BUNDESLIGA

Das letzte Spiel für Hertha-Trainer Pal Dardai

Nach viereinhalb Jahren als Cheftrainer von Hertha BSC fällt für Pal Dardai mit der letzten Partie gegen Leverkusen der Vorhang

Ein letztes Mal coachen Cheftrainer Pal Dardai (M.) und Cotrainer Rainer Widmayer (r.) Hertha BSC

Ein letztes Mal coachen Cheftrainer Pal Dardai (M.) und Cotrainer Rainer Widmayer (r.) Hertha BSC

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Das Klischee sagt, Pal Dardai sei der Motivator und Rainer Widmayer das Taktikgehirn von Hertha BSC. Doch wenn das Duo von Cheftrainer und Cotrainer nach viereinhalb gemeinsamen Jahren gegen Bayer Leverkusen seinen Ausstand gibt, will Dardai von Emotionen nichts wissen (15.30 Uhr, Olympiastadion). Keine Wehmut, kein Abschiedsschmerz. „Alles fühlt sich an wie immer“, sagte Dardai. „Wir haben gut gearbeitet in den letzten Wochen. Und uns für den Saisonabschluss noch einiges vorgenommen.“

Der Bauchmensch Dardai (43) verschanzte sich bei seinem Abschied hinter Zahlen. 48 Tore hat Hertha als Tabellen-Zehnter erzielt. „Wir haben uns eingeschworen mit der Mannschaft und uns 50 Tore vorgenommen“, erzählte Dardai. Dazu fehlen Hertha zwei Treffer - „dann haben wir mehr erzielt als Lucien Favre in seiner besten Saison“, sagte der Trainer.

Dardai ist ins Archiv gestiegen. Und in der Tat: 2008/09 als Hertha mit Rang vier die beste Platzierung in diesem Jahrtausend belegt hat, kam der Hauptstadt-Klub unter dem damaligen Coach Favre auf 48:41 Tore.

Ziel ist die beste Dardai-Rückrunde

Der Hertha-Jahrgang 2018/19 hat mit den bisher erzielten 48 Toren schon einen Bestwert für die Ära Dardai aufgestellt. In den Jahren zuvor waren es 42 Tore (2015/16), 43 (2016/17 und 2017/18).

Dardai muss seinen Posten räumen, weil die Vereinsführung der Meinung ist, Hertha brauche neuen Schwung und einen neuen Aufbruch. So ist es sicher kein Zufall, dass der Noch-Trainer seine Amtszeit gegen Leverkusen mit einem Punkt, besser einem Sieg beenden will. „Weil wir dann das Gerede, Hertha könnte keine Rückrunde, beendet hätten“, sagte Dardai. Und meinte mit Blick auf seinen Nachfolger Ante Covic: „Dann hätte der neue Trainer ein Problem weniger.“

Nach den Siegen in den vergangenen Wochen (3:1 gegen Stuttgart, 4:3 in Augsburg) hat Hertha aus der Rückserie 19 Punkte geholt. Mit 20 Zählern (oder mehr) wäre die neue Bestmarke in diesem Jahrzehnt erreicht.

Dardai: Ich habe viel gelernt

Viele Zahlen, damit Dardai verdecken kann, dass die letzten Wochen auch in seinem Leben einiges durcheinander gewürfelt haben. Vertraglich ist mit Hertha geregelt, dass Dardai ein Jahr Pause macht, bei dem einen oder anderen Verein hospitiert – und ab Sommer 2020 im Jugendbereich wieder arbeitet. Doch Dardai erzählte: „Meine Frau hat mir gesagt: So entspannt, wie du jetzt bist, brauchst du doch kein Jahr Pause.“

Der Ungar führte seine Entspannung darauf zurück, dass er seit Bekanntgabe der Trennung Mitte April keine Medientermine mehr gemacht habe: „Herrlich, nur mit der Mannschaft arbeiten und am Wochenende spielen.“

Wertvolle Uhr als Abschiedsgeschenk

Dardai räumte ein, dass die Bundesliga-Jahre seit Februar 2015 ihn verändert haben. „Mit meinen Jugendmannschaften haben wir meist hoch gewonnen. Da dachte ich, ich wäre ein guter Trainer“, sagte er. Doch in der Bundesliga war es sehr viel schwieriger mit Fortschritten. „Ich habe viel gelernt: über taktische Veränderungen, über Systeme, über Pressing, wie das ist, wenn man viele Verletzte hat“ sagte Dardai.

Als Abschiedsgeschenk hat sich der Trainer eine wertvolle Uhr gewünscht. Neben Cotrainer Widmayer werden auch die scheidenden Spieler Fabian Lustenberger (wechselt zu Young Boys Bern) und Julius Kade (1. FC Union) verabschiedet. Jonathan Klinsmann ist aus privaten Gründen bereits in die USA abgereist. Über seinen Nachfolger sprach Dardai nur positiv. Merkte aber an: Nach Jahren als Trainer im Nachwuchs bekomme­ Covic „jetzt die Chance im Männer-Fussball. Ich drücke ihm die Daumen. Aber das ist ein anderes Arbeiten­.“­