Bundesliga

Kalou lässt Hertha jubeln

Salomon Kalou trifft in Augsburg doppelt für Hertha, auch Plattenhardt und Grujic steuern Tore beim 4:3-Auswärtserfolg bei.

Die Hertha-Profis feiern ihren Erfolg beim FC Augsburg.

Die Hertha-Profis feiern ihren Erfolg beim FC Augsburg.

Foto: Getty

Augsburg Kapitän Vedad Ibisevic hatte die Erklärung parat: „Solche Spiele kommen nur zustande, wenn es für beide Mannschaften um nichts mehr geht.“ Sieben Tore fielen in Augsburg – und das bessere Ende hatte Hertha BSC für sich. Mit 4:3 (0:1) gewannen die Berliner, Mann des Spiels war Salomon Kalou. Der Ivorer traf per Kopf zum 3:3-Ausgleich (75. Minute). Und Kalou behielt in der Nachspielzeit die Nerven, verwandelte einen Foulelfmeter zum spielentscheidenden 4:3 (90.+3). Mit dem elften ­Saisonsieg überholte Hertha Fortuna Düsseldorf (2:3 in Dortmund) und liegt in der Tabelle nun auf Rang zehn.

Begonnen hatte die Partie, man muss es so sagen, mit einem Thomas-Kraft-Moment. Herthas Nummer zwei, der den am Knie operierten Rune Jarstein ersetzte, hat seit jeher Probleme bei Fernschüssen. Also zog der Augsburger André Hahn einfach mal aus 25 Metern ab, durch die Beine von Innenverteidiger Fabian Lustenberger sauste der Ball unten links ins Tor, etwa einem Meter vom Pfosten entfernt. Kraft stand auf dem verkehrten Fuß, schaute - und machte keine Anstalten, ins bedrohte Eck zu ­tauchen, 0:1 (10.). So mäßig der Start war, nach 20 ­Minuten übernahmen die Berliner das Zepter. Die größten Gelegenheiten boten sich Marko Grujic. Zunächst wurde ein Schuss des Mittelfeldspielers geblockt, den Abpraller schaufelte Grujic über das FCA-Tor (44.). Zudem haderten die Berliner mit Schiedsrichter Guido Winkmann, der bei einem gestreckten Bein gegen Valentino Lazaro nicht auf Elfmeter, sondern auf Pressschlag entschieden hatte (22.).

Nach der Pause fielen alle Fesseln. Einen pfiffigen Querpass von Ondrej Duda nahm Marvin Plattenhardt volley, 1:1, Hertha war wieder im Spiel (47.). Wenig später foulte jedoch Karim Rekik den Augsburger Hahn im Hertha-Strafraum, Michael Gregoritsch brachte erneut die Hausherren in Führung (50.). Doch unverdrossen stürmten die Gäste. Grujic köpfte eine Lazaro-Ecke ins Augsburger Tor, 2:2 (66.). Dann gaben die Gastgeber ein letztes Lebenszeichen von sich. Gregoritsch entwischte Herthas Innenverteidigung und traf vor Torwart Kraft freistehend zum 3:2 (70.). Doch noch war die Partie längst nicht entschieden. Wieder legte Lazaro vor, Kalou köpfte aus sieben Metern flach ins linke Eck, 3:3 (75.) – die Partie war wieder offen. Und Hertha setzte seinen Sturmlauf fort.

Einwechselung von Pascal Köpke entscheidend

Der eingewechselte Davie Selke hatte seine Chance, köpfte aber knapp vorbei (88.). Entscheidend sollte sich jedoch die Einwechselung von Pascal Köpke erweisen. Der Sohn von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke dribbelte im FCA-Strafraum, Verteidiger Oxford stellte sein Bein in den Laufweg, Köpke hatte den erwünschten Körperkontakt und fiel – Schiedsrichter Winkmann pfiff Elfmeter (90.+1). Ungeachtet heftiger Augsburger Proteste blieb Kalou kühl. FCA-Torwart Gregor Kobel tauchte ins linke Eck, Kalou schob den Ball in die Mitte, der achte Saisontreffer des Ivorers brachte das 4:3 (90.+3).

„Der Verteidiger stellt sein Bein rein, den Elfmeter kann man pfeifen, muss man aber nicht“, sagte Trainer Dardai nach seinem 150. Bundesliga-Spiel. Manager Michael Preetz sagte: „Wir sind dreimal nach einem Rückstand zurückgekommen und haben am Ende ein Tor mehr geschossen, das ist ein verdienter Sieg.“ Damit fehlt Hertha nur noch ein Punkt aus dem letzten Bundesliga-Spiel gegen Leverkusen, um die beste Rückrunde unter Dardai zu spielen. Kurios: Dessen angebliche Rückrunden-Schwäche war ein Grund dafür, dass die Hertha-Verantwortliche entschieden, dass der Ungar zum Saisonende seinen Trainer-Posten räumen muss. Die Hertha-Bilanz, seitdem die Nachricht Mitte April bekannt wurde: zwei Siege, zwei Remis.

Bei der Frage, wer neuer Trainer wird, hielt sich Manager Preetz bedeckt. Auch wenn diverse Indizien auf Ante Covic, den U23-Trainer von Hertha, deuten, sagte Preetz: „Wenn alles fix ist, geben wir die Entscheidung bekannt.“ Er ließ durchblicken, die ­Angelegenheit sei weit vorangeschritten. Die Nachricht werde demnächst, also noch vor dem letzten Spieltag, verkündet ­werden.

Eine Entscheidung in eigener Sache kündigte Vedad Ibisevic (34) an. Der Torjäger und Hertha-Kapitän, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, sagte: „Ich will bleiben, ich fühle mich wohl in Berlin. Wir werden eine Lösung finden.“