Herthas neuer Trainer

Ante Covic und seine Inspiration durch Pep Guardiola

Seine Ex-Spieler schwärmen über Herthas neuen Cheftrainer Ante Covic und sehen katalanischen Einfluss. Nur wie viel ist das wert?

Ante Covic arbeitet bei Hertha seit 2010 als Jugendtrainer. Seit November 2013 verantwortete er die U23, am 1. Juli steigt er zum Cheftrainer auf.

Ante Covic arbeitet bei Hertha seit 2010 als Jugendtrainer. Seit November 2013 verantwortete er die U23, am 1. Juli steigt er zum Cheftrainer auf.

Foto: Imago / Matthias Koch

Berlin.  Wer sich mit Ante Covics ehemaligen Spielern unterhält, hört nur Gutes über Herthas künftigen Chef-Coach. Sicher, ein wenig Überraschung schwingt durchaus mit, wenn es um die Beförderung des bisherigen U23-Trainers geht, doch der Tenor klingt anders. Freut mich für ihn, er hat’s verdient, ich trau’s Ante auf jeden Fall zu – die Meinung seiner Ex-Schützlinge fällt auffällig wohlgesonnen aus. Ein Umstand, den man nicht überbewerten sollte, aber durchaus zur Kenntnis nehmen darf.

Da wäre zum Beispiel Florian Kohls (24). Der defensive Mittelfeldspieler machte von 2013 bis 2017 insgesamt 67 Spiele unter Covic, trainierte ab 2015 jedoch meist bei den Profis von Pal Dardai. Allzu sehr vergleichen will er die Fußballlehrer nicht, wenngleich beide eine emotionale Seite hätten.

„Ante ist ein guter Motivator und ein guter Taktiker“, sagt Kohls, der heute für die Würzburger Kickers spielt: „Er ist ein offener Typ und gibt jedem eine faire Chance. Meistens hat er ein Lächeln auf den Lippen, aber wenn es sein muss, kann er einem auch mal in den Hintern treten. Ante zeigt gern Emotionen, er kann eine Mannschaft mitreißen.“

Ante Covic übernahm Details des früheren Bayern-Trainers Pep Guardiola

Genau das wünschen sie sich ja bei Hertha, mitreißenden Fußball. Ob Covic diese Sehnsucht bedienen kann? Das wird sich erst zeigen müssen. Dadurch, dass er bei der U23 mit heranwachsenden Talenten gegen gestandene Männer spielen musste, Jahr für Jahr mit einem neuen Team, lassen die soliden bis guten Ergebnisse aus der Regionalliga Nordost wenige Rückschlüsse zu.

Kohls, dem Covic die Rückpässe ausredete und das nach vorn gerichtete Aufdrehen bei der Ballannahme eintrichterte, hat trotzdem eine klare Handschrift ausgemacht. „Er hat einen guten spielerischen Ansatz, wir haben nur ganz selten lange Bälle gespielt, sondern immer nach fußballerischen Lösungen gesucht. Man merkt, dass er sich ein wenig Inspiration bei Pep Guardiola geholt hat.“

Ante Covic: ein guter Analytiker und Motivator

Auch Marcus Mlynikowski (26), zwischen 2015 und 2017 Stammkraft unter Covic und heute beim Regionalligisten Berliner AK, sind diese katalanischen Einflüsse nicht entgangen. „Ich habe bei Union und Werder Bremen eine gute Ausbildung erhalten, aber bei Ante habe ich gelernt, wie ich noch besser im Raum agiere. Als Linksverteidiger sollte ich nicht nur an der Außenbahn bleiben, sondern bei Gelegenheit auf die Sechserposition einrücken. Das ist eine Variante, die man bei den Guardiola-Bayern häufig gesehen hat.“

Ein dritter Ex-Schützling, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, äußert sich ebenfalls durchweg positiv. Covic (43) sei nicht nur ein guter Motivator, sondern auch ein guter Analytiker. Sein Training: abwechslungsreich, geprägt von vielen kleinen Spielformen mit wenigen Ballkontakten und wenig Raum. Besonders die Genauigkeit im Passspiel liege Covic am Herzen, berichtet Mlynikowski, „da ist er akribisch“.

Der neue Hertha-Trainer kann auch unbequem werden

Auffällig: In der U23 scheint Covic stets den richtigen Ton getroffen zu haben. Er weiß, wie man junge Spieler packt – meist als Kumpel-Typ, der auf Augenhöhe diskutiert, zur Not aber auch als zorniger Mahner. Verspätungen oder Übergewicht seien beim Deutsch-Kroaten genauso schlecht angekommen wie Beratungsresistenz oder Zufriedenheitsdenken. „Dann weckt er dich auf“, sagt Mlynikowski, „dann kriegst du zu hören, dass du nur in der Regionalliga spielst und noch nichts erreicht hast.“

Bei den Profis dürfte diese Argumentation kaum greifen, dort werden die Verhältnisse umgekehrt sein. Ab Sommer ist Covic derjenige, der als Profi-Trainer noch nichts vorzuweisen hat, während ihm (Ex-)Nationalspieler und gestandene, mitunter unzufriedene Bundesligaprofis gegenüberstehen – mitsamt ihrer nicht gerade kleinen Egos. Heißen muss das freilich nichts, das haben erfolgreiche Bundesliga-Neulinge wie Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Florian Kohfeldt (Bremen) oder Sandro Schwarz (Mainz) bewiesen, allerdings gingen die genannten Trainer ohne die Bürde in ihre Amtszeiten, die Mannschaft weiterentwickeln zu sollen.

Der 43-Jährige wird bei Hertha Ergebnisse liefern müssen

Vieles wird sich für Covic ändern. Intern der Umgang mit seinen Spielern, und nicht zuletzt der Druck von außen. Bislang waren mannschaftliche Erfolge eher ein angenehmer Nebeneffekt, vorrangig ging es um die Entwicklung von Talenten. Damit ist es nun vorbei, Covic wird Resultate liefern müssen.

Wie er damit umgeht? Dazu will sich er vorerst nicht äußern, bittet – ganz der gute Kommunikator – um Verständnis. Man darf allerdings davon ausgehen, dass er sich einen seiner wichtigsten Leitsätze nun selbst zu Herzen nehmen wird. Florian Kohls hat ihn oft genug gehört: „Wir sollten keine Angst vor Fehlern haben“, erzählt er, „Ante hat uns immer gesagt: ‘Wenn man sich nicht traut, hat man schon verloren.’“