Bundesliga

Michael Preetz: „Mit viel Geld kann man viele Fehler machen“

Hertha-Manager Preetz über die Verantwortung des 125-Millionen-Investments, den Transfermarkt und seinen neuen Trainer Ante Covic

Hertha-Manager Michael Preetz (r.) und sein wichtigster leitender Angestellter, Cheftrainer Ante Covic

Hertha-Manager Michael Preetz (r.) und sein wichtigster leitender Angestellter, Cheftrainer Ante Covic

Foto: Ottmar Winter

Neuruppin. Während Stadtrivale 1. FC Union einen Zugang nach dem nächsten verkündet, tut sich bei Hertha BSC in Sachen Transfers derzeit nichts. Für Michael Preetz, Geschäftsführer Sport und Kommunikation/Medien beim Fußball-Bundesligisten, kein Grund zur Beunruhigung. Schon mehrfach hat der 51-Jährige seine besten Griffe erst kurz vor Ende der Wechselfrist getätigt. Zum Ende des Trainingslagers in Neuruppin lud Preetz zu einer Bootstour auf dem Ruppiner See ein und sprach über potenzielle Verstärkungen, die Arbeit des neuen Trainers Ante Covic und die brisanten Derbys. Preetz über …

erste Eindrücke von Ante Covic: „Ich erlebe ihn sehr fordernd, aber auch fördernd. Er legt sehr viel Wert auf den Austausch mit den Jungs, spricht viel, greift viel ein, beobachtet und korrigiert. Das hat viel damit zu tun, dass er von Anfang an Dinge vermitteln will, die im Spiel wichtig werden. Außerdem steht der Ball viel im Vordergrund. Wenn man mit Ball am Fuß läuft, hat jeder Spieler das Empfinden, dass die Laufdistanzen etwas kürzer und weniger anstrengend sind.“

die Kaderplanung: „Wenn wir ins zweite Trainingslager gehen, startet parallel die U23. Einige der jungen Talente wie Julian Albrecht oder Muhammed Kiprit werden dann dort spielen – sie müssen jede Woche auf dem Platz stehen. Für Maurice Covic und Palko Dardai suchen wir eine Leih-Lösung in höheren Ligen, weil sie auf höherem Level spielen können. Wie viele Spieler kommen werden, kann ich heute noch nicht sagen. Wir beobachten intensiv den Markt, aber wir haben noch Zeit. Wenn irgendwo gravierende Veränderungen einsetzen, hat das Auswirkungen in alle Bereiche, sei es für Bayern München oder vielleicht auch für uns. Im vergangenen Jahr haben wir mit Marko Grujic einen späten Transfer gemacht, der nicht so schlecht war.“

Preetz: Wir investieren mit Augenmaß

das Anforderungsprofil: „Grundsätzlich interessieren wir uns weiter für junge, entwicklungsfähige Spieler. Durch den Investor (für 125 Mio. Euro hat die Tennor-Holding 37,5 % der Hertha-Anteile übernommen/Anm.d.Red.) können wir unseren Blick jetzt zwar auch in andere Gefilde richten, aber es geht darum, Spieler zu finden, die zu unserer Mannschaft und Philosophie passen. Aus meiner Sicht würde es wenig Sinn machen, 30 Millionen Euro für einen einzigen Spieler auszugeben. Mit jedem Transfer sind Risiken verbunden. Mit wenig Geld kann man Fehler machen, und mit viel Geld genauso. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es irgendwann einen 30-Millionen-Euro-Transfer geben wird, aber man entwickelt eine Mannschaft nicht signifikant weiter, indem man dort einen Spieler reinsetzt, auf den dann alles fokussiert ist. Wir werden investieren, aber mit Augenmaß. Wenn wir über Transfers in der Größenordnung 30 bis 40 Millionen Euro reden, wäre das Geld schnell weg. So würden wir nicht wahnsinnig weit kommen.“

Ersatz für Valentino Lazaro: „Überall dort, wo sich eine Lücke auftut, ist die Chance, sie zu füllen. Für Lukas Klünter oder Mathew Leckie ist diese Gelegenheit jetzt da.“

