US-Trip

Hertha beschert Minnesota United die erste Heimniederlage

Am Ende einer unterhaltsamen ersten Hälfte gelingt Peter Pekarik das 1:0-Siegtor. Begeistern können die Berliner nur selten.

Marko Grujic (l.) und Maximilian Mittelstädt hatten ihren Anteil am 1:0-Sieg bei Minnesota United.

Marko Grujic (l.) und Maximilian Mittelstädt hatten ihren Anteil am 1:0-Sieg bei Minnesota United.

Foto: Soeren Stache / dpa

Minneapolis.  Wer ein Faible für Superlative hat, könnte die Geschichte so erzählen: Hertha BSC hat sich einen Platz in den Geschichtsbüchern des amerikanischen Fußballs erspielt. Der Berliner Fußball-Bundesligist brachte dem MLS-Klub Minnesota United am Mittwochabend (Ortszeit) die erste Niederlage der Klub-Historie im heimischen Allianz Field bei. Entscheidender Protagonist war Hertha-Verteidiger Peter Pekarik, dem in der 43. Minute das 1:0-Siegtor gelang.

Falsch ist an diesen Fakten zwar nichts, in der Realität hatte das Freundschaftsspiel in Minnesota allerdings wenig mit Superlativen zu tun. Einerseits, weil Minnesota erst das sechste Spiel in seinem neuen Stadion absolvierte, zum anderen wegen der Partie an sich. Nach einer unterhaltsamer ersten Halbzeit verflachte das Duell im zweiten Durchgang – auch aufgrund zahlreicher Berliner Wechsel. Minnesota, in der Western Conference der MLS auf Platz fünf und mitten in der Saison, war von vornherein mit einer B-Elf angetreten.

Neugier auf den Bundesliga-Klub

„Für die Fans ist es etwas schade, dass sie nur einen Treffer gesehen haben“, meinte Torschütze Pekarik, „aber es war kein schlechtes Spiel. In der ersten Hälfte war das Tempo hoch, es gab viele Offensivaktionen.“

Dass das Ergebnis eher nebensächlich werden würde, stand schon vor Anpfiff fest, entscheidender war das Event an sich. Für die Berliner stellte der Kick bei den „Loons“ den wohl medienwirksamsten Auftritt ihrer zehntägigen US-Reise dar. Das Spiel wurde im regionalen Fox-Sports-Ableger im Kabelfernsehen übertragen, das Stadion im Vorfeld als ausverkauft angekündigt. „Überall, wo wir auftauchen, werden wir auf das Spiel angesprochen“, hatte Pal-Dardai-Vertreter Admir Hamzagic gesagt: „Ich glaube, die Stadt ist heiß auf die Partie.“

Am Abend waren in der knapp 20.000 Zuschauer fassenden Arena allerdings viele freie Plätze zu sehen. Die offizielle Besucherzahl von 18.703 Zuschauern wirkte etwas geschönt, zumal United über 14.500 Dauerkarten-Besitzer verfügt, die freien Eintritt hatten. Dennoch: Unter denen die kamen, war durchaus eine gewisse Neugier auf den Bundesliga-Klub zu spüren.

Die Querlatte hilft mit

Hamzagic wollte diese Erwartungen nicht enttäuschen, begann weitestgehend mit jener Elf, die zuletzt in der Bundesliga gespielt hatte. Neu ins Team rückte Niklas Stark, der am Mittwochvormittag eine erneute Einladung DFB-Team erhalten hatte. „Ich kann den Einsatz mit Blick auf die Nationalelf gut gebrauchen“, sagte der Innenverteidiger, der die letzten vier Saisonspiele verpasst hatte. Er lieferte eine solide Leistung ab.

Ganz sattelfest wirkte Herthas Defensive allerdings nicht. Mehrfach kamen die dynamischen United-Angreifer Kevin Molino (25./35.), Abu Danladi (29./40.) und Mason Toye (29./40.) zum Abschluss, scheiterten aber entweder an fehlender Präzision, Keeper Thomas Kraft oder der Querlatte.

Auf der anderen Seite erspielten sich auch die Berliner gute Chancen. Während auf den digitalen Werbebanden Hertha- und Bundesliga-Werbung flimmerte, prüfte Marko Grujic United-Torwart Dayne St. Clair mehrfach aus der Distanz (12./16.).

Nach Baak-Verletzung 20 Minuten in Unterzahl

Bei einem strammen Schuss von Ondrej Duda griff der Ersatzkeeper jedoch nicht richtig zu, ließ den Ball nach vorne abprallen. Pekarik rauschte in der rechten Strafraumhälfte heran und staubte ab – 1:0. Es sollte das letzte Berliner Highlight bleiben. Weil Youngster Florian Baak wegen Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste und niemand mehr auf der Bank saß, musste Hertha die letzten 20 Minuten in Unterzahl absolvieren.

Und Minneapolis? Hielt sich ziemlich streng ans MLS-Klischee – athletisch top, fußballerisch limitiert. In puncto Technik, Spielverständnis und Cleverness lieferten Hertha-Profis wie Duda, Grujic oder Karim Rekik Anschauungsunterricht, insgesamt fehlte den Gästen jedoch der nötige Zug zum Tor. So richtig zu begeistern wussten die Berliner nicht. Maximilian Mittelstädt gab zu: „Durch den Jetlag war es etwas schwer.“

Der Linksverteidiger, der gemeinsam mit Jordan Torunarigha, Arne Maier und Lukas Klünter im vorläufigen Aufgebot für die U21-Europameisterschaft steht, konnte der Partie trotzdem viel Gutes abgewinnen. „Für mich war die Spielpraxis vor der EM wichtig“, sagte er, „das war heute eine anständige Härte, das kann ich mitnehmen.“

Nächstes Spiel am Freitag

Und dann waren da ja noch zwei angenehme Nebeneffekte. „Peka schießt so selten Tore und heute so ein wichtiges“, sagte Mittelstädt augenzwinkernd, „dafür muss er heute Abend noch eine Runde schmeißen.“ Ganz zu schwiegen von Admir Hamzagic, der sein erstes Spiel als Trainer prompt gewann und nun eine 100-Prozent-Siegquote vorweisen kann. Noch ein Superlativ.

Am Donnerstag reist der Hertha-Tross weiter nach Madison in Wisconsin. Dort steht am Freitag (19 Uhr Ortszeit) das nächste Freundschaftsspiel an. Gegner ist der unterklassige Forward Madison FC.