BUNDESLIGA

Lustenberger schwärmt von Marko Pantelic

Nach zwölf Jahren in Berlin bestreitet Herthas Fabian Lustenberger gegen Bayer Leverkusen sein 220. und letztes Bundesliga-Spiel

Herthas Mr. Zuverlässig: Fabian Lustenberger (r.) im Duell mit dem Frankfurter Luka Jovic.

Herthas Mr. Zuverlässig: Fabian Lustenberger (r.) im Duell mit dem Frankfurter Luka Jovic.

Foto: Foto: Matthias Hangst / Bongarts/Getty

Berlin. Geht es vorrangig ums Geld geht, sollte ein Fußball-Profi alle drei Jahre, wenn sein Vertrag ausgeläuft, den Verein wechseln. Dann gibt es neben einem neuen Gehalt jeweils ein stattliches Handgeld einzustreichen. Man kann es aber auch machen wie Fabian Lustenberger: Der kam 2007 als 19-jähriger Teenager zu Hertha BSC – und verläßt nach seinem letzten Bundesliga-Spiel Berlin als 31-jähriger Familienvater. „Ich habe meinen Traum gelebt“, sagte Lustenberger, „zehn Jahre Bundesliga, zwei Jahre Zweite Liga – über­ragend.“

Wie selten das Phänomen der Vereinstreue ist, lässt sich anhand seines ersten Bundesliga-Einsatzes am 17. August 2007 verdeutlichen: Lustenberger wurde in der Hertha-Partie gegen Stuttgart in der 88. Minute eingewechselt. Trainer Lucien Favre wollte Solomon Okoronkwo, der die Partie mit seinem Tor zum 3:1 für Hertha entschieden hatte, einen Sonderapplaus der Zuschauer bei dessen Auswechselung gönnen. Okoronkwo hat seit 2007 in vier Ländern für zehn verschiedene Klubs gespielt. Aktuell steht der Stürmer aus Nigeria beim niedersächsischen Regionalligisten SW Rehden unter Vertrag. Lustenberger ist immer noch bei Hertha – und wird wehmütig beim Blick auf sein 220. und letztes Bundesliga-Spiel am Sonnabend gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, Olympiastadion). „Vor dem Anpfiff wird es eine Verabschiedung geben, sonst weiß ich nichts weiter. Es wird bestimmt sehr emotional.“ Als Einlaufkinder werden seine beiden Söhne Lustenberger ein letztes Mal aufs Feld begleiten.

Lustenberger lobt Salomon Kalou

Bei der Frage, welcher Hertha-Kollege ihn am meisten beeindruckt hat, antwortet Lustenberger: „Marko Pantelic.“ Der sei ein Phänomen gewesen. „Wenn Marko auf dem Platz stand, konnten wir jederzeit ein Tor schießen. Oft wussten wir selbst nicht, wie er das gemacht hat.“ Sein Status als Erfolgsgarant war für die Kollegen umso erstaunlicher, weil Pantelic sicher nicht der Erfinder des Trainingseifers war. Dessen vielfach vorgetragene Begründung: „Trainer, I have a pain in my back“ (Trainer, ich habe Rückenschmerzen) ist seither ein geflügeltes Wort bei Hertha. Zumal diese Rückenschmerzen immer nur von Montag bis Mittwoch dauerten, donnerstags stand Pantelic wieder auf dem Platz. „Marko wusste seinen Körper sehr ­genau einzuschätzen“, schmunzelt Lustenberger.

Bei der Frage, welcher Mitspieler ihn von seiner Art am meisten beeindruckt hat, überlegt Lustenberger nicht lange: „Salomon Kalou“. Nicht, weil Kalou aufgrund seiner Erfolge mit Feyenoord Rotterdam, dem FC Chelsea und der Elfenbeinküste ein wirklicher Star ist. Sondern weil Kalou einen 17-Jährigen Nachwuchskicker genauso behandelt wie etwa Manager Michael Preetz: respekt - und humorvoll, und immer positiv. Bei der Frage, welchen Kollegen er bei einem Spiel auf dem Bolzplatz als erstes wählen würde, sagt Lustenberger: „Per Skjelbred. Egal wie die Umstände sind, egal, was passiert: Er gibt 100 Prozent.“

Neubeginn bei den Young Boys Bern

Nun kehrt er in die Schweiz zurück, sein Ältester wird im Sommer eingeschult. Lustenberger hat bei Meister Young Boys Bern einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Bei der Frage, ob er sich im neuen Familiendomizil in Luzern eine Vitrine für Pokale und Auszeichnungen einrichten werde, muss Lustenberger lachen: „Wegen der vielen Titel, die ich mit Hertha gewonnen habe?“ Die Frage ist rhetorisch gemeint. Weil Hertha seit Jahrzehnten den Traum von einem Titelgewinn träumt. „Ich habe eine große Kiste mit Trikots und ­Geschenken. Mal sehen, wo meine Frau mir eine Ecke zuweist.“