Spieler, die den nächsten Schritt machen müssen: „Ich sehe viele Jungs in der Pflicht. Arne Maier hat wahnsinnig viel gespielt, aber von ihm erwarten wir den Schritt zu mehr Offensivqualität. Wir haben Arne selten am gegnerischen Sechzehner gesehen, aber diese Qualität hat er. Unsere Aufgabe ist es, ihn dorthin zubringen. Genauso wollen wir Jordan Torunarigha weiterentwickeln und dafür sorgen, dass er eines Tages unverzichtbarer Stammspieler ist. Maximilian Mittelstädt hat eine sehr gute Entwicklung genommen, aber auch bei ihm geht noch viel.

Javairo Dilrosun hat eine hohe individuelle Qualität, von ihm wünschen wir uns mehr zündende Aktionen wie zuletzt im Testspiel gegen Braunschweig. Mit Dennis Jastrzembski ist einer unserer ganz jungen Spieler dabei, mit dem man intensiv arbeiten muss, damit er seine Waffen ideal einsetzen kann.“

die Routiniers: „Vedad Ibisevic ist schon jetzt wieder wahnsinnig fokussiert und ehrgeizig. Salomon Kalou hat eine Klasse, an der wir nicht vorbeigehen können, in welchem Alter auch immer – wahrscheinlich bis er nicht mehr laufen kann (lacht). Beide waren in den letzten Jahren dafür verantwortlich, dass wir unsere Platzierungen erreicht haben. Sie werden wieder ganz wichtig sein für die Mannschaft – auch, weil sie Ansprechpartner für die jungen Spieler sind.“

Der Traum vom neuen Stadion: „Wir haben noch nicht alle überzeugt“

einen möglichen Verkauf von Niklas Stark: „Dadurch, dass seine Ausstiegsklausel nicht gezogen wurde, ist die Situation anders als unmittelbar nach Saisonende. Wir werden immer Transfers aus dem Verein heraus machen, weil das Teil unserer Philosophie ist. Es gibt Summen, bei denen Hertha BSC Spieler verkaufen wird, aber unser Ziel ist es, mit Niklas in die nächste Saison zu gehen. Wir trauen ihm eine weitere Entwicklung zu und würden ihn gern als Hertha-Spieler im Nationaltrikot sehen. Aus meiner Sicht ist er in der Lage, in der Nationalelf um relevante Positionen zu kämpfen.“

die Stadionpläne: „Die Berliner Politik befindet sich in der Sommerpause, insofern gibt es nichts Neues. Wir glauben nach wie vor, dass ein eigenes Stadion im Olympiapark ein Meilenstein für die Entwicklung von Hertha BSC sein würde. Wir wissen, dass wir dafür die Entscheidungsträger in der Berliner Politik brauchen, und noch haben wir nicht alle überzeugt. Daran arbeiten wir weiter. Wir wollen in vielen Gesprächen Überzeugungsarbeit leisten, damit der Knoten irgendwann durchschlagen wird.“

Preetz zum Derby: Ich würde nicht von Klassenkampf sprechen

Derbys gegen den 1. FC Union: „Durch Unions Aufstieg hat sich die Aufmerksamkeit verändert. Für die Sportstadt Berlin ist das gut, und auch die beiden Vereine werden von der Rivalität profitieren. Für uns geht es darum, diese beiden Spiele zu gewinnen. Was Unions Transfers betrifft: Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Mannschaft, die erstmals in die Bundesliga aufsteigt, gravierende Veränderungen im Kader vornimmt – Union versucht sich gut aufzustellen. Von einem „Klassenkampf“ zu sprechen, so wie es Unions Präsident Dirk Zingler getan hat, würde ich deshalb nicht, das kann man anders einordnen. Unser aller Auftrag wird es sein, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die beiden Derbys friedliche Fußballfeste werden, bei denen die sportliche Rivalität im Vordergrund steht. Alles andere hat in diesem Zusammenhang nichts zu suchen.