Hertha-Kapitän

Vedad Ibisevic – „Der Investor gibt uns einen Schub“

Herthas Vedad Ibisevic über den verstärkten Konkurrenzkampf, die Veränderungen unter Ante Covic und das Derby-Duell mit Unions Subotic.

Noch immer voll motiviert: Vedad Ibisevic (34) geht in seine fünfte Saison bei Hertha BSC.

Noch immer voll motiviert: Vedad Ibisevic (34) geht in seine fünfte Saison bei Hertha BSC.

Foto: Soeren Stache / dpa

Neuruppin. Neuer Coach, alter Kapitän: Vedad Ibisevic (34) bleibt auch unter Ante Covic (43) Herthas Leitwolf, ohne Wenn und Aber. „Die Frage hat sich überhaupt nicht gestellt“, sagt Covic im Trainingslager in Neuruppin, „Vedad hat das nötige Standing in der Kabine und unheimlich viel Erfahrung.“ Alles beim Alten also? Mitnichten.

Ibisevic, der gerade zum dritten Mal Vater geworden ist und vor seiner fünften Saison bei den Berlinern steht, hat diverse Veränderungen registriert, natürlich allen voran durch Covic. „Er redet viel mit uns Spielern, außerdem haben wir schon viele Videosequenzen angeschaut“, erzählt der Bosnier, „er hat es in kurzer Zeit geschafft, zu erklären, was er von uns erwartet. Einiges ist anders als vorher, aber seine Tipps machen Sinn.“

Lob für Neu-Trainer Ante Covic

Die offensivere Grundausrichtung, die neuen Ansätze in der Spieleröffnung und der Fokus auf eine schnelle Spielfortsetzung – das alles kommt beim Angreifer gut an. „Für uns Stürmer ist es immer besser, wenn wir mehr Chancen bekommen“, sagt er, „aber das fängt schon hinten an. Da hat uns der Trainer ein paar ganz klare Sachen mit auf den Weg gegeben.“

Mehr Fragezeichen als die Wünsche des Coaches hinterlassen bislang die 125 Millionen Euro, die Hertha von Investor Lars Windhorst erhalten hat. Noch ist unklar, wie viel Geld direkt in den Kader fließen wird. Ein Thema, das die Profis nicht kalt lässt.

Investor sorgt für zusätzliche Motivation

Für den Verein und die Stadt Berlin sei das eine super Sache, meint Ibisevic, und den Spielern gäbe das neue Geld womöglich unterbewusst Extra-Motivation. Da Manager Michael Preetz nun Verstärkungen kaufen kann, müsse sich jeder im Kader zusätzlich strecken. Ibisevic ist überzeugt: „Der Investor gibt uns einen Schub. Gerade die jungen Spieler müssen sich entwickeln, wenn sie sich bei Hertha durchsetzen wollen.“

Sich selbst nimmt er dabei nicht aus. „Jede Saison fängt wieder bei null an“, weiß der Routinier, „wir haben jetzt einen Trainer mit einer anderen Idee, mit einer eigenen Philosophie. Selbst ich mit fast 35 kann immer noch etwas lernen.“

Im Trainingslager geht er trotz seines fortgeschrittenen Alters voran, wirft sich verbissen in jeden Zweikampf, brennt auf Treffer. Auch wenn sein Haupthaar längst ergraut ist – beim Thema Tore fangen seinen Augen an zu leuchten wie die eines Teenagers. „Davon“, sagt er, „habe ich nie genug.“

Konkurrenzkampf mit Davie Selke

In der Vorsaison kam Ibisevic auf zehn Tore und drei Vorlagen, beeindruckende Werte, mit denen er seinen Status als Stürmer Nummer eins festigte. Konkurrent Davie Selke (24), der 2018/19 durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, wird nun allerdings wieder angreifen wollen. Und weil Covic ein 4-3-3-System präferiert, gilt eine Doppelspitze als unwahrscheinlich.

Ibisevic sieht die Situation gelassen. Einerseits, weil er von seiner Qualität überzeugt ist, zum anderen hat er oft genug vorgelebt, wie man sich als Bankspieler vorbildlich verhält. „Wer von uns spielt, entscheidet der Trainer“, sagt er, „das ist kein Problem. Wir sind Profis, das ist Fußball. Wir brauchen diesen Konkurrenzkampf.“

Vorfreude auf Derby-Duell mit Subotic

Zusätzliche Konkurrenz hat Hertha neuerdings auch als Klub. Durch den Aufstieg des 1. FC Union erhält die kommende Saison zusätzliche Brisanz, zumal sich die Köpenicker aktuell hochkarätig verstärken. Mit dem Serben Neven Subotic (30), einst Champions-League-Finalist mit Borussia Dortmund, dürfte sich Ibisevic im Derby packende Duelle liefern.

„Wir kennen uns schon lange“, erzählt Herthas Altrocker, „schon aus Zeiten, als er noch in Mainz und ich in Hoffenheim gespielt habe.“ Die Vorfreude ist ihm anzumerken. „Wir sind schon ein paar Mal aneinandergeraten“, sagt er, „aber in ganz normalem Rahmen, Stürmer gegen Verteidiger. Es wird auf jeden Fall spannend!“