FUSSBALL

Hertha-Star Löwen: Intervalltraining als Hochzeitsgeschenk

Hertha BSC: Drei Tage nach seinem Ja-Wort wird Eduard Löwen bei seinem Klub intensiv rangenommen

Eduard Löwen, Mittelfeldspieler von Hertha BSC, beim Ausdauertraining

Eduard Löwen, Mittelfeldspieler von Hertha BSC, beim Ausdauertraining

Foto: Foto: Stache / pA/dpa

Stegersbach . Die Kollegen waren längst vom Trainingsplatz verschwunden – nur einer zog noch seine Bahnen: Eduard Löwen (22) absolvierte an der Seite von Athletiktrainer Henrik Kuchno einen intensiven Lauf. Ante Covic, der Cheftrainer von Hertha BSC, stand an der Seite und sagte augenzwinkernd: „Eduard bekommt­ gerade­ ein kleines Hochzeitsgeschenk von Kuchno.“

Hintergrund: Seinen Hochzeits­termin am 27. Juli hatte Löwen Anfang des Jahres festgelegt. Da war weder abzusehen, dass er mit dem 1. FC Nürnberg absteigen, noch, dass er zu Hertha BSC wechseln würde. Bei den Vertragsgesprächen wies Löwen seinen neuen Arbeit­geber daraufhin, dass er an diesem Wochenende­ definitiv einige freie Tage braucht. „Das war abgemacht“, bestätigte Covic. „Wenn jemand erfreulicherweise seine Hochzeit feiert, will ich da als Trainer nicht im Weg stehen.“

Löwen ist bibeltreuer Christ

Der Deal war: Löwen, der ebenso wie Arne­ Maier und Maximilian Mittelstädt bis Ende Juni im deutschen Team bei der U21-Europameisterschaft in Italien dabei­ war, nimmt seinen Dienst bei Hertha­ drei Tage früher als die beiden Kollegen. „Eduard hat vor­gearbeitet – jetzt wird nachgearbeitet“, sagte Covic.

Mit Löwen hat Hertha BSC einen interessanten Spieler bis 2024 unter Vertrag genommen. Er ist in Idar-Oberstein geboren und stammt aus einer Familie von Russlanddeutschen, die zwei Jahre vor seiner Geburt nach Deutschland übergesiedelt sind. Diskriminierungen haben er und seine Geschwister mehrfach erlebt. Löwen ist bibeltreuer Christ. Das heißt: Kein Platz für Aberglauben oder Rituale, keine Tattoos, kein Alkohol. Ob auf der Nürnberger Aufstiegsfeier 2018 oder bei seiner Hochzeitsfeier in einem Dorf in Rheinland-Pfalz: Löwen hat beides komplett nüchtern erlebt: „Ich kann damit nichts anfangen und will das auch nicht.“

Muskulös dank russischer Militär-Tradition

Geholt hat Hertha ihn aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten. Trainer Covic beschreibt es so: „Eduard ist ein Allrounder, der im mittleren Sektor fast alles spielen kann: auf der Acht, auf der Doppel-Sechs oder als alleiniger Sechser.“ Als eine weitere Qualität sieht der Trainer, dass Löwen Verantwortung übernehmen will: „Er fordert auch als gedeckter Spieler Bälle. Er hat eine gute Schlagtechnik, ist körperlich sehr gut beisammen.“

In der Tat strahlt Löwen, der auf 1,88 Metern 91 muskulöse Kilos versammelt, eine erhebliche körperliche Präsenz aus. Löwen sieht sich als „Box-to-Box-Spieler“, als einen, der am liebsten zwischen den Strafräumen agiert. An seinem Körperbau sei sein Vater nicht ganz unschuldig. Der habe in alter russischer Militär-Tradition dafür gesorgt, dass sein Sohn im Alter von zwölf Jahren mit täglichen Liegestützen, Sit-ups und Klimmzügen begonnen hat.

Sieben Millionen Euro Ablöse

Sein Potenzial drückt sich nicht nur in dem Fünf-Jahres-Vertrag aus, den Hertha vergeben hat. Auch die Ablöse von sieben Millionen Euro ist für die Verhältnisse des Hauptstadtklubs erheblich. An dem Mittelfeldspieler waren auch der FC Augsburg, Eintracht Frankfurt und einige russische Klubs interessiert. „Ich habe mich vor allem nach dem intensiven Gespräch mit Trainer Ante Covic und Manager Michael Preetz für Hertha entschieden“, erzählte Löwen. Der Trainer sei sehr gut vorbereitet gewesen, habe ihm genau erklärt, dass Hertha junge Spieler ausbilde und welche Schritte Löwen in Berlin gehen könne.

Weggesteckt hat er mittlerweile seinen­ EM-Frust. U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz hatte Löwen im gesamten Turnier in Italien nicht einmal ein­gesetzt. „Das hat auf mir gelastet“, sagte Löwen, „weil ich es gar nicht ertragen kann, auf der Bank zu sitzen.“

Viel Konkurrenz im Hertha-Mittelfeld

Nun ist auch bei Hertha BSC die Konkurrenzsituation nirgends so ausgeprägt wie im zentralen Mittelfeld. Neben Löwen hoffen dort Marko Grujic, Per Skjelbred, Maier, Vladimir Darida, Sidney­ Friede und Ondrej Duda­ auf ihre Einsatzzeiten.

„Für mich ist es wichtig, viele Bälle zu haben, aktiv zu sein. Ob ich auf der Sechs, Acht oder Zehn spiele, das entscheidet der Trainer.“ Darauf angesprochen, wie das Verhältnis zu den Kollegen ist, die teilweise auch Konkurrenten sind, sagte Löwen: „Die Jungs sind alle cool drauf. Ich wüsste niemanden, mit dem ich nicht auskomme.“ Aber klar, „die Qualität ist sehr hoch. Ich weiß, dass es schwer wird. Aber untereinander haben wir ein gutes Verhältnis.“

Die Trainingsarbeit von Kuchno ist ob ihrer Intensität bei den Hertha-Profis berühmt-berüchtigt. Auf die Frage, ob Löwen sich beim Athletiktrainer bedankt habe für dessen Hochzeitsgeschenk, antwortete er: „Nein. Ich habe Henrik gesagt, dass ich eigentlich genügend Hochzeitsgeschenke bekommen habe. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen.“