Bundesliga

Die Herausforderungen für den neuen Hertha-Trainer Covic

Hertha-Manager Michael Preetz befördert U23-Trainer zu neuem Cheftrainer mit Jahres-Vertrag. Was wird aus Stark, Lazaro und Selke?

Der Neue: Ante Covic wird ab 1. Juli Cheftrainer von Hertha BSC

Der Neue: Ante Covic wird ab 1. Juli Cheftrainer von Hertha BSC

Foto: Foto: City-Press

Berlin. David Wagner, Marco Rose, André Villas-Boas – es waren illustre Namen, mit denen sich Hertha-Verantwortliche befasst haben. Am Ende entschied sich Hertha-Manager Michael Preetz für eine Lösung aus den eigenen Reihen: Ante Covic (43), der zuletzt sechs Jahre die U23 trainiert hat, wird ab 1. Juli neuer Cheftrainer von Hertha BSC. Damit folgt Covic beim Fußball-Bundesligisten auf Pal Dardai, der Ungar muss nach der letzten Saisonpartie am Sonnabend gegen Bayer Leverkusen seinen Posten räumen (15.30 Uhr, Olympiastadion).

„Nach intensiver Prüfung verschiedenster Kandidaten haben wir uns erneut für ein Trainer-Eigengewächs entschieden“, begründete Manager Preetz die Entscheidung. „Ante besitzt un­bestrittene fachliche Kompetenz und verkörpert große Hertha-Leidenschaft.“

Mirko Dickhaut wird Cotrainer

Die Vertragskonstruktion von Covic sieht nach Informationen der „Bild“ aus wie die von Vorgänger Dardai. Demnach erhält Covic einen Jahres-Vertrag bis Juni 2020. Dann entscheidet Hertha über eine Verlängerung. Der Vertrag als Nachwuchstrainer läuft unbefristet weiter. Cotrainer wird Mirko Dickhaut, der als Profi für Eintracht Frankfurt und den VfL Bochum gespielt hat.

Kommentar zur Trainer-Entscheidung: Zu kurz gesprungen, Herr Preetz

Bundesweit wird der Name Covic nicht für Aufsehen sorgen, in Berlin ist er jedoch eine feste Größe. Seinen großen Auftritt als Spieler hatte Covic im August 1997. Nach Jahren der Zweitliga-Tristesse empfing Aufsteiger Hertha BSC den Champions-League-Sieger Borussia Dortmund mit Matthias Sammer, Andreas Möller oder Stéphane Chapuisat. Covic sorgte im ausverkauften Olympiastadion mit seinem Tor für den 1:1-Endstand. Hertha war wieder da. Als Spieler brachte es Covic auf 62 Bundesliga- und 72 Zweitliga-Einsätze.

Covic als Karriere-Coach

Seine Trainerkarriere begann Covic 2010 bei der U15 von Hertha. In den letzten Monaten der Saison 2012/13 war er aushilfsweise Cotrainer mit René Tretschok unter Otto Rehhagel. Im Sommer 2013 wurde Covic zum U19-Trainer befördert. Im Herbst 2013 übernahm er als Nachfolger von Jörg Schwanke die U23, die zu jenem Zeitpunkt Regionalliga-Letzter war. Seither coacht Covic die U23. Aktuell spielt sie ihre beste Saison seit Langem, steht auf Platz vier.

Regelmäßige Besucher von U23-Spielen loben den mutigen Offensiv-Fußball, den Covic seine Ausbildungs-Mannschaft spielen lässt. Er ist zudem als Karriere-Coach tätig und entwickelt seit Jahren in Abstimmung mit dem Cheftrainer die Talente aus der Nachwuchsarbeit von Hertha. So gingen aus der aktuellen Mannschaft etwa Jordan Torunarigha, Maximilian Mittelstädt, Palko Dardai, Florian Baak, Dennis Jastrzembski, Julius Kade und sein Sohn Maurice durch seine Hände.

Preetz: Ein Trainer, der die Hertha-DNA behütet

Covic beschreibt sich selbst so: „Ich bin ein Teamplayer, der sehr nahbar ist. Ich lege Wert auf harte Arbeit. Nur so kannst du Begeisterung schüren und dich kontinuierlich weiterentwickeln.“ Diesen Aspekt betont auch Manager Preetz: „Wir wollten einen Trainer, der die Hertha-DNA behütet. Ante Covic versteht diese DNA mehr als jeder andere Kandidat. Er kennt unsere jungen Spieler, hat sie geformt und vorbereitet auf das Profi-Geschäft. Nun wird er diese Jungs in der Bundesliga etablieren und zu gestandenen Profis formen.“

Covic wird wegen seiner Qualitäten als Jugend-Versteher gelobt. Nun gilt es für ihn zu beweisen, dass er auch eine Profi-Mannschaft trainieren kann. Dass er das Charisma hat, um mit gestandenen Profis wie Vedad Ibisevic (34) klarzukommen und mit ehrgeizigen Spielern wie Niklas Stark, Valentino Lazaro, Marvin Plattenhardt oder Davie Selke.

Michael Preetz hat über einige Jahre geschickt die Karte vom „Ausbildungsverein Hertha BSC“ gespielt. Die Entwicklung etwa von Eigengewächs John Brooks unter Trainer Dardai hat andere Talente überzeugt, ebenfalls nach Berlin zu kommen. So konnte sich Hertha die Dienste von vielversprechenden Youngstern wie Stark, Mitchell Weiser Selke oder Lazaro sichern.

Was wollen Stark, Lazaro und Selke?

Hertha profitierte von der Entwicklung der genannten Spieler – und erhielt etwa für Brooks (für 18 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg gewechselt) und Weiser (für zwölf Millionen nach Leverkusen) stattliche Ablösesummen.

Nun wird es interessant sein zu erleben, ob es Preetz gelingt, diesen Trend fortzusetzen. Der Manager hat sich ja ­bereits festgelegt, dass es im Sommer keinen Ausverkauf geben werde, sondern nur punktuelle Veränderungen.

Auch, wenn Leistungsträger wie Stark, Lazaro, Arne Maier und Selke laufende Verträge bei Hertha haben: Alle diese Spieler sind umworben. Der AC Mailand und der SSC Neapel buhlen um Lazaro. Stark steht als kommender deutscher Nationalspieler auf dem Zettel beim FC Bayern, in Dortmund, Leipzig und Leverkusen. Natürlich werden die Profis die Trainer-Entscheidung bei Hertha pro Covic für sich bewerten.

Sonntag ist Hertha-Mitgliederversammlung

Auf der Zugangsseite war die Arbeit des bisherigen Trainers Pal Dardai, die Mischung aus Fördern und Fordern, ein Grund, warum Hertha attraktiv für Talente war. So konnte im vergangenen Sommer der niederländische Junioren-Nationalspieler Javairo Dilrosun aus dem Nachwuchs von Manchester City geholt werden. Ob bei den Zu- oder Abgängen: Es wird spannend sein in den nächsten Monaten zu verfolgen, wie es um die Strahlkraft von Hertha BSC, Preetz und Covic bestellt ist.

Für Preetz wird die Mitglieder­versammlung unterm Funkturm interessant, die erstmals nicht am traditionellen Montag, sondern bereits am Sonntag, ab 11 Uhr stattfindet. Die Mitglieder ­werden sicher eine Meinung zur Trainer-Entscheidung des Managers haben.

Für mich als gebürtigen Berliner, der für Hertha BSC gespielt hat und seit Jahren als Trainer tätig ist, geht ein Kindheitstraum in Erfüllung.