Leihspieler

Marko Grujic zeigt ein Herz für Hertha

Mittelfeldspieler Marko Grujic entscheidet sich für einen Verbleib in Berlin. Zwei Trainer spielen dabei eine wichtige Rolle.

Fühlt sich wohl in Berlin: Marko Grujic war bei Hertha in der Vorsaison auf Anhieb gesetzt. Seine Bilanz: 22 Einsätze, fünf Tore, eine Vorlage.

Fühlt sich wohl in Berlin: Marko Grujic war bei Hertha in der Vorsaison auf Anhieb gesetzt. Seine Bilanz: 22 Einsätze, fünf Tore, eine Vorlage.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Marko Grujic hatte Zeit zum Nachdenken. Erst in der serbischen Heimat, wo der Mittelfeldspieler an einer Hochzeitsfeier im Kreis der Familie teilnahm, später auf der griechischen Ferieninsel Mykonos, im Urlaub mit seiner Freundin Mia Zeremski. Ob er sich in der Ferne von den Transfergerüchten um seine Person lösen konnte oder ob die Zukunftsfragen permanent in ihm arbeiteten? Das wird der 23-Jährige womöglich in ein paar Tagen in Berlin erzählen.

Denn so wie es aussieht, hat er sich für ein weiteres Jahr im Trikot von Hertha BSC entschieden.

Weiteres Leihgeschäft

Wie zunächst das serbische Internetportal „Mozzartsport“ am Sonnabend berichtete, wird das Leihgeschäft des Berliner Fußball-Bundesligisten mit Grujics Stammklub FC Liverpool um ein Jahr verlängert. Grujic habe sich demnach für Hertha und gegen die Mitbewerber aus Bremen und Frankfurt entschieden. Die Berliner würden damit einen absoluten Wunschspieler und Leistungsträger halten. Ex-Coach Pal Dardai hatte Grujic in der vergangenen Saison als „Herthas besten Mittelfeldspieler der letzten 20 Jahre“ geadelt.

„Wir wollen eine Entscheidung vor Juli“, hatte Hertha-Manager Michael Preetz unlängst erklärt, „und ich werde alles versuchen, dass der Junge auch nächstes Jahr in Berlin spielt.“ Genau so scheint es nun zu kommen, wobei die Entscheidung nicht allein bei Grujic lag.

Klopp spricht sich gegen Verkauf aus

Eine der Voraussetzungen war das Votum von Liverpool-Coach Jürgen Klopp. Trotz eines 20-Millionen-Euro-Angebots des spanischen Topklubs Atletico Madrid entschied sich der Champions-League-Gewinner gegen einen Verkauf Grujics. Laut „Mozzartsport“ sieht Klopp den Serben weiter als zukünftigen Kandidaten für Liverpools erste Elf. Grujics Vertrag bei den „Reds“ läuft bis 2023. Noch aber scheint die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld des Premier-League-Klubs zu groß. Grujic soll daher noch andernorts Erfahrung und Spielpraxis sammeln – nach Klopps Vorstellung am besten in der Bundesliga.

Dort hatte sich neben Hertha vor allem Werder Bremen Hoffnung auf eine Grujic-Leihe gemacht. Die Hanseaten spielen zwar genauso wenig im internationalen Wettbewerb wie die Berliner, dafür findet die offensiver ausgerichtete Philosophie von Werder-Coach Florian Kohfeldt dem Vernehmen nach viel Anklang bei Klopp. Hinzu kommt, dass beide Trainer in Marc Kosicke denselben Berater haben.

Bremen und Frankfurt hoffen vergeblich

Mit Eintracht Frankfurt wurde zuletzt auch ein dritter Bundesligist gehandelt. Bei den Hessen hätte Grujic in der Europa League gespielt – und wäre auf alte Bekannte getroffen. Mit Filip Kostic und Mijat Gacinovic ist er privat befreundet, darüber hinaus wird das Trio von derselben Beraterfirma betreut.

Warum Grujic nun offenbar trotz allen Buhlens der Bundesliga-Konkurrenz in Berlin bleibt? Dazu hatte Manager Preetz schon vor Wochen eine plausible Theorie. „Marko hat bei uns eine wichtige Rolle gespielt“, sagte er, „und es macht Sinn, dem Spieler ein zweites Jahr an einem Standort zu ermöglichen, den er kennt und an dem er sich wohlfühlt.“ Bislang hat Grujic durch diverse Leihgeschäfte für sechs Teams gespielt.

Gute Gespräche mit Hertha-Coach Ante Covic

Für Grujic macht der Verbleib in Berlin in dieser Hinsicht Sinn, und für Hertha hat sich der Nationalspieler ohnehin als Glücksfall erwiesen. In der Bundesliga kam der 1,91 Meter große Rechtsfuß auf 22 Einsätze, fünf Tore und eine Vorlage. Von den ersten neun Spielen mit Grujic verlor Hertha kein einziges, holte sechs Siege. Von den elf Partien, die der Serbe wegen Sprunggelenksverletzungen verpasste, gewannen die Berliner indes nur eine, allerdings konnte auch er sein hohes Niveau nicht über die gesamte Saison halten. Dennoch: Grujic hat Herthas Spiel geprägt, mit körperlichen Präsenz und Offensivdrang, mit robuster Zweikampfführung und bemerkenswertem Spielverständnis.

Mit Herthas neuem Trainer Ante Covic hat Grujic laut „Mozzartsport“ gute Gespräche geführt. Zudem war auch der 125-Millionen-Deal des Klubs mit Investor Lars Windhorst als positiver Indikator für ein erneutes Leihgeschäft gewertet worden.