FUSSBALL

Gämperle: „Ich will Ante Covic zur Seite stehen“

Hertha BSC: Harald Gämperle hat die Uefa-Pro-Lizenz für den Chef-Posten, ist aber zum zweiten Mal als Co-Trainer in Berlin

Gute Stimmung herrscht im Trainingslager im Burgenland bei Co-Trainer Harald Gämperle (l.) und Ante Covic, dem Cheftrainer von Hertha BSC.

Gute Stimmung herrscht im Trainingslager im Burgenland bei Co-Trainer Harald Gämperle (l.) und Ante Covic, dem Cheftrainer von Hertha BSC.

Foto: Soeren Stache / dpa

Stegersbach.. Neulich hat er seinen ehemaligen Chef wiedergetroffen, zufällig im gleichen Flugzeug von Zürich in Richtung Tegel. Nein, die Rede ist nicht von Lucien Favre - dazu später mehr: Urs Fischer war der Trainer, der im selben Flieger saß wie Harald Gämperle.

Von 2010 bis 2012 war Gämperle Co-Trainer beim FC Zürich, sein Vorgesetzter hieß Urs Fischer. Mittlerweile arbeiten beide Schweizer in Berlin: Gämperle bei Hertha BSC, Fischer hat sich als Aufstiegstrainer des 1. FC Union auf Anhieb ins Union-Geschichtsbuch eingeschrieben. „Urs und Union, das scheint zu passen“, sagte Gämperle, „ich finde es beachtlich, dass Union jetzt Bundesliga spielt, er hat das gut hinbekommen.“

Hertha BSC zahlte 2007 Ablöse für Gämperle

Sein Fokus gilt aber dem neuen/alten­ Arbeitgeber. Von 2007 bis 2009 war Gämperle schon einmal bei Hertha, damals als rechte Hand von Lucien Favre. So unbedingt wollten die Berliner den Co-Trainer haben, dass Hertha damals eine Ablöse an den FC Zürich zahlte, der Gämperle nicht hergeben wollte. Heute gibt es solche Konstellationen immer mal wieder. 2007 war es sehr, sehr ungewöhnlich­, für einen Co-Trainer eine sechsstellige Summe auszugeben.

Nach zehn Jahren Pause ist Gämperle wieder da. Und es hat sich einiges geändert­. „Es ist kein Spieler von früher mehr hier“, sagte Gämperle. Den letzten Profi aus jener Ära hat er just verpasst: Fabian Lustenberger, 2007 von Favre geholt, hat Hertha im Sommer verlassen in Richtung Young Boys Bern, den bisherigen Arbeitsplatz von Gämperle.

„Bei Hertha ist alles professioneller geworden“

Auch sonst ist vieles anders. „Im Verein ist alles professioneller geworden. Die Kabine sieht anders aus, die Athletik-Modalitäten haben sich entwickelt“, sagte Gämperle. Nur die beiden Trainingsplätze auf dem Schenckendorff-Platz „sind wie immer top.“

Auf die Frage, wie er sich in den vergangenen zehn Jahren verändert hat, antwortet der mittlerweile 51-jährige Gämperle: „Von der Art her habe ich mich nicht verändert. Aber ich bin etwas älter geworden, reifer und erfahrener.“ So war er nicht nur zweiter Mann bei Fischer, sondern später in Bern auch bei Adi Hütter, dem heutigen Coach von Eintracht Frankfurt.

Seit Dezember 2015 besitzt Gämperle die Uefa-Pro-Lizenz. Damit kann er in allen europäischen Ligen als Cheftrainer arbeiten. Nach zuletzt zwei Schweizer Meisterschaften mit den Young Boys (2018 und 2019), wäre der Schritt zum ersten Mann jetzt nicht logisch gewesen? Gämperle zuckt mit den Schultern, da habe sich nichts ergeben.

Preetz wollte einen Routinier neben dem jungen Chef

Er freue sich sehr über die neue Aufgabe in Berlin. Der Draht mit Manager Michael Preetz ist über all’ die Jahre nie abgerissen. Ante Covic (43), der zum ersten Mal eine Profimannschaft trainiert, hat sich Mirko Dickhaut als Cotrainer ausgesucht. Der Manager setzte mit Gämperle auf jemanden, den er kennt und der über Erfahrung in der Branche von mehr als drei Jahrzehnten verfügt.

„Ich bin gern, was ich bin“, sagte Gämperle, „ich gebe gern meine Erfahrung an junge Trainer weiter. Mir ist es wichtig, Ante Covic zur Seite zu stehen und zu helfen.“

Das Trainer-Team bespreche sich vor und nach jeder Einheit. Jedes Mal werde festgelegt, ob etwa Mirko Dickhaut oder er eine Übung leitet, damit sich Covic mal rausnehmen und die Situation beobachten kann. „Aber klar ist“, sagte Gämperle: „Ante ist der Cheftrainer. Die Trainingspläne, die taktische Ausrichtung, das kommt von ihm.“

Das Team befindet im Trainingslager im Burgenland in der fünften Trainingswoche, natürlich gibt es unterschiedliche Aufgaben. „Die stehenden Bälle, offensiv und defensiv, das wird mir vielleicht zukommen, das müssen wir noch absprechen“, erzählte Gämperle und meint damit Standardsituationen wie Ecken oder Freistößen.

Schmerzhafte Lektion mit Favre

Eine schmerzhafte Lektion hat er vor zehn Jahren aus Berlin gelernt. Da hatte sich Gämperle einmal öffentlich für den schwer in der Kritik stehenden Lucien Favre ausgesprochen. Favre war dennoch gefeuert worden. Und der damalige Cheftrainer hat seinem zweiten Mann dessen Mut nicht gelohnt: Seither hat Favre mit Gämperle kein Wort mehr geredet. Und Gämperle, 2009 gerade mit der Familie nach Berlin umgesiedelt, war seinen Job auch los. Dazu will er nichts mehr sagen. Nur so viel: Gäbe es heute eine vergleichbare Situation, „würde ich das anders lösen­“.

Mit dem Hertha-Jahrgang 2020, der heute gegen West Ham United testet (18 Uhr) hat Gämperle viel vor: „Unser Ziel ist es, dass wir uns verbessern. Nicht nur, was die Platzierung angeht. Wir wollen, dass die Zuschauer guten, attraktiven und erfolgreichen Fußball sehen. Der Kader hat ein gutes Niveau. Uns geht es auch um die Weiterentwicklung von unseren vielen jungen Spielern.“