mittendrin: Vladimir Darida (3.v.r.) hat sich nach einer verkorksten Saison zurück in Herthas erste Elf gekämpft.

Foto: Christian Kaspar-Bartke / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Vladimir Darida ist ein gefragter Mann. „Vladi! Vladi“, rufen seine Mitspieler bei Hertha BSC. Darida trägt im Trainingsspiel am Dienstag ein gelbes Trikot, das heißt er spielt abwechselnd in zwei Teams und versorgt Angreifer auf beiden Seiten mit Anspielen.

Auch nach dem Spiel ist der Tscheche gefragt, große und kleine Fans wollen Fotos mit ihm, zu einigen muss sich der 1,72 Meter große Mittelfeldspieler recken, zu anderen bücken.

Die aktuelle Popularität verwundert nicht, schließlich war Darida einer der Gewinner des Pflichtspielauftakts im Pokal, den Hertha 5:1 beim VfB Eichstätt erfolgreich gestaltete. Den Führungstreffer hatte Darida dabei gleich selbst besorgt, ein weiteres Tor vorbereitet.

Herthas Vladimir Darida: „Wollen nicht nur kontern“

„Ich bin froh, dass wir ein leichtes Spiel hatten und ich ein schnelles erstes Tor gemacht habe“, sagt er selbst. „Ich hoffe, das geht so weiter.“ Das dürfte nur ungleich schwerer werden, denn die Berliner reisen zum Bundesligastart am Freitag (20.30 Uhr, ZDF) zum FC Bayern.

„Wir wollen uns so präsentieren wie jetzt im Pokal, viel mit dem Ball spielen“, sagt Darida dennoch selbstbewusst. Klar, Bayern habe viel Qualität, gerade bei eigenem Ballbesitz – das seien die Passagen, in denen Hertha gegen den Ball arbeiten müsse. „Aber wir wollen uns spielerisch präsentieren, statt uns vor den Strafraum zu stellen und auf Konter zu lauern.“

Dass das Hertha-Team unter dem neuen Trainer Ante Covic durchaus das Potenzial dazu hat, hat sie auch Darida und einem qualitativ deutlich anspruchsvolleren Konkurrenzkampf zu verdanken. Wer gegen die Münchner beginnt, ist daher gar nicht so leicht vorauszusagen, denn es bieten sich zahlreiche ansprechende Alternativen.

Auch Verteidiger Klünter drängt in die Startelf

„Wir haben einen gesunden Konkurrenzkampf“, sagt Covic. „Einsatzzeiten sind die schönsten Zeiten für die Spieler.“ Diese Zeit werden aber nicht verschenkt, sondern müsse erarbeitet werden. „Jeder kämpft um seine Minuten.“

Gegen die Münchner dürfte, da Marvin Plattenhardt weiter ausfällt, Maximilian Mittelstädt auf die Linksverteidiger-Position rücken und den dort leicht überforderten Jordan Torunarigha ablösen.

Auf der offensiven Außenbahn drängt 20-Millionen-Rekordeinkauf Dodi Lukebakio über kurz oder lang in die Startfeld. Rechts hinten dürfte statt des offensiveren Matthew Leckie nun Lukas Klünter den Vorzug erhalten, neben Darida einer der Gewinner der Vorbereitung.

Tägliches Sondertraining im Sommer

„Wenn ein Spieler so gut trainiert hat in der Vorbereitung wie Vladi, ist es häufig so, dass er es dann nicht umsetzen kann“, sagte Coach Covic. „Bei Vladi war ich erfreut, weil er im Pokal nahtlos an die Leistungen angeknüpft hat, die er vorher gezeigt hat.“ Der 29-Jährige präsentiert sich diesen Sommer ausgesucht spielfreudig, bringt seine Übersicht, seine Technik und seine Passqualitäten ein.

Dabei ist er durchaus nicht selbstverständlich, dass Darida neue Popularität genießt. Vor der Saison galt der tschechische Nationalspieler, vor vier Jahren für fast vier Millionen Euro vom SC Freiburg gekommen, als Kandidat für einen baldigen Abgang. Aufgrund diverser Verletzungen war er in der abgelaufenen Saison nur auf zehn Einsätze.

„Ich hatte schon vor der Vorbereitung das Gefühl: Ich will hier nicht weggehen, weil ich ohne Verletzung der Mannschaft wieder helfen kann“, sagt Darida. Also blieb er im Sommer in Berlin und trainierte ein- bis zweimal am Tag. „Das hat mir gut getan, ich war fit vor der ersten Trainingseinheit und habe seitdem jeden Tag ein besseres Gefühl.“

Zielvereinbarungen zwischen Trainer Covic und Talent Maier

Und so steht Darida auf einmal wieder in der Startelf, obwohl das zentrale Mittelfeld mit Marko Grujic, Ondrej Duda, Per Skjelbred und Zugang Eduard Löwen stark besetzt ist. Hinzu kommt der noch verletzte U-21-Nationalspieler Arne Maier, auf den Covic große Stücke hält. In den vergangenen Wochen führten Trainer und Spieler mehrere Gespräche über individuelle Zielvereinbarungen.

„Die Konkurrenz ist groß“, sagt Darida, gleich mehrere Spieler könnten als Sechser, Achter oder Zehner auflaufen. „Es wird sich im Training und im Spiel zeigen, wie wir mehr Erfolg haben.“

Diese neue Vielfalt verdankt Hertha auch den starken Trainingsleistungen eines Vladimir Darida, der sich präsentiert wie ein unverhoffter Zugang. Davon könnten auch die Bayern überrascht werden. „Es wird ein schwieriges erstes Spiel, aber die Saison ist lang“, sagt der Tscheche. „Wenn wir uns gut in München präsentieren, kann uns das Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele geben.“