Zweiter Sieg

Hertha gewinnt bei kleinem Fußballfest in Madison

Die Berliner haben beim 4:0 gegen Madison wenig Mühe, werden aber Teil eines erinnerungswürdigen Fußball-Abends - samt eines Rekords.

Schoss in Madison das 1:0: Herthas Javairo Dilrosun (l.).

Schoss in Madison das 1:0: Herthas Javairo Dilrosun (l.).

Foto: Forward Madison FC

Madison.  Die Gegner schienen mächtig. Noch bei der Ankunft am Donnerstag sah es so aus, als würde Hertha in Madison (Wisconsin) kein leichtes Spiel haben. Einerseits fokussierte sich die Aufmerksamkeit in der Studentenstadt auf eines der Top-Events des Jahres, das legendäre Brat Fest, zum anderen wurden für Freitagabend heftige Gewitter vorausgesagt. Dass das Freundschaftsspiel gegen Drittligist Forward Madison FC kurzfristig ins Wasser fallen könnte, lag selbst am Tag des Spiels noch im Bereich des Möglichen.

Spätestens bei Anpfiff um 19 Uhr Ortszeit hatten sich diese Sorgen jedoch in Luft aufgelöst. Am Himmel strahlte die Sonne und auf den Tribünen des putzigen Breese Stevens Fields taten es ihr 4731 Fußball-Begeisterte gleich – nicht zuletzt wegen Hertha. Unter den eingangs skizzierten Bedingungen eine bemerkenswerte Zahl. Voller war das 5000-Zuschauer-Stadion in der jungen Geschichte des FMFC noch nie.

Dilrosun, Lustenberger, Selke und Grujic treffen

Lehrer Jim und sein Ex-Schüler Maurice waren 240 Kilometer aus Chicago angereist, um ihre Helden aus Deutschland zu sehen, beide in Trikots des früheren Berliner Profis Patrick Ebert. „Fantastisch, dass wir sie jetzt hier in den Staaten live erleben und sogar mit ihnen sprechen können“, sagte Maurice. Durch einen Besuch im Olympiastadion waren die beiden zu Fans des Hauptstadtklubs geworden. Als in Madison die Hertha-Hymne „Nur nach Hause“ eingespielt wurde, mussten beide selig lächeln.

Überhaupt herrschte Fußballfest-Atmosphäre. Ein Bundesligist kommt schließlich nicht alle Tage zu Besuch, dementsprechend herzlich fiel der Empfang aus. Auf dem Kunstrasen waren die Kräfteverhältnisse jedoch erwartbar klar. Hertha dominierte in jeglicher Hinsicht und gewann durch Treffer von Javairo Dilrosun (25. Minute) Fabian Lustenberger (45.+1), Davie Selke (58./FE) und Marko Grujic (80.) mit 4:0 (2:0). Den Forward-Fans war’s egal, sie feierten jede gelungene Verteidigungsaktion wie ein Tor.

Gegner Forward Madison erst 2018 gegründet

Der sportliche Gegner war am Ende also alles andere als mächtig, genauso wie die Socccer-Faszination jenseits des Breese Stevens Fields. In Madison dreht sich alles um die ortsansässige University of Wisconsin, Herzstück und Treiber der 250.000-Einwohner-Stadt. Auch die Sportbegeisterung wird aus dem Uni-Kontext gespeist. Das Football-Stadion des College-Teams fasst über 80.000 Zuschauer (!), die Basketball-Arena über 17.000. Ein bedeutsames Profi-Team sucht man indes vergebens.

Hertha-Gegner Forward Madison wird daran vermutlich nicht viel ändern, schenkt der wohl liberalsten Stadt des Mittleren Westens aber immerhin eine neue Facette. Erst 2018 wurde der Klub aus der Taufe gehoben, um in der USL League One anzutreten, der ebenfalls neu gegründeten Dritten Liga. Noch befindet sich das Team ganz am Anfang, Madison muss seine neue Mannschaft erst mal lieben lernen. Auf dem Titel des „Wisconsin State Journal“ fand sich am Freitag eine Art Erklärstück. Unterzeile: „Zur Spieltags-Atmosphäre gehören Trommeln, Flaggen, Gesänge und Vuvuzelas.“

Deutscher Einfluss in Madison

Warum Hertha auf seinem zehntägigen US-Trip ausgerechnet hier Station macht? Vor allem wegen der Nähe zum ersten Stopp in Minneapolis, doch auch abgesehen davon bietet Madison günstige Bedingungen. Die Stadt wurde schon früh von deutschen Einwanderern geprägt, die deutschen Einflüsse sind bis heute deutlich erkennbar.

Vom deutschen Bier im „Ratskeller“ über das jährliche Brat Fest (bei dem an einem Wochenende weltrekordverdächtige 210.000 Bratwürste verzehrt werden) bis zum Max Kade Institut für Deutsch-Amerikanische-Studien – Madison hat etwas übrig für good old Germany, und so drängt sich die These auf, dass Hertha hier auf offenere Ohren stößt als in anderen Städten der USA. Zur Trainingseinheit am Freitagvormittag kamen immerhin zwei Kamerateams, lokale Print-Journalisten und Fotografen.

„Hertha, Hertha“-Sprechchöre der Heimfans

Beim Forward Madison FC, der extra einen Freundschaftsspiel-Fanschal auflegte, kam der Name Berlin ohnehin gut an. Laut eines Berichts des „Wisconsin State Journals“ hatte der Klub die Möglichkeit, gegen einen englischen Zweitligisten zu spielen, entschied sich stattdessen aber bewusst für Hertha. Wenn man so möchte die perfekte Ergänzung zum Brat Fest. Für den Klub und seine Fans war der Besuch aus der Bundesliga ein Meilenstein, der wohl lange in Erinnerung bleiben wird. Am Ende wurden die Gäste von der aktiven Fan-Szene mit „Hertha-Hertha“-Sprechchören verabschiedet.

Für die Berliner führt ihre Reise am Sonnabend via Chicago nach Los Angeles. Dort ist neben dem Besuch einer Schule auch ein Abstecher an die mexikanischen Grenze geplant, passend zum Motto der Promotion-Tour: Tear down walls. Signale gegen Mauern kann es schließlich nie genug geben.

So spielte Hertha: Smarsch – Pekarik (69. Kraft), Stark (46. Rekik), Torunarigha, Mittelstädt – Lustenberger (46. Grujic), Skjelbred (46. Plattenhardt) – Dilrosun, Covic (69. Lazaro), Kalou (46. Selke), Köpke. – Tore: 1:0 (25.) Dilrosun, 2:0 (45.+1) Lustenberger, 3:0 (58.) Selke (58./FE), 4:0 (80.) Grujic.