FUSSBALL

Nach den Tumulten: Hertha-Fans feiern Nello Di Martino

Hertha BSC und die unübersichtlichen Minuten nach dem Abpfiff des Testspiels gegen Fenerbahce Istanbul.

Zoff im Testspiel zwischen dem Herthaner Jordan Torunarigha (l.) und den Fenerbahce-Spieler Emre Belözoglu

Zoff im Testspiel zwischen dem Herthaner Jordan Torunarigha (l.) und den Fenerbahce-Spieler Emre Belözoglu

Foto: Ottmar Winter

Stegersbach . Die tumultartigen Szenen im Spielertunnel vom Vorabend sorgten auch am Freitag für einigen Gesprächsstoff bei Hertha BSC. Im Trainingslager im Burgenland hingen einige Anhänger des Berliner Fußball-Bundesligisten ein Spruchband am Zaun auf: „Nello kämpfen“. Es ging um Nello Di Martino, den Mannschaftsbetreuer. Der hatte unmittelbar nach Ende des Testspiels in Hartberg, das Hertha 2:1 gegen Fenerbahce Istanbul gewann, vollen Einsatz gezeigt. Als es unmittelbar nach dem Abpfiff zu Gerangel im Spielertunnel kam, war Di Martino mittendrin. Er sagt am Tag danach, er habe laut gerufen: „Jetzt ist hier aber mal Ruhe im Haus!“

Den Verantwortlichen von Hertha ist die Sichtweise wichtig, dass es dort keine Provokation gegeben habe. Angenommen Di Martino hat sich in deeskalierender Absicht geäußert, hat er genau das Gegenteil bewirkt. Ein Video der türkischen Zeitung Hürriyet zeigt diverse Spieler und Betreuer von Fenerbahce, die außer sich sind vor Wut. Auch Di Martino ist laut. Energisch ziehen vier österreichische Polizeibeamte Herthas Mannschaftsbetreuer aus der Situation heraus (siehe Video). Ein Beamter sagte zu di Martino: „Mussten Sie denn nun noch einen Spruch machen?“

Esswein versucht Torunarigha zu schützen

Begonnen hatten die Spannungen auf dem Feld. Da hatte Fenerbahce unmittelbar nach dem zweiten Hertha-Tor (Vedad Ibisevic/81. Minute) den 1:2-Anschlusstreffer erzielt - und wollte gegen den Berliner Hauptstadt-Klub auf keinen Fall verlieren. Es ging robust zur Sache. Nach einem eher harmlosen Foul im Mittelfeld geriet der türkische Kapitän Emre mit Herthas Jordan Torunarigha aneinander. Was genau der Türke gesagt hat, ist nicht zu ermitteln - in jedem Fall war Torunarigha schwer wütend und von den eigenen Mitspielern kaum zu bändigen. Erst Kapitän Vedad Ibisevic vermochte den 21-Jährigen Innenverteidiger etwas zu beruhigen.

Als die Partie wenige Minuten später mit dem knappen Hertha-Sieg abgepfiffen worden war, kochten die Emotionen erneut hoch. Alexander Esswein rannte neben Emre her, um ihn davon abzuhalten, sich nochmal bei Torunarigha zu melden. Doch kurz vor dem Spielertunnel entwischte der Fenerbahce-Spieler Esswein.

Hertha hat eigenes Sicherheitspersonal vor Ort

Im Spielertunnel war es eng und voll. Nachdem Di Martino laut geworden war, wurde es vollendens unübersichtlich. Hertha hatte in Hartberg, wie bei den meisten Spielen, eigene Sicherheitsleute aus Berlin dabei. Mindestens einer von ihnen befand sich im Getümmel und versuchte die Seiten zu trennen.

Hertha-Trainer Ante Covic hatte von den Szenen nicht mitbekommen, weil er auf dem Feld noch mit Spielern gesprochen hatte. Er sagte: „Das hat hier nichts verloren. Das Spiel wurde fair geführt. Für mich gab es eigentlich gar keinen Anlass, für so eine Situation.“

Nello Di Martino ist im Klub eine Institution Seit 1971 (!) bei Hertha, ursprünglich als Torwart verpflichtet, war der Italiener aus der Torwartschule von Inter Mailand seither in einer Vielzahl von Funktionen tätig. Dass Di Martino auch mit 67 Jahren sich für Hertha mitten ins Getümmel stürzt, nötigt den Fans Respekt ab: „Kämpfen Nello.“ (siehe Instagram-Foto)