DFB-POKAL

Hertha BSC: Covic will aus dem Dardai-Schatten treten

Hertha BSC: Ante Covic, Nachfolger von Pal Dardai, macht vieles anders als der Vorgänger. Erste Nagelprobe ist das Pokalspiel gegen Eichstätt

Geballte Hertha-Kompetenz: Cheftrainer Ante Covic (r.) und sein Vorgänger Pal Dardai, hier 2016

Geballte Hertha-Kompetenz: Cheftrainer Ante Covic (r.) und sein Vorgänger Pal Dardai, hier 2016

Foto: Foto: imago / Matthias Koch

Berlin. Ante Covic huscht über das Trainingsgelände von Hertha BSC. Die Übungseinheit vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal ist absolviert, nun will der Coach schnell in die Kabine. Er wird im Vorbeigehen angesprochen, ob er wisse, mit welcher Formation er sein Profitrainer-Debüt am Sonntag gegen den VfB Eichstätt angehen wolle (15.30 Uhr). Covic setzt ein schelmisches Lächeln auf und schlägt theatralisch die Hände über dem Kopf zusammen. „Um Gottes Willen!“, ruft er mit gespielter Empörung. Natürlich wird er die Startelf nicht vorab verraten – das wäre unprofessionell­. Aber der Deutsch-Kroate weicht der Frage mit derart lausbübischem Charme aus, dass man ihm nicht böse sein kann.

Als der 43-Jährige noch Spieler bei Hertha war, haftete ihm der Ruf eines Halodris an, eines Bruders Leichtfuß, der sein Talent ein wenig verschleuderte. Als Trainer hat er einiges getan, um dieses Image zu korrigieren. Geduldig und seriös arbeitete Covic sich acht Jahre als Nachwuchscoach bei Hertha hoch, bis er im Mai zum Cheftrainer ernannt wurde.

Vielversprechende Saisonvorbereitung

Eine Beförderung, die einige Beobachter mit Skepsis sahen. Konnten sich die Berliner, damals noch ohne neuen Investor, keinen renommierten Profitrainer leisten? War Covic wirklich eine Entscheidung aus Überzeugung? „Wir wollen einen Trainer, der die Hertha-DNA behütet“, erklärte Manager Michael Preetz. „Ante Covic versteht diese DNA mehr als jeder andere Kandidat.“ Er habe viele Spieler als Jugendtrainer gefördert, nun solle er sie zu Profis formen.

Zunächst einmal muss Coach Covic am Sonntag selbst sein Profidebüt bestreiten. „Es ist ein bisschen so wie in der Schule: Vor deinem ersten Schultag ist eine gewisse Aufregung mit dabei“, gab Covic vorab einen seltenen Einblick in sein Innenleben.

Nach einer vielversprechenden Saisonvorbereitung ist die in Ingolstadt ausgetragene Partie die erste Nagelprobe für Covic. Dabei muss er aus dem Schatten seines Vorgängers Pal Dardai treten. Als Profi- und Nachwuchstrainer tauschten sich beide regelmäßig aus, zuletzt gab es offenbar keinen Kontakt mehr. Natürlich wünschte Dardai Covic alles Gute, aber er weiß auch, Bundesliga-Trainer, das ist noch einmal etwas Anderes als Nachwuchsarbeit: der Druck, der Stress, die Belastung, die Öffentlichkeitsarbeit und Menschenführung. Die Last, Dardais Nachfolger zu sein, ist nicht ohne. Der Ungar war ein Mann des Volkes, eine Klubikone.

Es gibt Fans, die Covic als Westentaschen­version von Dardai sehen. Dabei sind beide Trainer, trotz des ähnlichen Werdegangs, äußerst unterschiedlich. Dardai war stets auf Sicherheit bedacht, ergebnisorientiert und pragmatisch. Spektakulär ging es unter ihm nur selten zu. Covic will attraktiven, offensiven Fußball spielen lassen. Dafür fehlte in der Vorbereitung bisweilen noch die Stabilität in der Defensive.

Königstransfer Lukebakio steht im 20er-Aufgebot

Unter Dardai war in der Trainingsarbeit zuletzt vieles eingefahren. Covic­ hat neue Impulse gesetzt. Er will erklären, die Spieler permanent stressen und durch Überforderung zu mehr Handlungsschnelligkeit erziehen. „Gebt dem Ball eine Botschaft!“, lautet eine seiner kruden Forderungen. Wenn seine Spieler­ bei mancher Übung stutzen, kontert­ er mit Einlassungen wie: „Ich habe­ auch kein Abitur und es trotzdem verstanden!“ Covic gibt sich kommunikativer und weniger mürrisch als Dardai, dafür gibt es ab und zu einen temperamentvollen Ausbruch. „Er ist ein emotionaler Typ“, sagte Stürmer Davie Selke. „Das finde ich gut. Er brennt wie wir und will sein Profidebüt gewinnen.“

Das wird nicht einfach, auch wenn Eichstätt Viertligist ist. In der Vor-Dardai-Ära waren Herthas Pokalspiele gegen unterklassige Gegner häufig Zitterpartien, mehrfach Blamagen. Das hat sich in den vergangenen vier Jahren geändert. 13 Pokalspiele bestritt Hertha unter Dardai, davon neun gegen unterklassige Gegner. Alle neun wurden gewonnen.

Der „Kicker“ spekuliert, dass Covic gegen Eichstätt im 4-3-3-System spielt, der 20-Millionen-Zugang Dodi Lukebakio von der Bank kommt, Rune Jarstein im Tor steht und Thomas Kraft dafür in späteren Pokal-Runden spielt.

Zwangspause für Plattenhardt

Wegen muskulärer Probleme muss Marvin Plattenhardt in Berlin bleiben. Seine Position als linker Verteidiger dürfte Maximilian Mittelstädt übernehmen. In der Vorbereitung wechselte Covic viel durch, legte sich auf keine klare Stammelf fest. Das hielt Dardai anders, auch um den Spielern Sicherheit zu geben. Dafür kam seine Mannschaft öfter mal behäbig­ auf den Platz und verpennte die Anfangsphase­. Damit Hertha hellwach startet, muss Covic hier ­mitreiße­n­, auch verbal.

Den Medien lieferte Dardai zuverlässig markige Sprüche, gern garniert mit ungarischer Folklore. Covic gibt sich in der Öffentlichkeit zwar offen, transportiert aber wenige Inhalte, ant­wortet nicht auf Fragen, weicht aus, versteckt sich hinter Phrasen. Auch dort muss er noch in die neue Rolle wachsen. Am besten mit seiner ganz eigenen Mischung: mit Leichtfüßigkeit und Seriosität.