BUNDESLIGA

Pal Dardai geht: Schön war die Zeit

Mit dem Saisonfinale gegen Leverkusen enden viereinhalb stabile Bundesliga-Jahre von Hertha BSC unter Cheftrainer Pal Dardai

Pal Dardai betreut Hertha BSC gegen Leverkusen zum 151. und letzten Mal als Cheftrainer

Pal Dardai betreut Hertha BSC gegen Leverkusen zum 151. und letzten Mal als Cheftrainer

Foto: Foto: Reto Klar

Berlin. Jeder Punkt, jedes Tor – für den Gegner ist alles wichtig. Wenn Hertha BSC zum letzten Bundesliga-Spieltag Bayer Leverkusen empfängt (Olympiastadion, 15.30 Uhr), geht es für die Gäste ums große Geld: Sie liegen als Fünfter punktgleich, um nur zwei Tore schlechter als der Vierte Mönchengladbach (spielt parallel gegen Dortmund). Erreicht Leverkusen Platz vier, bedeutet das in der Champions League eine garantierte Einnahme von rund 35 Millionen Euro. Eine Europa-League-Teilnahme ist mit etwa 15 Millionen dotiert.

Bei Hertha BSC haben sie schlechte Erfahrungen gemacht mit Saison­abschlussspielen. „Wir haben zuletzt ­­je­­des­mal eine Schütte bekommen, das soll uns nicht wieder passieren“, sagte Trainer­ Pal Dardai. Das Finale der vergangenen Saison verloren seine Schützlinge im Mai 2018 gegen Leipzig mit 2:6. 2017 hatte­ es, damals gegen Leverkusen, ebenfalls eine 2:6-Heimpleite gesetzt.

Preetz: Wir wollen weiter nach oben klettern

Bei Hertha wird der Trainer im Mittelpunkt stehen. Nach viereinhalb Jahren betreut Pal Dardai (43) die Blau-Weißen ein letztes Mal. Er muss seinen Cheftrainer-Posten räumen, weil die Klubführung sich neuen Schwung wünschte, sein Nachfolger wird Ante ­Covic (43)­, der bisherige U23-Trainer.

60.000 Fans werden dem scheidenden Trainer einen emotionalen Abschied bereiten. „Pal hat die Mannschaft in einer schwierigen Situation übernommen“, sagte Manager Michael Preetz. „Die Überschrift ist, dass er der Mannschaft eine große Stabilität verliehen hat.“ Gleichzeitig ließ Preetz durchblicken, welchen Schritt er Dardai nicht mehr zugetraut hat: „Wir sind ein Verein, der sich im mittleren Segment der Bundesliga aufhält und natürlich versucht, weiter nach oben zu klettern. Und das ist ein müh­samer Weg.“

Dardai baut den Kader um

Die Ära Dardai begann im Februar 2015 in Mainz. Der Nachfolger des entlassenen Jos Luhukay gewann 2:0 beim FSV, die Tore erzielten Jens Hegeler und Roy Beerens. Später hat Dardai immer wieder betont, dass er mit dem Manager die Struktur im Kader grundlegend verändert hat. Neben den Torschützen dieser Partie hatten auch andere Profis, die gegen Mainz im Kader standen, keine Zukunft: Die Wege von Hertha und Peter Niemeyer, Sandro Wagner, Marcel Ndjeng, Ronny, Hajime Hosogai oder Julian­ Schieber trennten sich bald.

Grundsätzlich erwies sich die Annahme, dass Dardai wegen seiner jungen Jahre – beim Amtsantritt war er 39 – zu sehr ein Spielerversteher sei, als Trugschluss. So respektvoll der Umgang mit „seinen Jungs“ (O-Ton Dardai) ist: Der Trainer war immer ein Freund von klaren Ansagen. Anders als andere Trainer, die menschlich unangenehme Gespräche Manager Preetz überließen, überbrachte Dardai schlechte Nachrichten selbst. Etwa indem er John Heitinga, Vizeweltmeister mit den Niederlanden, mitteilte, dass er – bei allem Respekt vor seinen Diensten – nicht mehr spielen werde, weil er zu langsam geworden sei.

Ibisevic ersetzt Lustenberger

Die schwierigste Situation seiner Amtszeit überstand Dardai mit radikalen Maßnahmen: Nachdem Hertha schon zum Ende der Spielzeit 2015/16 mit sieben Spielen ohne Sieg enttäuscht hatte, waren die Berliner in der Qualifikation zur Europa League an Außenseiter Bröndby Kopenhagen gescheitert (1:0, 1:3). Dardai legte Kapitän Fabian Lustenberger den Rücktritt nahe. Als der Schweizer das Angebot nicht annahm, setzte Dardai ihn ab und bestimmte Vedad Ibisevic zum Spielführer.

Hoffnungsträger Mitchell Weiser, der sich in der Kabine über den Dardai-Umgang mit der Niederlage lustig gemacht hatte, schickte der Trainer zehn Tage zum Einzeltraining, „körperliche Defizite aufarbeiten“. Hertha startete mit vier Siegen in die Saison, Weiser spielte sein bestes Jahr in Berlin. Im Mai 2017 stand Hertha als Sechster und Europa-League-Teilnehmer so gut da, wie lange nicht.

Stabil im DFB-Pokal

Immerhin heilte Dardai Hertha von einer über Jahrzehnte wiederkehrenden Krankheit: Unter seiner Verantwortung bestritt Hertha 13 DFB-Pokalspiele. Die Dardai-Bilanz gegen unterklassige Klubs: neun Spiele, neun Siege.

Der für diese Saison vom Manager geforderte Schritt hin zu einer offensiveren und attraktiveren Spielweise gelang punktuell. Es gab Höhepunkte, wie das 4:2 und 3:0 gegen Gladbach, das 2:0 gegen die Bayern – der erste Sieg gegen den Branchenprimus nach zehn Jahren – oder ein 2:0 auf Schalke.

Das ewige Problem mit Rückschlägen

Bei aller Entwicklung von jungen Spielern wie Arne Maier, Jordan Torunarigha oder Maximilian Mittelstädt war der aktuelle Jahrgang wie seine Vorgänger nicht vor Rückschlägen gefeit. Stellvertretend sei hier das 1:4 vom vergangenen November beim damaligen Tabellenletzten Düsseldorf erwähnt.

Heute heißt es ein letztes Mal 90 Minuten Bundesliga-Spannung, dann wird sich Dardai verstärkt seinem Hobby widmen – Rasenmähen im eigenen Garten. Schön war die Zeit.