STADIONBAU

Jetzt wird also über Tegel diskutiert

Hertha reagiert positiv auf den Vorschlag von Sportsenator Geisel über einen Stadionbau am Flughafen Tegel. Die Grünen lehnen den Standort ab

Das weitläufige Gelände des Flughafens Tegel ist im Gespräch als Standort für ein Hertha-Stadion.

Das weitläufige Gelände des Flughafens Tegel ist im Gespräch als Standort für ein Hertha-Stadion.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Rechtzeitig zur Mitgliederversammlung von Hertha BSC am Sonntag (11 Uhr, Messehalle 18) wartet Sport-Senator Andreas Geisel mit einem neuen Vorschlag zum Stadion-Thema auf. Geisel schlägt vor, dass der Fußball-Bundesligist seine ersehnte neue Arena auf dem Gelände des Flughafens Tegel errichtet. Natürlich unter der Voraussetzung, dass der neue Flughafen BER fertig gebaut und eröffnet und der Flugbetrieb in Tegel dann eingestellt wird. Das bestätigte Geisel der Morgenpost, zuerst hatte die „BZ“ von den Plänen ­berich­tet. ­

Manager Preetz verspricht „ernsthafte Prüfung“

Der Geisel-Vorschlag sieht eine Hertha-Arena im Nordbereich des Flughafens vor. „Tegel ist mit 450 Hektar noch einmal größer als Tempelhof“, sagte Verwaltungssprecher Martin Pallgen. „Wenn sich Hertha Tegel als Standort vorstellen kann, werden wir das prüfen.“

Die Antwort von Herthas Geschäftsführer Michael Preetz war vielleicht gar nicht so herablassend gemeint, wie sie klang: „Wir freuen uns, dass es beim Senat offensichtlich angekommen ist, dass es ein unterstützungswürdiges Projekt ist, dass Hertha BSC eine neue Fußball-Arena bekommt“, sagte Preetz. „Das habe ich, jedenfalls so klar wie in dem Statement von Herrn Geisel, bisher nicht vernommen. Das ordne ich als positiv ein.“

Hertha hält den Olympiapark für den geeigneteren Standort

In der Sache reagierte Hertha so, wie der Klub auch auf die Geisel-Idee reagiert hatte, als der Sportsenator einen (mittlerweile verworfenen) Vorschlag unterbreitet hatte, das Olympiastadion umzubauen: „Gemeinsam mit den Beteiligten aufseiten des Senats werden wir die Idee, auf dem Gelände des Flughafens Tegel eine Arena in der entsprechenden Größe zu errichten, gern ernsthaft prüfen“, hieß es in einer offiziel­len Hertha-Reaktion.

Allerdings formulierte Preetz ebenfalls: „Ich möchte deutlich sagen, dass wir bei Hertha BSC den Olympiapark für den geeigneteren Standort halten.“

Schlechte Verkehrsanbindung an den Flughafen Tegel

Bekanntlich favorisiert der Bundesligist den Bau einer 55.000er-Arena im Olympiapark an der Rominter Allee. Hertha vermag bisher jedoch keinen Ersatzwohnraum zu präsentieren für die 24 Mietparteien aus der Sportforumstraße, die bei einem Hertha-Bau weichen müssten. Ohne eine zufriedenstellende Lösung für die betroffenen Mieter in dieser elementaren Frage wird Hertha sein Bauprojekt am Wunschstandort aber nicht beginnen können.

Der Klub hatte den Flughafen Tegel bei seiner Standortsuche vor zwei Jahren bereits untersucht. Damals war Tegel verworfen worden, vor allem wegen der relativ schlechten Verkehrsanbindung. Es gibt weder eine S-Bahn- noch eine U-Bahn noch eine Straßenbahn, die das ­­Gelän­de anschließt.

Ein Umzug nach Tegel wäre nicht vor 2027 möglich

Nun steht Tegel also wieder zur Diskussion. Und anders als von Hertha gewünscht, würde sich dieser Standort nicht bis zum Sommer 2025 realisieren lassen – so lange ist Hertha noch Mieter im Olympiastadion. Laut Geisel wäre ein Umzug nach Tegel nicht vor 2027 oder 2028 möglich.

Aus der Opposition kam umgehend Ablehnung für den neuen Vorschlag. Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion, sagte: „Man wird das Gefühl nicht los, dass Herr Geisel die Stadionpläne von Hertha nicht ernst nimmt. Den BER kriegt der sozialdemokratisch geführte Senat seit Jahren nicht eröffnet, aber TXL wird jedem in der Stadt als zukünftiger Standort gedankenlos versprochen. TXL hat für ­­­­Berlin nur eine Nutzungsperspektive - als unverzichtbarer Flughafen.“

Geisel-Vorstoß offenbar nicht in der Koalition abgestimmt

Auch die AfD will Tegel weiter als Flughafen in Betrieb halten und brachte wieder einmal den Vorschlag ins Spiel, eine Volksabstimmung darüber abzuhalten, ob Hertha sein neues Stadion auf dem Tempelhofer Feld bauen solle.

In der Regierungskoalition war der Geisel-Vorstoß offenbar nicht abgestimmt. „Das ist ein Schnellschuss, der niemanden weiterbringt“, kritisierte die Sprecherin für Sport der Fraktion die Grünen, Nicole Ludwig, den Sport-Senator. Sie halte das Szenario auch nicht für umsetzbar, so Ludwig.

Die Politikerin verwies darauf, dass es für das Tegel-Gelände für die Zeit nach Ende des Flugbetriebs umfangreiche und fortgeschrittene Planungen gebe. „Mir ist nicht ­­bekannt, dass wir da noch Platz für ein Stadion hätten.“ Statt „irgendwelche Standorte rauszuposaunen“, sei eine seriöse Prüfung möglicher Alternativen zum Olympiapark nötig, sagte Ludwig.

Die Grünen spielen also auf den Faktor Zeit, Hertha hingegen versucht seit mehr als zwei Jahren Tempo in „dieses für den Verein sehr, sehr wichtige Vorhaben“, so Michael Preetz, zu bekommen.