Bundesliga

Die Skepsis an Dardai-Nachfolger Covic bleibt

Beim Kieztraining in Wilmersdorf hält sich die Fan-Begeisterung über die Trainerwahl in Grenzen. Die Profis äußern sich indes positiv.

Selfies mit dem scheidenden Trainer Pal Dardai waren beim Kieztraining besonders begehrt.

Selfies mit dem scheidenden Trainer Pal Dardai waren beim Kieztraining besonders begehrt.

Foto: Sergej Glanze / BM

Berlin.  Wolfgang Sidka durfte natürlich nicht fehlen, schließlich war der Termin wie für ihn gemacht. Herthas sechstes und letztes Kieztraining dieser Saison fand beim Berliner SV 92 statt, jenem Verein, bei dem der spätere Profi des Bundesligisten einst das Fußballspielen lernte. Kein Wunder also, dass der 64-Jährige am frühen Dienstagabend eine Stippvisite im Stadion Wilmersdorf machte, dort, wo seine Laufbahn begann, ehe er Herthas Hochphase in den Siebzigern miterlebte.

In der Bundesliga erspielte sich der Hauptstadtklub damals die Plätze zwei (1975) und drei (1978) und kämpfte sich zudem zweimal ins Finale des DFB-Pokals (1977/1979). Erfolge, die lange zurückliegen, aber gleichzeitig das Zeug zu einer Zukunftsvision haben. Denn mit Mittelmaß wollen sie sich bei Hertha bekanntlich nicht mehr zufrieden geben. Das obere Liga-Drittel soll es sein, und das Pokalfinale bleibt ohnehin das ewige Sehnsuchtsziel.

Kommentar: Covic neuer Hertha-Trainer - Zu kurz gesprungen, Herr Preetz

Die Anhänger äußern sich kritisch

Pal Dardai (43) wird diese Entwicklung nicht mehr zugetraut, statt des Ungarn nimmt ab Sommer Ante Covic (43) auf dem Cheftrainer-Stuhl Platz. Wer sich beim Kieztraining unter den rund 600 Besuchern umhörte, fand allerdings wenig Begeisterung für die Beförderung des U23-Coaches.

„Ich hätte mir jemand anderen gewünscht“, sagte etwa Sebastian (27), „jemand Frisches, jemanden von außen. Für mich sieht Covic wie eine Notlösung aus.“

Andreas und Zdenko, beide 63, sehen es ähnlich. Ihr Fazit: „Dann hätte Michael Preetz Pal Dardai ja gar nicht entlassen brauchen. Es wurde von einer großen Lösung gesprochen. Das ist jetzt das Gegenteil davon.“

Carina (47), eingepackt in einen dicken, blau-weißen Wollschal, gibt zu, dass sie voreingenommen ist. Sie ist großer Dardai-Fan und hätte am Trainer festgehalten. Abgesehen davon sieht sie die Personalie Covic positiv: „Wenn schon ein neuer Trainer, dann eine interne Lösung.“

Noch kein Austausch über Spiel-Philosophie

Herthas Profis äußerten sich nach ihrem Show-Training am Dienstag erwartbar positiv. „Ich kenne Ante schon seit sechs Jahren“, sagte Mittelfeld-Routinier Per Skjelbred (31), „er ist ein guter, positiver Typ. Es wird eine große Aufgabe.“

Allzu viele Berührungspunkte gibt es zwischen dem Nachwuchscoach und den Profis in der Regel nicht, eine Bewertung fällt daher schwer. „Fußballerisch kann ich wenig zu ihm sagen“, meinte Abwehrchef Niklas Stark, „über seine Philosophie haben wir noch nicht gesprochen.“

Einer, der Covic bestens kennt, ist Jung-Profi Florian Baak (20). Im Bundesligateam hat der Abwehrspieler den Durchbruch noch nicht geschafft, dafür zählt er in der U23 zu den Stammkräften. Ob er markante Unterschiede zwischen Dardai und Covic ausmachen kann? Nur bedingt. Vielleicht merke man ein wenig, dass Covic einst Offensivspieler und Dardai Defensivkraft war, meint er, „aber letztlich geht’s im Fußball immer nur um die Ergebnisse“.

Lazaro droht zum Saisonfinale auszufallen

Der von diversen Klubs umworbene Valentino Lazaro musste sich am Dienstag aufs Autogrammeschreiben beschränken. Beim jüngsten 4:3 in Augsburg hatte sich der Außenbahnspieler eine Fußverletzung zugezogen, ein Einsatz im Saisonfinale am Sonnabend im Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen ist noch fraglich.

In Bezug auf die Trainer-Lösung gab sich der Österreicher aufgeschlossen. „Wir verstehen uns gut“, sagte er über Covic, „wir sprechen auch über private Dinge. Ich bin gespannt, was er bewegen will.“ Wie so viele.

Niklas Stark: „Bei einem guten Trainer ist die Vita egal“

Kritiker fragen sich nicht zuletzt, ob Covic es schafft, ein Team mit etlichen (Ex-)Nationalspielern hinter sich zu versammeln. Einerseits kann er keine besonders erfolgreiche Profi-Karriere vorweisen (62 Bundesligaspiele), zum anderen hat er als Trainer bislang nur Herthas Regionalliga-Mannschaft verantwortet. Für Niklas Stark kein entscheidendes Kriterium. Er sagt: „Wenn er ein guter Typ und ein guter Trainer ist, dann ist die Vita egal.“