USA-Reise

Zweiter Anlauf für Hertha-Talent Sidney Friede

In Herthas Jugend zählte Sidney Friede zu den Besten, doch der Sprung zu den Profis blieb ihm bislang erwehrt. Das soll sich ändern.

Einen Profi-Vertrag erhielt Sidney Friede (l.) bei Hertha schon Anfang 2018, bisher reichte es aber nur für Einsätze bei Test- und Freundschaftsspielen.

Einen Profi-Vertrag erhielt Sidney Friede (l.) bei Hertha schon Anfang 2018, bisher reichte es aber nur für Einsätze bei Test- und Freundschaftsspielen.

Foto: Revierfoto / picture alliance/dpa

Los Angeles.  Er ist also schon mal wieder dabei, nur noch nicht ganz mittendrin. Während Herthas Profis auf ihrer USA-Reise auf dem Platz trainierten, musste Talent Sidney Friede (21) abseits des Feldes schuften. Kräftigung, Koordination und Stretching, gefolgt von ein paar Läufen – viel mehr geht aktuell noch nicht, denn von seinem Abenteuer als Leihspieler in Belgien hatte er eine Hüftgelenksverletzung mitgebracht.

Davon abgesehen haben die drei Monate beim Erstligisten Royal Excel Mouscron jedoch durchweg positive Spuren hinterlassen. „Ich habe viele Minuten auf hohem Niveau gesammelt“, erzählt Friede während des US-Trips des Fußball-Bundesligisten. Minuten, die er bei Herthas Profis bislang nicht bekommen hat.

In Berlin spielte Friede – in der Jugend stets Leistungsträger – zuletzt für die U23 in der Regionalliga. Die belgische Jupiler Pro League hingegen trifft nach seiner Einschätzung deutsches Zweitliga-Level. „Technisch sind dort alle sehr stark“, sagt der zentrale Mittelfeldspieler, „was ein wenig fehlt, ist das taktische Verständnis.“

Sidney Friede bei Hertha: Kräftemessen mit Champions-League-Gegner

Unter den Fittichen des ehemaligen Hertha-Co-Trainers Bernd Storck (56) wurde Friede in Mouscron nach einem ersten Kurzeinsatz auf Anhieb zum Stammspieler. In den folgenden zehn Partien stand der Rechtsfuß acht Mal über die volle Distanz auf dem Platz, schoss zwei Tore und bereitete einen weiteren Treffer vor. Gegen den FC Brügge (2:1) und Standard Lüttich (1:1) musste er sich mit Champions-League- und Europa-League-Startern messen – und hielt mit.

Was ihm Storck, der sein Team mit harter Hand führt, mit auf den Weg gegeben hat? „Nichts Besonderes“, sagt Friede, „er hat mir einfach gesagt, dass ich dranbleiben und genauso weitermachen soll.“

Professionellerer Lebensstil

Konkrete Lerneffekte gab es trotzdem, wenn auch nicht zwangsläufig mit dem Ball am Fuß. Friede, der 2012 vom SC Staaken zu Hertha kam und seitdem nur das Leben im Nachwuchsleistungszentrum der Berliner kannte, schärfte außerhalb seiner gewohnten Komfortzone die Sinne. „In Mouscron“, sagt er, „habe ich nur für den Fußball gelebt.“

Dass eine 60.000-Einwohner-Stadt weniger Ablenkung bietet als eine pulsierende Metropole wie Berlin, liegt auf der Hand. Mouscron bot somit einen guten Nährboden, um die Stellschrauben in puncto Professionalität etwas anzuziehen, sich jenseits von Freunden und Familie bedingungslos auf den Job zu konzentrieren. Benjamin Weber, Leiter von Herthas Nachwuchsleistungszentrum, ist sich sicher: „Die Erfahrung im Ausland hat ihm gut getan.“

Starke Konkurrenz

Wie es nun weitergeht für den früheren U20-Nationalspieler? „Ich will mich jetzt bei Hertha beweisen“, sagt er entschlossen. Trainiert hat er bei den Profis schon oft, aber der Schritt in den Bundesliga-Kader ist ihm noch nie gelungen.

Dass mit Ante Covic einer seiner Förderer zum Chefcoach aufgestiegen ist, dürfte Friedes Chance nicht schmälern. Dennoch: Geschenke wird es kaum geben, das Eigengewächs muss sich gegen die Etablierten durchsetzen.

Jene hören auf Namen wie Arne Maier, Vladimir Darida oder Per Skjelbred – und möglicherweise Marko Grujic, falls es Hertha-Manager Michael Preetz gelingt, mit dem FC Liverpool eine weitere Leihe auszuhandeln. Nicht die schlechteste Konkurrenz. Um künftig wirklich mittendrin zu sein, hat Friede noch ein paar Schritte vor sich.