FUSSBALL

Hertha BSC holt Dodi Lukebakio für Rekordsumme

Hertha BSC gibt Lukebakio einen Fünf-Jahres-Vertrag. Auch Maximilian Philipp von Borussia Dortmund ist weiter ein Kandidat.

Hertha-Manager Michael Preetz (l.) und der neue Stürmer Dodi Lukebakio

Hertha-Manager Michael Preetz (l.) und der neue Stürmer Dodi Lukebakio

Foto: Foto: Hertha BSC via Twitter

Berlin.  Mit der Verpflichtung von Dodi Lukebakio (21) stößt Hertha BSC in neue Dimensionen vor. So viel Geld wie nie nahm der Fußball-Bundesligist in die Hand, um sich die Dienste des belgischen Stürmers zu sichern. So überweist der Hauptstadt-Klub dem FC Watford als Ablöse einen Sockelbetrag von 20 Millionen Euro - Lukebakio stand beim Premier-League-Klub noch bis 2022 unter Vertrag.

Über die Laufzeit des neuen Vertrages machte Hertha BSC keine Angaben. Dem Vernehmen nach läuft das Arbeitspapier von Lukebakio bis 2024. Geht man von einem Jahressalär von (geschätzt) drei Millionen Euro aus und rechnet noch einen Signing-Bonus sowie die eine oder andere Leistungsprämie dazu, hat Hertha für den Angreifer ein Paket geschnürt­, das in der Größen­ordnung von 35 bis 38 Millionen Euro liegen­ dürfte­.­

Zum Vergleich: Der bisherige Rekordtransfer von Hertha BSC war Davie Selke. Den Stürmer hatten die Berliner 2017 für acht Millionen Euro von Liga-Konkurrent RB Leipzig gekauft.

Lukebakio bekommt die Lustenberger-Nummer

„Dodi Lukebakio ist ein dynamischer Offensivspieler, der nicht nur Tore schießen kann, sondern auch das Auge für den Mitspieler hat“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. „Wir glauben daran, dass er sich bei uns weiter­entwickeln und der Mannschaft mit seinen­ Fähigkeiten helfen wird.“

Lukebakio erhält in Berlin die Rückennummer 28. Die trug in den vergangenen zwölf Jahren Hertha-Idol Fabian Lustenberger, der im Sommer in seine Heimat Schweiz zurückgekehrt ist.

Die Kasse von Hertha BSC ist aus verschiedenen Gründen gut gefüllt: So hat Manager Michael Preetz gerade Rechtsverteidiger Valentino Lazaro für 22 Millionen Euro an Inter Mailand veräußert. Zudem stehen dem Klub seit Juni Mittel zur Verfügung wie noch nie: 125 Millionen Euro hat Investor Lars Windhorst bezahlt, und dafür 37,5 Prozent der Anteile an der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien erhalten.

„Hertha ist ein großer Klub in Deutschland und hat sehr viel Interesse an mir gezeigt“, sagte Lukebakio. „Das hat mich schnell überzeugt, dass ich nach Berlin wechseln wollte. Ich möchte mich anbieten, viel spielen und viele Tore­ schießen.“

Dreierpack gegen den FC Bayern

Die Vita von Lukebakio, geboren in Assen in Belgien, ist ein Lehrbeispiel für die Unwägbarkeiten und die Schnelligkeit der Branche. Grundsätzlich ist der Offensivspieler vielseitig einsetzbar: Er kann sowohl über die rechte als auch die linke Seite kommen und dazu im Zentrum spielen. Nach seiner Ausbildung beim belgischen Vorzeigeklub RSC Anderlecht ging Lukebakio auf Wanderschaft: Eine Saison als Leihspieler in Frankreich beim FC Toulouse (2016/17). Resultat: nur fünf Einsätze, kein Tor. Eine Saison als Leihspieler an Sporting Charleroi (19 Spiele, drei Tore). Dann wechselte Lukebakio im Sommer 2018 zum FC Watford - und fand in England kaum statt (ein Einsatz).

Umso bemerkenswerter war der Auftritt in der Bundesliga. Ausgeliehen an Fortuna Düsseldorf sorgte der Belgier mit zehn Toren für Aufsehen, besonders mit seinem Dreierpack beim 3:3 gegen den FC Bayern. Düsseldorf hätte den Angreifer gern behalten, verfügte aber nicht über die nötigen finanziellen Mittel.

Lukebakio trainiert um 15 Uhr bei Hertha

Neben Hertha waren auch andere Klubs interessiert, allen voran der französische­ Champions-League-Starter OSC Lille. Der Stürmer und seine Berater­ hörten sich die Offerte an – entschieden­ sich aber dagegen.

Lukebakio, U21-Nationalspieler in Belgien, gefiel, was er in Berlin gehört und gesehen hatte: Dass bei Hertha regelmäßig junge Spieler entwickelt werden und Einsatzzeiten erhalten. Nun soll Schluss sein mit der Wanderzeit – Lukebakio will bei Hertha richtig ankommen.

In Berlin wird Lukebakio zum ersten Mal am Freitag beim Training auf dem Schenckendorff-Platz zu sehen sein.

BVB will 26 Millionen für Philipp

Und wie es aussieht, soll der spektakuläre Transfer nicht der letzte seiner Art bleiben. Hertha ist auf der Suche nach weiteren Verstärkungen. Via Twitter hat sich Hertha-Manager Michael Preetz zu Spekulationen geäußert, dass sich der Hauptstadt-Klub mit Maximilian Philipp (25) von Borussia Dortmund über eine Verpflichtung einig sei. Preetz schrieb dazu: „Zum Transfer­gerücht um Maximilian Philipp: Ein toller Spieler, dazu ein Berliner Junge. Aber eine Verpflichtung ist derzeit nicht darstellbar­.“

Diese Aussage ist allerdings nicht so zu verstehen, dass Hertha kein Interesse an Philipp hat. Nach Morgenpost-Information ist Hertha durchaus sehr interessiert an dem Flügelflitzer mit Hertha-Vergangenheit. Bekanntlich hat Philipp, gebürtiger Berliner aus Lankwitz, in der Jugend acht Jahre bei Hertha gespielt. Er war Balljunge im Olympiastadion, ehe er 2008 von Herthas Jugendtrainern weggeschickt worden war: Mit 1,55 Metern sei er zu klein und zu schmächtig. Philipp ist gewachsen (1,83 Meter) und hat sich beim SC Freiburg in der Bundesliga etabliert. 2017 holte der BVB den schnellen Flügelmann – damals für rund 20 Millionen Euro.

Mit Blick auf seine vielen Offensivspieler will Dortmund Philipp abgeben. Allerdings ist Hertha nicht bereit, die im Raum stehende Ablösesumme zu zahlen. Dem Vernehmen nach fordert der BVB für Philipp 26 Millionen. „Derzeit nicht darstellbar“, wie Preetz es formuliert. Auslandsoptionen interessieren Philipp nicht. Der 25-Jährige will in der Liga bleiben, um sich für die Nationalmannschaft zu empfehlen. Das Transferfenster ist noch bis zum 2. September geöffnet … da geht noch was.