Bundesliga

Herthas Marvin Plattenhardt setzt auf Attacke statt England

Vor einem Jahr gelang Herthas Marvin Plattenhardt im DFB-Pokal ein Traumtor, ehe ein Karriereknick folgte. Nun will er wieder angreifen

Marvin Plattenhardt absolvierte 2018/19 seine bislang schwächste Saison bei Hertha. Seine Bilanz: 22 Spiele, ein Tor, zwei Vorlagen.

Marvin Plattenhardt absolvierte 2018/19 seine bislang schwächste Saison bei Hertha. Seine Bilanz: 22 Spiele, ein Tor, zwei Vorlagen.

Foto: Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH

Berlin. Über links müsste Marvin Plattenhardt kommen. Bei Hertha BSC läuft am Donnerstagmorgen ein Trainingsspiel, der Außenverteidiger wird offensiv auf dem Flügel angespielt. „Platte!“, ruft ein Fan begeistert. Plattenhardt hätte nun alle Optionen: zur Grundlinie sprinten. Flanken. Gegenspieler Lukas Klünter ausdribbeln. Der Nationalspieler entscheidet sich: für einen Rückpass ins Mittelfeld.

Wenn jeder Ball eine Botschaft haben muss, wie Trainer Ante Covic fordert, dann hatte dieser Ball die Botschaft: Sicherheit zuerst. Nicht unbedingt Teil von Covics neuer Hertha-Philosophie.

Wenige Zeit später erhält Maximilian Mittelstädt den Ball in ähnlicher Position. Plattenhardts Konkurrent auf der Linksverteidiger-Position entscheidet sich für: eine Flanke, mit der er das Spiel verlagert und den Angriff am Leben hält. Botschaft hier: Es geht weiter vorwärts.

Marvin Plattenhardt: England-Gerücht kurz vor Transferschluss

Nach dem Trainingsspiel geht es für Plattenhardt erst einmal Richtung Kabine. „Ich persönlich freue mich riesig auf den Saisonstart“, sagt der 27-Jährige vor dem Pflichtspielstart am Sonntag beim VfB Eichstätt (15.30 Uhr). „Wir sind heiß auf das erste Pokal-Spiel und wollen eine Runde weiterkommen.“

Wie jemand, der mit Hertha innerlich abgeschlossen hat, klingt er nicht. Dabei streute der „Football Insider“ kurz vor Transferschluss in England noch einmal das Gerücht, der Berliner Bundesligist befände sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem FC Watford über einen Wechsel.

Nach Informationen der Morgenpost war nichts dran an dem Gerücht. Immer wieder wurde Plattenhardt mit einem Wechsel nach England in Verbindung gebracht, am Ende ist der Angestellte mit Festvertrag bis 2023 stets in Berlin geblieben, wo er sich wohlfühlt.

Es gibt auch Hertha-Fans, die nichts dagegen gehabt hätten, wenn ihr Verein mit Plattenhardt eine stolze zweistellige Millionenablöse erzielt hätte. Das verwundert, denn eigentlich müsste Plattenhardt als einziger deutscher Nationalspieler im Kader (Niklas Stark wurde zwar berufen, aber noch nicht eingesetzt) so etwas wie ein Aushängeschild der Berliner sein. Doch seit der verkorksten WM in Russland, als Plattenhardt im ersten Gruppenspiel gegen Mexiko auflief und gegen Mario Gomez ausgewechselt wurde, hat Bundestrainer Joachim Löw ihn nicht mehr eingeladen.

In der ersten Pokalrunde gelang ihm 2018 ein Traumtor

Dabei hatte sich Plattenhardt direkt danach mit einem Traumtor im Hertha-Dress zurückgemeldet. Mit einem Volleyschuss aus 25 Metern hatte er die Berliner in der ersten Pokalrunde beim 2:1 in Braunschweig in Führung geschossen. Ein Kunststück, das er gerne wiederholen würde.

„Jeder Spieler geht mit solchen Gedanken ins Spiel“, sagt Plattenhardt. „Wenn‘s klappt, schön, wenn nicht, auch nicht schlimm.“

Danach hatte jedoch nicht mehr viel geklappt. Erst wurde der gebürtige Schwabe aus der Nationalmannschaft gestrichen, dann lief ihm Hertha-Eigengewächs Mittelstädt zwischendurch den Rang als Linksverteidiger ab. Für die neue Saison hat er sich nun viel vorgenommen.

Vorteile in der Viererkette

„Ich möchte jedes Spiel bestreiten, wieder torgefährlicher werden, mit Freistößen, mit Standards oder mit Vorlagen“, sagt er. „Letzte Saison war durchwachsen, es lief nicht so gut. Aber jetzt bin ich ja gut in die Vorbereitung gestartet und freue mich, dass es losgeht.“

In der Vorbereitung kam Plattenhardt meist hinten links zum Einsatz, wenn Hertha mit Viererkette spielte. Operieren die Berliner offensiver mit Dreierkette, muss der Mann auf links eine freie Rolle ohne Vorder- oder Hintermann einnehmen, die Außenbahn von vorne bis hinten beackern. Nicht unbedingt Plattenhardts Paradedisziplin, da er nicht zu den lauf- und risikofreudigsten Spielern zählt.

„Ich spiele beides gern“, sagt er. „Letztendlich versuche ich das, was der Trainer von uns verlangt, abzurufen und im Training zu zeigen.“ Dennoch könnte es sein, dass Mittelstädt am Ende den Vorzug erhält. Schließlich war es vor sieben Jahren Ante Covic, der den heute 22-Jährigen als Jugendtrainer zu Hertha lotste.

Erfolgserlebnis bei der Generalprobe

Plattenhardt ist trotzdem überzeugt, dass er von der neuen, offensiveren Spielweise eher profitieren werde. „Es liegt mir schon, wir haben jetzt in der Vorbereitung viele Laufwege studiert. Man sieht, dass ich auch im mittleren Bereich unterwegs bin oder auch nach vorne attackieren kann“, analysiert er. „In den Freundschaftsspielen habe ich es ganz gut hinbekommen. Letztendlich entscheidet der Trainer, wer spielt.“

Am Ende hat Plattenhardt sogar in England gespielt und das sehr erfolgreich. Im abschließenden 4:0-Testpielsieg bei Crystal Palace erzielte er den Führungstreffer – mit dem Allerwertesten. „Ich wurde natürlich mehr oder weniger angeschossen von Ondrej Duda“, berichtet Plattenhardt und lacht dabei.

Es muss ja nicht immer ein Volleytor aus 25 Metern sein.