Bundesliga

Herthas Happy End bleibt aus

Im letzten Spiel von Trainer Pal Dardai und Fabian Lustenberger verlieren die Berliner 1:5 gegen Leverkusen. Emotional wird es dennoch.

Herthas Profis um Valentino Lazaro (Mitte) würdigten Lustenberger in T-Shirts mit der Rückennummer des Schweizers.

Herthas Profis um Valentino Lazaro (Mitte) würdigten Lustenberger in T-Shirts mit der Rückennummer des Schweizers.

Foto: Thomas F. Starke / Bongarts/Getty Images

Berlin. Nach dem Abpfiff sank Fabian Lustenberger zu Boden: Sein Abschiedsspiel hatte er sich anders vorgestellt. Einen Sieg wollte die Mannschaft dem scheidenden Verteidiger und Trainer Pal Dardai in deren letzter Partie schenken. Stattdessen verabschiedete sich Hertha BSC wie in den Jahren zuvor mit einer heftigen Niederlage aus der Saison – gegen Bayer Leverkusen hieß es 1:5 (1:2). Die Gäste überholten durch diesen Erfolg Borussia Mönchengladbach (0:2 gegen Dortmund) und starten in der Champions League.

Hertha verfehlte sein Saisonziel deutlich, der erhoffte einstellige Tabellenplatz war neun Punkte entfernt. Nach der 13. Saisonniederlage mussten die Berliner Düsseldorf (2:1 gegen Hannover) vorbeiziehen lassen und beenden die Saison auf Rang elf.

Schon 30 Minuten vor dem Anpfiff war es emotional: Mit Sprechchören feierten die Fans Routinier Lustenberger (31), der nach seinem 220. Bundesligaspiel und zwölf Jahren in Berlin in die Schweiz zurückkehrt.

Der Schweizer läuft als Kapitän auf

Ebenso freundlich war die Verabschiedung für Trainer Dardai, der seinen Cheftrainer-Posten nach viereinhalb Jahren räumen muss. Außerdem gab es Abschieds-Blumensträuße für Marko Grujic, Jonathan Klinsmann (war nicht vor Ort), Talent Julius Kade sowie die Co-Trainer Rainer Widmayer und Admir Hamzagic.

Lustenberger durfte bei seinem letzten Spiel die Kapitänsbinde von Vedad Ibisevic übernehmen. Erwartungsgemäß bekamen die Berliner gegen die offensivstarken Gäste viel zu tun. Torwart Thomas Kraft lenkte einen 20-Meter-Schuss von Wendell über die Latte (10. Minute), Kai Havertz verfehlte das Hertha-Tor nur knapp (22.).

Dann hatte Kraft Pech, dass der Schiedsrichter nicht sah, wie Lucas Alario den Hertha-Keeper mit einem Tritt an der Schulter traf. Der Torhüter musste behandelt werden – und in seiner ersten Aktion danach den Ball aus dem Netz holen. Havertz war Gegenspieler Grujic entwischt und traf aus spitzem Winkel zur Bayer-Führung – schwer zu sagen, ob ein fitter Kraft in der Situation schneller reagiert hätte (28.).

Lazaro trifft nach Vorarbeit von Ibisevic und Duda

Doch Hertha war nicht beeindruckt. Ibisevic flankte mit dem Rücken zum Leverkusener Tor, Ondrej Duda zog ab, Bayer-Torwart Lukas Hradecky flog ins Leere und Valentino Lazaro drückte den Ball über die Linie, 1:1 (32.).

Die Freude währte jedoch nicht lange. Alario entwischte im Hertha-Strafraum Verteidiger Karim Rekik und spitzelte den Ball im Fallen an Kraft, der schon abgetaucht war, vorbei, 1:2 (36.) – auch bei diesem Gegentreffer machte der Torwart keine glückliche Figur.

Nach der Halbzeit war es ein schlampiger Fehlpass von Grujic im Spielaufbau, der die Begegnung endgültig entschied. Zwei Stationen später stand Bayer-Nationalspieler Julian Brandt frei und zirkelte den Ball zum schönsten Tor des Nachmittags aus 16 Metern in den linken Dreiangel (54.).

Mit dem 1:3 waren die Karten gelegt, der Rest des Nachmittags war Sommerfußball. Alario mit seinen Toren zwei (72.) und drei (88.) sorgte für eine 1:5-Klatsche von Hertha BSC.

Herzlicher Fan-Abschied für Dardai und Lustenberger

Trainer Dardai sprach von „einem verdienten Ergebnis“. Zur Saison sagte der Ungar: „Dass wir bei so vielen Verletzungen nichts mit dem Abstieg zu tun hatten, ist eine Top-Leistung, auch wenn wir vier, fünf Punkte liegen gelassen haben.“

Zu seinem Nachfolger Ante Covic – der bisherige U23-Trainer übernimmt zum neuen Spieljahr – sagte Dardai: „Der neue Trainer bekommt eine funktionierende Mannschaft. Er spielt hoffentlich eine erfolgreichere Rückrunde.“

Die Berliner Anhänger verabschiedeten die Mannschaft – alle hatten sich ein „Danke Lusti“-T-Shirt übergestreift – freundlich. „In Euch fließt blaues Blut - danke Pal und Fabian!“ hieß es auf einem Banner, dazu gab es abwechselnd Sprechchöre für Dardai und Lustenberger. Am Ende verbeugte sich der Verteidiger Hand in Hand mit seinen Söhnen vor den treuen Fans.

Viel Gesprächsbedarf auf der Mitgliederversammlung

Gefragt, welche Schulnote er sich für seine vier Jahre als Hertha-Trainer gibt, antwortete Dardai: „Wie als Spieler: eine starke Durchschnittsnote drei.“

Dardai hatte für sein letztes Spiel bei Hertha so viele Freikarten wie nie bestellt (30) und sagte: „Es sind viele Freunde und Bekannte aus Ungarn da, das wird ein langer Abend.“

Hertha verkörpert derzeit wie kaum ein zweiter Klub in der Bundesliga Mittelmäßigkeit. Es gibt einiges zu bereden mit Manager Michael Preetz auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC, die an diesem Sonntag um 11 Uhr unterm Funkturm abgehalten wird.