Immer Hertha

Herthas Traum von einem Luka Jovic

Drei Herthaner starten bei der U21-EM: Warum in Berlin gute Verteidiger und Mittelfeldspieler, aber kaum Stürmer ausgebildet werden

Herthas Arne Maier im Trikot der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der EM in Italien.

Herthas Arne Maier im Trikot der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der EM in Italien.

Foto: Foto: Alessandro Sabattini / Getty Images

Berlin. Das Ansehen von Arne Maier ist hoch. Maximilian Mittelstädt und Eduard Löwen müssen noch etwas tun, um den Bundestrainer zu überzeugen. Ob eine EM oder WM – die Turniere im Sommer sind ein Barometer: Wer steht wo. Das gilt auch für U21, in der das Hertha-Trio zum deutschen Aufgebot gehört, das in Italien den 2017 gewonnen EM-Titel verteidigen will. Maier wurde von Nationaltrainer Stefan Kuntz beim Auftaktsieg gegen Dänemark in die Startelf beordert. Mittelstädt und Löwen kamen beim ersten EM-Spiel nicht zum Einsatz - aber das kann noch werden.

In der Ausbildungsmannschaft U21 sind Hertha-Talente häufig dabei. Beim Sieg 2017 war Niklas Stark als Abwehrchef ebenso ein Schlüsselspieler wie der damalige Herthaner Mitchell Weiser, der mit seinem Kopfball-Tor den 1:0-Finalsieg über Spanien sicherstellte. Stellvertretend für andere sei Niko Schulz erwähnt. Mittlerweile spielt er für Borussia Dortmund und die A-Nationalelf. Begonnen hatte der Weg des Linksverteidigers im Wedding beim BSC Rehberge – er führte ihn über Hertha BSC in die Nachwuchsnationalteams: Ehe er im vergangenen Jahr erstmals von Bundestrainer Joachim Löw eingeladen wurde, hatte Schulz von der U15 bis zur U21 bereits 51 (!) Junioren-Länderspiele absolviert.

Hertha als Klub für den zweiten Karriereschritt

Die Turniere bilden nicht nur den Stellenwert der Spieler ab, sondern auch der Klubs. Hertha ist im Juniorenbereich seit Jahren stark. Schaut man auf die Positionen: Maier und Löwen sind defensive Mittelfeldspieler, Mittelstädt spielt, wie Schulz, links defensiv, Weiser auf rechts. Allerdings fällt auf: Abgesehen vom „goldenen Jahrgang“ 2005 mit Kevin Boateng und Ashkan Dejagah, die damals als Top-3-Talente in Europa galten, hat Hertha keinen überragenden Offensivspieler entwickelt.

Nichtsdestotrotz macht Hertha bei der Ausbildungsarbeit einiges richtig. So erlösten die Berliner für Verteidiger John Brooks 18 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg, für Weiser zwölf Millionen von Bayer Leverkusen. Aktuell bietet Inter Mailand rund 20 Millionen Euro, um Herthas Rechtsverteidiger Valentino Lazaro zu holen. Der Österreicher Lazaro und Weiser sind keine Berliner Eigengewächse. Aber Spieler, die nach ihrem ersten Karriereschritt Hertha als den Klub zur Weiterentwicklung ausgewählt haben. Ein Modell, das auch für Stark (kam aus Nürnberg) und Davie Selke (aus Leipzig) gilt.

Supertalente landen nicht in Berlin

„Wir sind Ausbildungsmannschaften für die Großklubs“, sagte Fredi Bobic, Sportchef bei Eintracht Frankfurt über Traditionsklubs wie die Eintracht und Hertha. Brooks spielt kommende Saison mit Wolfsburg Europa League, Weiser mit Leverkusen Champions League. Auch Lazaro wird in Mailand, falls Inter sich mit Hertha auf eine Ablöse einigt, in der Königsklasse starten. Während Hertha BSC, Tabellen-Elfter der Vorsaison, einen neuen Anlauf nimmt. Teure Rohdiamanten, wie sie Borussia Dortmund oder RB Leipzig verpflichtet, kann sich der im dreistelligen Millionenbereich verschuldete Hauptstadt-Klub nicht leisten. Also bedient sich Hertha eine Schublade darunter.

Und hofft, dass Talente wie Maier, Löwen oder Jordan Torunarigha sich weiter entwickeln. In der vergangenen Saison kamen Pascal Köpke vom Zweitligisten Aue und Lukas Klünter aus Köln – im neuen Spieljahr werden von ihnen Fortschritte verlangt.

Lustenberger hofft auf die Champions League

Wer von Hertha direkt in die Champions League möchte, muss es machen wie ein Ewig-Herthaner: Nach zwölf Jahren in Berlin hat Fabian­ Lustenberger nach dem Wechsel zum Schweizer Meister Young Boys Bern nur noch eine Play-off-Runde zu über­stehen – dann spielt er gegen Messi, Mbappé, Salah & Co.

Bei allem Fleiß: Die Fans hoffen, dass Hertha gelingt, was Fredi Bobic in Frankfurt gelungen ist: Einen unter­bewerteten Stürmer wie Luka Jovic zu holen, der dermaßen einschlägt, dass der Klub ihn, einen rauschenden Pokalsieg und eine begeisternde Europacup-Saison später, für 60 Millionen Euro Ablöse an Real Madrid verkaufen kann.