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Niklas Stark: Viel gelernt, nur nicht gespielt

Hertha-Verteidiger Niklas Stark genoss die anderthalb Wochen bei der Nationalmannschaft. Nur ein Wunsch erfüllte sich nicht.

Niklas Stark beim Selfie mit einem jungen Fan der Nationalmannschaft. Der Wunsch des Herthaners nach seinem Debüt blieb unerfüllt.

Niklas Stark beim Selfie mit einem jungen Fan der Nationalmannschaft. Der Wunsch des Herthaners nach seinem Debüt blieb unerfüllt.

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Mainz.  Während der Großteil der deutschen Nationalspieler eher gemächlich aus der Kabine trottete, hastete Niklas Stark eilig durch den Innenraum des Mainzer Stadions. „Ich suche meinen Vater“, sagte er. Der hatte nämlich kurz zuvor den 8:0 (5:0)-Erfolg der Nationalmannschaft über Estland in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 verfolgt. Nun sollte die Familienzusammenführung erfolgen, die unter noch glücklicheren Voraussetzungen hätte stattfinden können.

Es war auch ohne Debüt schön

Denn Vater Stark durfte zwar ein munteres Spiel bestaunen, nahm aber auch wahr, dass sein Sohn dabei keine tragende Rolle einnehmen konnte. Eigentlich hatte sich der 24-jährige Abwehrchef von Hertha BSC erhofft, bei seiner zweiten DFB-Einladung endlich sein erstes Länderspiel zu absolvieren. Doch in Mainz und auch beim 2:0-Sieg in Weißrussland blieb ihm nur eine Zuschauerrolle.

„Es war trotzdem schön“, erklärte Stark. Die anderthalb Wochen im Kreise der Nationalmannschaft hätten sich gelohnt. „Hier sind die besten Spieler Deutschlands. Was hier für eine Qualität herrscht, ist schon enorm“, ergänzte der Verteidiger. Deswegen schafft es Stark derzeit auch nicht, sich an den etablierten Kräften vorbeizudrängen. Niklas Süle, Matthias Ginter oder auch Jonathan Tah genießen größeres Vertrauen bei Bundestrainer Joachim Löw. „Dafür kann ich viel lernen“, meinte Stark. „Es ist immer eine Bereicherung, dabei zu sein.“

Mit Löw in Berlin zum Essen getroffen

Zumal es Ende April so aussah, als müsste der Hertha-Profi die Saison bereits abhaken, zu schwer schien seine Sprunggelenkverletzung zu sein. Doch Stark ackerte in der Reha, trainierte, hätte am letzten Bundesliga-Spieltag sogar wieder auf dem Platz stehen können.

Der scheidende Trainer Pal Dardai verzichtete zwar noch auf ihm, dafür traf sich der Verteidiger mit Bundestrainer Löw zum Essen und wurde anschließend zum zweiten Mal für die Nationalelf nominiert. „Natürlich habe ich mir jetzt mein Debüt gewünscht“, erklärte Stark. Aber er habe noch Zeit, sei noch nicht fertig. „Ich werde alles dafür tun, dass es irgendwann so weit ist.“

Noch kein überzeugendes Angebot

Nur: Beinhaltet „alles“ auch einen Vereinswechsel im Sommer? „Das werden wir sehen“, sagte Stark. In seinem Vertrag bei Hertha ist eine Ausstiegsklausel verankert, diese beläuft sich auf 25 Millionen Euro. Was viele als Schnäppchen für einen jungen Verteidiger mit großem Potenzial bezeichnen würden. „Im Fußball ist viel möglich. Da bringt es nichts, etwas anderes zu erzählen“, meinte der gebürtige Bayer daher wohl auch.

Seit 2015 trägt er nun das Berliner Trikot, vorher verbrachte er seine Jugend größtenteils beim 1. FC Nürnberg. Vielleicht ist es nun Zeit für den nächsten Schritt. „Aber ich habe bis jetzt noch nichts gehört, dass mich daran zweifeln lässt, im nächsten Jahr nicht mehr bei der Hertha zu sein.“ Es scheint noch an einem überlegenswerten Angebot zu fehlen.

Im Urlaub will er sich Gedanken machen

Im Urlaub wird sich der Profi nun Gedanken machen. Über seine Karriere. Seine Zukunft. Er hat genügend Zeit, sich auch mit seinem Vater zu beraten. „Zu dem muss ich jetzt auch schnell“, meinte Stark, dann hastete er weiter aus dem Stadion.