BUNDESLIGA

Hertha BSC will die Fitness verbessern

Hertha-Trainer Ante Covic hat sich einiges vorgenommen für das Konditionstrainingslager in Neuruppin

Herthas Lukas Klünter (M.) nimmt Fahrt auf

Herthas Lukas Klünter (M.) nimmt Fahrt auf

Foto: Foto: Reto Klar

Berlin. Die Zahlen lügen nicht. Hertha BSC lag in der Rubrik „Sprints pro Spiel“ im Liga-Vergleich lediglich auf Rang 14, in der Rubrik „intensive Läufe“ war Hertha Drittletzter. In der Rubrik „Laufstrecke pro Spiel“ rangierten die Berliner (113,4 Kilometer) nur auf dem vorletzten Platz. Ebenfalls Vorletzter war Hertha in der Sparte „Tore in der Schlussviertelstunde“ – das abgelaufene Spieljahr hat Zweifel am Fitness-Zustand hinterlassen.

Ante Covic, der neue Trainer des Hauptstadt-Klubs, wird sich die Daten genau angeschaut haben, wenn er an diesem Mittwoch mit dem blau-weißen Tross ins einwöchige Konditions­trainingslager nach Neuruppin aufbricht. Im dortigen Volksparkstadion, 75 Kilometer nördlich von Berlin gelegen, werden die Grundlagen im Ausdauerbereich gelegt für die Saison 2019/20.

Stark, Duda und Pekarik stoßen zum Kader

Vor allem nachmittags „arbeiten wir mit dem Schwerpunkt Kondition, damit wir nach dem Trainingslager auch kleine, intensive Spielformen machen können“, sagte Covic. „Direkt zum Wiederanfang machen wir diese kleinen Spielformen nicht, damit keine Probleme mit der Muskulatur entstehen.“

Die Gegebenheiten in Neuruppin kennt die Mannschaft aus dem Vorjahr: Es gibt zwei Trainingsplätze, eine ️400-Meter-Bahn im Stadion. Das Hotel verfügt über einen großen Kraftraum. In der Umgebung gibt es abwechslungs­reiche Laufstrecken. Federführend für die körperliche Fitness ist seit Jahren Athletiktrainer Henrik Kuchno. Trainer Covic ist sich sicher: „Nach den sieben Tagen in Neuruppin werden Henrik und ich die Jungs hinkriegen.“

Trotz der wenig schmeichelhaften Zahlen ist genaues Hinschauen erforderlich. Denn so richtig es ist, dass Hertha in der Schlussviertelstunde offensiv nicht mehr viel zuzusetzen hatte: Ebenfalls richtig ist, dass Hertha in der Rubrik „Gegentore in den letzten 15 Minuten“ in der oberen Hälfte der Liga steht.

In Neuruppin stoßen auch Niklas Stark, Ondrej Duda, Peter Pekarik, und Muhammed Kiprit zum Hertha-Kader. Die vier Profis waren nach Saisonende noch mit ihren Nationalmannschaften international unterwegs.

Dedryck Boyata wird behutsam aufgebaut

Der neue Innenverteidiger Dedryck Boyata reist zwar mit, wird es aber etwas zurückhaltend angehen lassen. Der belgische Nationalspieler hatte sich bei Celtic Glasgow Ende März einen Muskelbündelriss am Oberschenkel zugezogen. Aktuell trainiert Boyata wie der ebenfalls angeschlagene Mathew Leckie individuell. Bei Boyata werden noch einige Tests durchgeführt, um zu sehen, wie sehr der 28-Jährige in die Belastung gehen­ darf.

„Nach einer so langen Verletzungspause werden wir ihn nicht überheizen“, sagte Covic. „Wenn ein Spieler wegen einer Muskelverletzung vier Monate aussetzen musste, werden wir vorsichtig rangehen. Wir wollen langfristig etwas von ihm haben.“ Hertha hatte den WM-Teilnehmer von 2018 ablösefrei aus Glasgow bekommen. In Berlin hat Boyata­ einen Drei-Jahres-Vertrag bis Juni­ 2022 unterschrieben.

Leckie­ kuriert noch die Folgen einer Verletzung am linken Sprunggelenk aus, die ihn am Ende der vergangenen Saison außer Gefecht gesetzt hatte. Auch beim australischen Nationalspieler wird das Trainerteam darauf achten, ihn behutsam an die Mannschaft heranzuführen.

Hertha kickt drei mal 40 Minuten

Bei allen schweißtreibenden Übungen, die der Mannschaft bevorstehen: Der Spaß am Fußball soll nicht auf der Strecke bleiben. Schon bei der Übungseinheit am Dienstag, auf dem heimischen Schenckendorff-Platz, unterbrach Covic mehrfach den Trainingskick und korrigierte das Laufverhalten seiner Spieler. „Wenn wir spielen und stehenbleiben, schaffen wir keine Räume“ monierte­ er. Die Lösung lautet: „Spielen und Gehen.“

Auch im Trainingslager am Ruppiner See soll der Fokus darauf liegen, dass die Mannschaft zumindest beim Vormittagstraining seine Vorstellung vom Spiel verinnerlicht: „Wir wollen den Spielern inhaltlich wichtige Dinge mit auf den Weg geben: Spielfortsetzung, im Zentrum mutig­ zu sein und permanent den Ball haben zu wollen.“

Die genaue Leistungsdiagnostik der einzelnen Spieler erfolgt erst nach der Rückkehr aus Neuruppin nach dann zwei Trainingswochen. „Dann schauen wir genau­, wer ist in welchem Fitness­zustand? Greift die Vorbereitung?“

Stichwort Ausdauer: Beim einzigen Spiel, das Hertha in Neuruppin vereinbart hat, ist Ausdauer von den Zuschauern gefragt. Die Besucher werden am Sonntag viel Fußball für ihr Eintrittsgeld sehen. Der freundschaftliche Vergleich gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig wird über drei mal ­40 Minuten gespielt­. Karten kosten­ zwölf, zehn und (ermäßigt) acht Euro.