Kolumne Immer Hertha

Die Familien Dardai, Covic, Köpke und Klinsmann

Von großen Fußspuren und guten Genen: Mit Vätern und Söhnen ist das so eine Sache in der Fußball-Bundesliga.

Der Vater als Vorgesetzter: Pal Dardai (r.), hier noch in der Funktion als Cheftrainer von Hertha, und Sohn Palko Dardai.

Der Vater als Vorgesetzter: Pal Dardai (r.), hier noch in der Funktion als Cheftrainer von Hertha, und Sohn Palko Dardai.

Foto: Imago/Nordphoto/Reto Klar/BM Montage

Im Sommer 2018 trugen vier Profis mit Namen von prominenten Fußball-Vätern das Trikot von Hertha BSC: Palko Dardai, Sohn des damaligen Trainers Pal Dardai. Maurice Covic, Sohn des jetzigen Trainers Ante Covic. Pascal Köpke, Sohn von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Und Jonathan Klinsmann, Sohn von Jürgen Klinsmann. Wenn die aktuelle Transferperiode Anfang September endet, wird sich dieses Quartett – so ist es geplant - bei anderen Vereinen versuchen. Ein neuer Anlauf, um den Durchbruch im Profigeschäft zu versuchen.

Anders als andere Youngster, die ihr Glück im Fußball versuchen, werden die Träger berühmter Namen ständig vom Umfeld konfrontiert mit einer Mischung aus Erwartungen und Vorbehalten. Der Schatten vom Vater – ein Malus oder ein Bonus? Der Blick in die Bundesliga-­Historie zeigt: kommt drauf an.

Scholl jr. spielt im Harz

So galten beim FC Bayern kurzfristig Gianluca Gaudino, Sohn von Maurizio Gaudino, und Lucas Scholl, Sohn von Mehmet Scholl, als Zukunftshoffnungen. Der Hype, der um sie gemacht wurde, ist ihnen nicht bekommen. Scholl junior wich der großen Öffentlichkeit aus und spielt im Harz für Regionalligist Wacker Nordhausen. Gaudino junior wechselte in die Schweiz und kickt nach mehreren Stationen seit Januar beim Schweizer Meister Young Boys Bern.

Dann ist da die Redensart vom Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt. Auch hier zeigt der Blick in die Bundesliga-Historie: kommt drauf an.

Der KSC und Rolf und Oliver Kahn

So liegen auf Platz zwei der „Vater-Sohn-Liste“ mit den meisten Bundesliga-Einsätze zwei Torwarte: Dass Oliver Kahn auf 557 Erstliga-Spiele kommt, ist bekannt. Dass Vater Rolf für den Karlsruher SC ebenfalls elfmal Bundesliga gespielt hat, erinnern nur die Älteren - es geht um 1963 und 1964.
Papa Kahn war ein großer Förderer des Sohnes: Kein Rückblick auf die Karriere von Oliver „Titan“ Kahn, in dem nicht die Rede ist von Extraeinheiten am frühen Sonntag im Wildpark in Karlsruhe. Von Spaziergängern, die dem Duo, das dort merkwürdige Übungen im Park machte, den Vogel gezeigt hat.

Häufig ist es jedoch so, dass der Sohn, um nicht mit den großen Fußspuren des Vaters verglichen zu werden, sich auf anderen Positionen versucht. Siehe Jonathan Klinsmann, der eben nicht im Sturm spielt wie Vater Jürgen, sondern im Tor. Nachdem er sich bei Hertha BSC entwickelt, aber keine Chancen auf Bundesliga-Spielzeit hatte, hat sich Jonathan Klinsmann im Juli dem FC St. Gallen in der Schweiz angeschlossen.

Pascal Köpke ist ein flinker Offensivspieler und mit seiner Größe von 1,77 Meter eh nicht geeignet für den vom Papa ausgeübten Torwart-Job. Auf dem hat es Vater Andreas Köpke 1996 zum Gewinn des Europameister-Titels gebracht. Die Herausforderungen für Pascal Köpke sind andere: Der Angreifer braucht dringend Spielpraxis und wird wohl an Zweitligist Dynamo Dresden­ ausgeliehen.

Wenn der berühmte Papa Trainer ist

Nochmal schwieriger wird es, wenn der berühmte Vater der eigene Trainer ist. Bei Pal Dardai, Rekordspieler von Hertha, und Palko registrierte das Umfeld sehr genau, ob der Vater den Sohn bevorzugt oder benachteiligt hat.

Ante Covic sagt, dass er im Umgang mit Sohn Maurice klare Grenzen zieht: In der Kabine und im Training werde niemand ein Vater-Sohn-Verhältnis spüren, Maurice sei ein Spieler wie jeder andere. Unabhängig vom Namen halten­ sie bei Hertha einiges von den Talenten: Dardai junior und Covic junior sollen ver­liehen werden, um sich in Liga zwei (oder drei) zu behaupten.

Wenn die Mama Weltklasse-Gymnastin war

Und manchmal fällt der Apfel doch nicht weit vom Stamm. Souleymane Sané war ein pfeilschneller Stürmer. Sohn Leroy Sané hält seit Wochen die Bundesliga und den FC Bayern in Atem. Der 23-Jährige, der auch die Gene von Mutter Regina Weber, einst eine Weltklasse-Gymnastin, in sich trägt, gilt als die Hoffnung des deutschen Fußballs. Ob er nun einen Vertrag beim deutschen Branchenprimus in München unterschreibt oder sein Arbeitspapier beim englischen Meister Manchester City verlängert – Leroy Sané wird zu einem der bestverdienenden deutschen Profis aufsteigen.