FUSSBALL

Hertha BSC: Klünter profitiert vom Trainerwechsel

Ante Covic, der neue Trainer von Hertha BSC, wird auf der Suche nach einem Nachfolger für Valentino Lazaro im eigenen Kader fündig

Lukas Klünter (l.) ,Rechtsverteidiger von Hertha BSC, lauscht den Anweisungen von Trainer Ante Covic.

Lukas Klünter (l.) ,Rechtsverteidiger von Hertha BSC, lauscht den Anweisungen von Trainer Ante Covic.

Foto: Foto: Stache / dpa

Stegersbach. Die Position ist wichtig im modernen Fußball. Das belegt allein die flotte Ablöse von 22 Millionen Euro, die Hertha BSC von Inter Mailand für Rechtsverteidiger Valentino Lazaro erhalten hat. So gut der Fußball-Bundesligist eine solche Einnahme brauchen kann (Lazaro war 2017 für 6,5 Mio. Euro von RB Salzburg verpflichtet worden): Es war immer klar, dass die Berliner für die neue Saison eine überzeugende Lösung auf dieser Position brauchen.

Längst vorbei sind die Zeiten, als es hieß: Außenverteidiger kosten nichts, die bildet man selbst aus. Doch bevor Michael Preetz Geld für einen Neuen in die Hand nehmen wollte, gab der Hertha-Manager Trainer Ante Covic den Auftrag: Schaue Dir die Spieler im Kader an, für die wir schon Geld aus­gegeben haben. Nach vier Wochen Vorbereitung zeichnet sich ein klarer Sieger ab. Lukas Klünter hat die Zeit intensiv genutzt.

Pekarik im Pech, Leckie hat Mühe

Eigentlich hätte es ein Dreikampf sein sollen. Aber Peter Pekarik (32) hatte Pech und konnte verletzungsbedingt kaum teilnehmen. Mathew Leckie bemühte sich. Der Australier hat aber noch Mühe, sich auf der für ihn ungewohnten Position zu orientieren. „Wir wollten den drei Jungs die Möglichkeiten geben, sich zu präsentieren“, sagte Trainer Covic­. Er freue sich über die Entwicklung „von jedem einzelnen“.

Klünter dagegen präsentierte sich auffällig. Und mittlerweile belohnt er sich auch für den Aufwand, den er betreibt. Bei Herthas jüngstem 2:1 gegen Fenerbahce Istanbul bereitete er beide Tore vor. Beim ersten spielte er den Ball uneigennützig ab, sodass Debütant Daishawn Redan zu seinem ersten Tor kam. Vor dem zweiten Treffer eroberte Klünter den Ball im Istanbuler Strafraum, bediente Vedad Ibisevic, der zum 2:0 traf.

Klünter profitiert vom 3-5-2-System

Er profitierte davon, dass Hertha in jener Halbzeit in einem 3-5-2-System spielte, also mit drei Innenverteidigern. Dadurch kann Klünter seine Rolle als Außen­verteidiger sehr offensiv interpretieren. Natürlich hat sein Vorgesetzter die Erfolgserlebnisse registriert. „Lukas hat so hoch agiert, wie wir uns das wünschen.“ Wenn der Spieler den Ball im gegnerischen Sechzehner erobert, „dann sitzen wir hinterher mit ihm zusammen und analysieren das Video. Da versteht der Spieler, welche Vorteile es hat, wenn man so hoch spielt.“ Die Fähigkeit, die Klünter von anderen unterscheidet, ist seine Schnelligkeit. In der vergangenen Saison war er der schnellste Profi der Liga­ (35,4 km/h). „Mit seiner Geschwindigkeit kann Lukas jedem Gegner wehtun­“, sagte­ Covic.

Bei Hertha ist man etwas verwöhnt. Trainer-Vorgänger Pal Dardai hatte mit Mitchell Weiser und in der Vorsaison mit Lazaro zwei Offensivspieler als Außenverteidiger, die jederzeit als zusätzlicher, verkappter Spielmacher kreative Lösungen finden konnten.

2019/20 sollen es mehr als zehn Einsätze werden

Klünter, der nicht in einer Nachwuchsakademie eines Bundesligisten sozialisiert wurde, hat seine Jugend größtenteils beim Bonner SC verbracht. Deshalb haben ihm manchmal die fußballtypischen Fortsetzungen gefehlt, die die Kollegen erwarten, wenn er auf der Außenbahn einen Gegenspieler überlaufen hat. Daran hat er gearbeitet: an seiner Übersicht, an der Präzision seiner Flanken.

Seit seinem Wechsel zu Hertha 2018 kam Klünter (gehandicapt durch eine Verletzung) auf nur zehn Einsätze. Die Zeiten haben sich geändert. „Ich glaube, dass es Lukas wie anderen auch geht“, sagte Ante Covic: „Wenn ein neuer Trainer kommt, hängt sich jeder rein.“ Er findet das gut. „Wichtig ist, dass die Jungs performen und was anbieten. Weil ich der Letzte bin, der etwas gegen Leistung­ einzuwenden hat.“