Immer Hertha

Hertha auf Augenhöhe mit Maldini und Figo

Und ewig lockt die Champions League: Vor 20 Jahren war Hertha BSC einmal dabei im Kreis des europäischen Fußball-Adels.

Pal Dardai (2.v.l.) schaut, Oliver Bierhoff (l.) rennt - als Hertha BSC im September 1999 beim AC Mailand im Meazza Stadion 1:1 spielte

Pal Dardai (2.v.l.) schaut, Oliver Bierhoff (l.) rennt - als Hertha BSC im September 1999 beim AC Mailand im Meazza Stadion 1:1 spielte

Foto: Foto: Settnik / pA/ dpa

Hätten Sie’s gewusst? Die Champions League-Saison 2019/20 ist bereits im Gange. Mir war nicht bekannt, dass die ersten Halbfinals und das erste Endspiel schon gespielt sind. O.k., die Rede ist vom Vorrunden-Finale zum Erreichen der ersten Qualifikationsrunde. Da hat KF Feronikeli, Meister aus dem Kosovo, im Finale den FC Santa Coloma aus Andorra mit 2:1 bezwungen.

Alle wollen dorthin, in die Champions League. Neben dem vielen Geld, geht es auch um Renommee. Wer es in die Gruppenphase schafft, kann sich im Kreis des Fußball-Adels sonnen mit dem FC Barcelona, FC Liverpool oder Juventus Turin. Die Kombination aus Geld und Prestige treibt die Klubs. Paris St. Germain oder Manchester City versuchen mit hunderten Millionen Euro einmal die begehrte Trophäe zu gewinnen.

Erinnerungen an 1999: Fans lieben das neue Trikot

Bei Hertha BSC haben sie in dieser Woche das neue Trikot für die Saison 2019/20 vorgestellt. Das Jersey kommt bei Fans gut an. Weil es einen Retro-Touch hat und an die Trikots aus der Saison 1999/2000 erinnert. Jenem goldenen Spieljahr, in dem Hertha BSC die Champions League erreicht hat. Die eine Saison,­ in der sich die Berliner auf Augen­höhe und durchaus respektabel mit den Großen der Branche duellierten.

20 Jahre ist das her: Was ist geworden aus den Beteiligten? Schon der erste Kontrahent wartete mit reichlich Qualität auf: Bei Galatasaray Istanbul stand Weltmeister Claudio Taffarel im Tor, Schlüsselspieler war Gheorghe Hagi. Seit 1999 war Galatasaray neun Mal türkischer Meister. Und machte damals aus dem Verpassen der zweiten Gruppenphase hinter den überraschend starken Berlinern das Beste: Galatasaray spielte im Uefa-Cup weiter und gewann das Finale gegen den FC Arsenal.

Chelsea mit Desailly und Deschamps

Der FC Chelsea aus London trat mit den französischen Weltmeistern Marcel Desailly und Didier Deschamps (heute Weltmeister-Trainer von Frankreich) im Olympiastadion an. Die Truppe war teuer – aber kein Vergleich zu dem, was ab 2003 passiert. 1,2 Milliarden Euro hat Geldgeber Roman Abramowitsch seither in den Klub gesteckt. Und Geld schießt Tore, Chelseas Bilanz seither: vier englische Meisterschaften, vier FA-Cup-Siege, Gewinner der Champions League (2012) und der Europa League (2013 und 2019).

Der AC Mailand gehörte 1999 bereits der Holding von Silvio Berlusconi. Stars im Team waren neben Paolo Maldini und Andrej Schewtschenko der Stürmer Oliver Bierhoff. Für Milan-Verhältnisse liefen die vergangenen Jahrzehnte nicht so besonders: zwei italienische Meisterschaften, ein Pokalsieg. Zwei Siege in der Champions League (2003, 2007) hübschen die Bilanz auf. Finanziell geht es turbulent zu. Im August 2016 kaufte ein Investoren-Konsortium aus China die Klub-Anteile. Seit 2018 hält eine Investmentgesellschaft aus den USA die Mehrheit. Aktuell verweigert die Uefa Milan den Start in der Europa League – wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play.

Louis van Gaal mit Jürgen Röber

Der FC Barcelona war bereits in der Vor-Messi-Zeit ein Gegner aus einer anderen Sphäre. Frank und Ronald de Boer sowie Patrick Kluivert waren Leistungsträger, Rivaldo Torjäger – und Luis Figo der Star. Nach dem 1:1 im Nebelspiel im November 1999 im Olympiastadion raunte Barca-Trainer Louis van Gaal seinem Hertha-Kollegen Jürgen Röber zu: „Da habt ihr aber ganz schön Glück gehabt.“

Bei Hertha verschwimmen die internationalen Perspektiven seither im Nebel. Für die Königsklasse hat es nie wieder gereicht. Unter Manager Dieter Hoeneß gab es sechs Uefa-Cup-Teilnahmen. Seit 2009 unter Manager Michael Preetz hatte Hertha zwei Abstiege zu verkraften. Über den letzten Europa-League-Start 2017, den Hertha als Gruppenletzter beendete, decken wir den Mantel des Schweigens. Einer aber kann bei Hertha über die Champions League mitreden: Salomon Kalou stand 2012 in der Startelf des FC Chelsea, die beim „Finale dahoam“ in München gewann.


Der Traum von der Champions League lebt. Bei Hertha als Retro-Trikot. Der KF Feronikel bekommt es jetzt mit den News Saints FC aus Wales zu tun.