Bundesliga

Hertha-Coach: "Ich will die Spieler von der Leine lassen"

Herthas neuer Cheftrainer Ante Covic spricht über seine Philosophie und den Verbleib der Leistungsträger Marko Grujic und Ondrej Duda.

Ante Covic bei seiner Vorstellung als neuer Hertha-Trainer.

Ante Covic bei seiner Vorstellung als neuer Hertha-Trainer.

Foto: Reto Klar

Berlin. Sieben Wochen nach der Ernennung präsentiert Hertha BSC seinen neuen Trainer Ante Covic der Öffentlichkeit. Am Montag ab 16 Uhr startet der Bundesligist in die Vorbereitung für die Saison 2019/20 (Amateur­stadion). Konnte man zuletzt den Eindruck gewinnen, Hertha habe sich sportlich „in der eigenen Ambitionslosigkeit eingerichtet“ (Kicker), soll im neuen Spieljahr alles anders werden: neuer Trainer, neues System und ungeahnte finanzielle Möglichkeiten­. ­­

Hertha und die Rivalität mit dem 1. FC Union

Dazu gibt es mit dem 1. FC Union einen neuen Rivalen in der Stadt, dem nach dem Aufstieg erstmal das zugeflogen ist, was Hertha auch gern hätte: die Sympathien und das Interesse innerhalb und außerhalb von Berlin. Fußball wird in dieser Stadt in den kommenden zwölf Monaten im Fokus stehen wie noch nie.

Der Amtsantritt von Covic wird begleitet von hohen Erwartungen. Die zusätzlich geschürt wurden durch das 125-Millionen-Euro-Investment der Tennor-Holding des Unternehmers Lars Windhorst - den Einstieg des strategischen Investors (der dafür 37,5 Prozent der Anteile an der Hertha-KGaA erhält) hatte der Verein in der vergangene Woche bekanntgegeben­.

Last-minute-Absage an Holstein Kiel

Für Covic (43), der zuletzt sechs Jahre die U23 in der Regionalliga trainiert hat, ist es ein Sprung in neue Gewässer. Im vergangenen Sommer wäre er fast bei Zweitligist Holstein Kiel gelandet. Covic nahm aber Abstand von einem Wechsel, als der damalige Holstein-Manager Ralf Becker, mit dem eigentlich alles ausgehandelt war, einräumte, dass er Kiel verlassen werde, um Manager beim Hamburger SV zu werden.

Die Geduld hat sich für Covic ausgezahlt. Nun erhält er die Chance in der höchsten deutschen Spielklasse. Mit ihm am Start sind die Cotrainer Mirko Dickhaut und Harald Gämperle. Der Schweizer kennt Stadt und Klub. Gämperle war bereits von 2007 bis 2009, damals als Assistent von Lucien Favre, bei Hertha angestellt. Der Kontakt zu Manager Michael­ Preetz war nie abgerissen.

Dedryck Boyota ist dabei

Von den Neuen dabei ist Innenverteidiger Dedryck Boyata (28). Der belgische Nationalspieler ist ablösefrei von Celtic Glasgow nach Berlin gewechselt. Zugang Eduard Löwen (für sieben Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg geholt) wird noch fehlen. Er war ebenso wie seine neuen Teamkollegen Maximilian Mittelstädt und Arne Maier mit der deutschen U21 bei der Europameisterschaft in Italien im Einsatz­.­ Das Trio wird jetzt erst seinen Urlaub antreten.

Auch Ondrej Duda und Peter Pekarik, die nach Ende der vergangenen Saison mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz waren, stoßen erst später dazu. Das gilt eigentlich auch für Valentino Lazaro (23). Doch der Wechsel vom österreichischen Nationalspieler zu Champions-League-Starter Inter Mailand gilt als ausgemacht. 22 Millionen Euro Ablöse wird Hertha für Lazaro erhalten.

„Wir starten in einer kleineren Runde“, sagte Covic, „die Nationalspieler steigen am 3. Juli ein, die U21-Nationalspieler noch später.“ Dass Marko Grujic noch eine zweite Saison vom FC Liverpool an Hertha ausgeliehen wird, darf als gesichert angenommen werden. Offen ist, ob Grujic bereits zum Start das neue blau-weiße Trikot tragen wird.

Die Arbeit von Manager Preetz auf dem Prüfstand

Hertha hatte unter Pal Dardai vier sorgenfreie Saisons gespielt. Aber die vergangene Saison mit Rang elf reichte Manager Michael Preetz nicht mehr, Fan­liebling Dardai musste seinen Chefsessel räumen. Als Nachfolger werden alle Augen zunächst auf Covic gerichtet sein. Die Rede ist davon, dass der neue Jahrgang grundsätzlich offensiv – mit einem 4-3-3-System spielen soll.

Die Aussage von Covic: „Wir wollen die Mannschaft sein, gegen die niemand gerne spielt“ lässt allerdings auch auf Kontinuität schließen. So gut wie jeder gegnerischer Trainer hatte in den Dardai-Jahren gestöhnt­, „dass Hertha ein ganz schwer zu spielender Gegner“ sei.

Der Covic-Vertrag läuft bis Saison-Ende

Preetz schickt Covic mit einem Ein-Jahres-Vertrag als Cheftrainer in die Aufgabe, Hertha zu neuen Ufern aufzubrechen. Grundsätzlich steht jedoch vor allem der Manager auf dem Prüfstand. Seit zehn Jahren gelingt es Hertha nicht, den Anschluss ans obere Tabellendrittel zu schaffen. Egal, ob die Trainer Dardai, Jos Luhukay, Michael Skibbe oder Otto Rehhagel hießen – Preetz vermochte seinen Übungsleitern bisher keinen Kader an die Hand zu geben, der stabil über eine Bundesliga-Saison Leistung gebracht hat. In unschöner Regelmäßigkeit gab es in den Rückrunden Einbrüche.

Das soll sich nun, so die Hoffnung, mit den neuen Möglichkeiten ändern. Bei Hertha sind sie stolz auf den 125-Millionen-Deal. Der dokumentiere, dass sich der Marktwert von Hertha von 2014 (damals 220 Mio. Euro) auf heute 450 Millionen verdoppelt habe. Das ist korrekt. Leider hat sich auch das Defizit in diesem Zeitraum von 40 Millionen auf jetzt etwa 117 Millionen Euro fast verdreifacht. Der Weg in eine bessere Zukunft ist einfach zu benennen – Erfolg. Dafür wird es bis zum Ende der Wechselfrist am 2. September sicher noch einige Änderungen im Hertha-Kader geben.