Bundesliga

Herthas Davie Selke – „Ich will zweistellig treffen“

Hertha BSC: Davie Selke hat die gesamte Vorbereitung über geschwiegen. Nun meldet der Angreifer sich zu Wort – gewohnt selbstbewusst.

In der Vorsaison kam Davie Selke (Nr. 27) auf überschaubare drei Tore, bereitete aber neun Treffer vor.

In der Vorsaison kam Davie Selke (Nr. 27) auf überschaubare drei Tore, bereitete aber neun Treffer vor.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Berlin.. Davie Selke hat bei Hertha BSC schon einige Duftmarken hinterlassen. Betritt der kickende Angestellte einen Raum, ist oftmals ein markantes Herrenparfüm zu schnuppern. Der 24-Jährige mit dem tätowierten Oberkörper und den Glitzersteinen im Ohr legt nicht nur Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild, er will auch die feine Nase ansprechen. Als Selke am Mittwoch den Medienraum des Berliner Bundesligisten betritt, liegt jedoch dezenter Sportlergeruch in der Luft. Der Angreifer hat sich direkt vom Trainingsplatz zum Pressetermin begeben, er ist sozusagen noch im Arbeitsmodus. Monatelang hat Selke lieber Schweiß als Worte sprechen lassen, Anfragen abgeblockt, um sich auf sein Kerngebiet zu konzentrieren.

„Mir war es wichtig, den vollen Fokus auf Sport zu legen, auf das Training, die Spiele“, sagt Selke. „Jetzt fühle ich mich sehr gut, ich bin fit und bereit.“ Mit mittlerweile 24 Jahren habe er gelernt, dass er absolute Fitness benötige, um Leistung zu bringen. Die spüre er nun.

Drei Tore, neun Assists

Selke wirkt im Gespräch selbstbewusst wie eh und je. Den Oberkörper hält er aufrecht, er lacht viel, hält den Blickkontakt zum Gesprächspartner. Dabei war die vergangene Saison nicht unbedingt eine erfolgreiche für ihn. In 30 Bundesligaspielen, davon nur elf über die vollen 90 Minuten, gelangen ihm gerade mal drei Treffer. Dafür bereitete er neun Tore vor.

„Das ist eine ganz gute Quote. Aber ich bin Stürmer, ich will immer treffen, Tore machen.“ Drei Treffer entsprächen nicht seinem eigenen Anspruch. „Ich will zweistellig treffen, wie in meiner ersten Saison bei Hertha. Das ist das Ziel für mich, was ich mir wieder vornehme.“

Konkurrenz durch Ibisevic und Lukebakio

Selke will zeigen, warum Hertha vor zwei Jahren 8,5 Millionen Euro an RB Leipzig überwiesen hat, bis vor wenigen Tagen eine Rekordablöse – ehe die Berliner Dodi Lukebakio für 20 Millionen Euro verpflichteten. Dass der Rekordeinkauf auch im Sturm spielen kann, schreckt Selke nicht. Konkurrenz sei immer gut, auch für die Trainingsqualität, „aber ich schaue nur auf mich. Wenn ich fit bleibe, werde ich auf meine Minuten kommen.“

Das ist bei Selke bedauerlicherweise ein größeres Wenn gewesen. In den vergangenen Jahren hatten ihn immer wieder Verletzungen zurückgeworfen, wie ein Lungenriss im Sommer 2018. Nach der anschließenden Operation kam er nur schwer wieder auf die Beine. „Ich will mich anbieten und aufdrängen“, sagt er nun.

Mit drei Treffern ist er in der Saisonvorbereitung zusammen mit Vedad Ibisevic Herthas bester Torschütze. Im Training fällt er meist nicht sonderlich auf, außer, wenn er mit seinen Mitspielern oder sich selbst hart ins Gericht geht. Seinen Ehrgeiz zu zügeln, muss Selke wohl ebenso lernen wie Geduld, auch mit dem eigenen Körper und seiner Rolle im Team.

Saisonstart gegen den VfB Eichstätt

Denn zu Saisonbeginn scheint Ibisevic trotz seiner inzwischen 35 Jahre im Sturmzentrum gesetzt, der neue Trainer Ante Covic bestätigte den Bosnier schnell als Kapitän und sucht oft das Gespräch mit seinem Führungsspieler. Als beim Pressetermin ein Fragesteller jedoch wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Ibisevic in den ersten Saisonspielen starte, fährt Selke ihn umgehend an. „Wie kommen Sie darauf? Haben Sie mit dem Trainer geredet? Finde ich interessant, dass Sie das so genau wissen ...“, kontert er und stellt klar. „Ich will auf meine Spiele kommen, mich anbieten, aufdrängen. Mein Anspruch ist, hier zu spielen.“

Vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal beim VfB Eichstätt am Sonntag (15.30 Uhr) und der ersten Bundesliga-Partie am Freitag darauf beim FC Bayern München sagt Selke: „Wer spielt, kommt auch darauf an, wer zum Gegner passt.“

Löw-Wort als Ansporn

Der junge Stürmer glaubt an seine Einsatzchancen und hat sich laut eigener Aussage, trotz diverser Anfragen auch in diesem Sommer, „nicht mit einem Wechsel befasst. Ich fühle mich sehr, sehr wohl in Berlin und bei Hertha.“ Er hofft auch, vom neuen Trainer zu profitieren. Ante Covic mache einen „guten Eindruck“ auf ihn. Der frühere U-23-Trainer sei „ein emotionaler Typ“, seine mutige Spielweise komme „uns Offensivspielern entgegen“.

Persönlich hat der frühere U-21-Europameister auch die Nationalmannschaft noch nicht abgeschrieben. Dass Bundestrainer Joachim Löw kürzlich in einem Interview mit dem „Kicker“ über seine Perspektive gesprochen habe, sei eine „Ehre“ und ein „Riesen-Ansporn“. Aber auf Nachfrage wollte Selke auch nicht ausschließen, einmal für die Auswahl Tschechiens zu spielen, das Heimatland seiner Mutter. Egal, ob Deutschland oder Tschechien, für den Durchbruch zur internationalen Klasse müsste Davie Selke zunächst noch einige Duftmarken im Berliner Dress setzen.