Kommentar

Covic neuer Hertha-Trainer - Zu kurz gesprungen, Herr Preetz

Mit dem neuen Cheftrainer Ante Covic setzt Manager Michael Preetz auf eine bequeme Lösung, statt auf Aufbruch, meint Uwe Bremer.

Der Neue: Ante Covic wird ab 1. Juli Cheftrainer von Hertha BSC.

Der Neue: Ante Covic wird ab 1. Juli Cheftrainer von Hertha BSC.

Foto: Foto: City-Press

Berlin. Nein, die Bundesliga wird nicht in Ehrfurcht erstarren, wenn es ab August gegen Hertha BSC geht mit seinem neuen Cheftrainer Ante Covic. Der U23-Coach der vergangenen sechs Jahre wird dann zum ersten Mal eine Profimannschaft trainieren. Und Covic verdient wie alle, die einen neuen Job beginnen, eine faire Chance. Ernüchternd sind jedoch die Zusammenhänge hinter dieser Lösung, die Manager Michael Preetz getroffen hat.

Der Manager hatte nach vier Jahren, in denen Pal Dardai Hertha sorgenfrei durch die Bundesliga gesteuert hat, dem Ungarn nahegelegt: Es ist Zeit zu gehen. Die Idee war: Mit einem neuen Trainer, gern einem namhaften, will Hertha endlich Anschluss gewinnen an das obere Bundesliga-Drittel, an jene Plätze, die die regelmäßige Europacup-Teilnahme bedeuten. Ein Wechsel hin zu einer Spielweise mit den Attributen jung, dynamisch, attraktiv.

Doch bei der Trainersuche scheint sich Preetz Absagen eingehandelt zu haben. Weil Leute vom Format, etwa des Portugiesen André Villa-Boas, der den FC Porto, FC Chelsea und Tottenham trainiert hat, nicht nur ein XXL-Gehalt aufrufen. Vor allem sagen Toptrainer: „Schön, dass ihr in Berlin junge Leute aus dem Nachwuchs entwickelt: Aber Hertha steht für Bundesliga-Mittelmaß. Um weiter oben mitspielen zu können, braucht es in den nächsten drei Jahren Investitionen von 20, 25 Millionen Euro – pro Saison.“ Summen, die Hertha nicht annähernd stemmen kann.

Hintergrund: Herthas neuer Chef: Wer ist Ante Covic?

Allerdings ist an dieser Entwicklung nichts Überraschendes. Berlin hat in der Fußballbranche einen Ruf als attraktive Stadt, in der sich gut leben lässt. Aber Hertha hat keinen Ruf als attraktiver Verein, mit dem man Erfolge sammeln kann. Das Ende der Ära Dardai hätte die Chance zu einem Aufbruch sein können. Ob Präsidium, Geschäftsführung oder Trainer-Stab – nach vielen, vielen Jahren der Kontinuität hätte Hertha auf der Schlüsselposition des Cheftrainers frischer Wind, Einflüsse von außen gutgetan. Nach dem Motto: Alle Beteiligten mal raus aus der Komfortzone.

Michael Preetz hat mit Ante Covic die bequeme, interne Lösung gewählt. So wird das nichts mit dem Aufbruch bei Hertha. Schade.