Bundesliga

Hertha macht sich klar für die Kür

Ohne Druck kämpfen Hertha und Gegner Augsburg um einen versöhnlichen Saisonabschluss. Ibisevic und Selke jagen zudem noch Bestmarken.

Herthas Davie Selke (Mitte) und Vedad Ibisevic (r.) können in dieser Saison noch persönliche Bestmarken im Hertha-Trikot erreichen.

Herthas Davie Selke (Mitte) und Vedad Ibisevic (r.) können in dieser Saison noch persönliche Bestmarken im Hertha-Trikot erreichen.

Foto: Soeren Stache / picture alliance/dpa

Berlin.  Ob der FC Augsburg ein wenig Dankbarkeit zeigt? Angemessen wäre es ja, schließlich hat Herthas kommender Gegner dem Berliner Bundesligisten einiges zu verdanken. Durch Herthas 3:1 am vergangenen Sonnabend gegen Stuttgart galt für die bayrischen Schwaben schon vor ihrem Sonntagsspiel auf Schalke: Liga-Verbleib gesichert, Abstiegssorgen ade. Da könnte man sich an diesem Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) doch durchaus etwas erkenntlich zeigen.

Herthas scheidender Trainer Pal Dardai macht sich in dieser Hinsicht natürlich keinerlei Illusionen. „Beide Teams wollen noch mal alles geben“, ist sich der Ungar sicher, immerhin gehe es um einen versöhnlichen Saisonabschluss, ums Image und das Gefühl, das von dieser Spielzeit bleibt. Und jenes gilt es dringend aufzuhübschen.

Für beide Klubs wäre mehr drin gewesen

Sicher, weder für Hertha noch für Augsburg ist der Klassenerhalt selbstverständlich. In Abstiegsnot sind schon ganz andere geraten (siehe Vizemeister Schalke 04), insofern verbietet es sich, von einer vollends verkorksten Saison zu sprechen. Von Zufriedenheit sind sie an Spree und Lech allerdings auch weit entfernt, für beide Standorte gilt: Es wäre mehr drin gewesen.

Hertha hielt lange Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen, gewann erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit gegen den FC Bayern und sogar in Mönchengladbach. Dann aber schlug die chronische Rückrundenschwäche zu, mit einer Serie von sieben sieglosen Spielen in Folge manövrierten sich die Berliner ins Niemandsland der Tabelle. Ein Abwärtsrutsch, der Manager Michael Preetz dazu veranlasste, nach Saisonende den Trainer zu wechseln.

Mit positivem Erlebnis in die Sommerpause

In Augsburg nahm die Krise schon weit früher und dramatischer ihren Lauf, doch in den ersten zehn Spieltagen zählte der FCA noch zu den Überraschungsmannschaften der Saison, luchste sowohl dem FC Bayern als auch Gladbach und Leipzig Punkte ab. Ab Mitte November geriet der Klub jedoch in eine Abwärtsspirale, an deren Ende Trainer Manuel Baum seinen Stuhl räumen musste. Seit vier Spielen verantwortet Martin Schmidt nun das sportliche Schicksal. Die Pflicht hat der Schweizer inzwischen erfüllt, nun soll die Kür folgen – genauso wie bei Hertha.

„Wir haben das Tal durchbrochen“, meint Manager Preetz, „aber es ist immer besser, mit einem guten Erlebnis in die Sommerpause zu gehen.“ Die Partie in Augsburg scheint dafür die günstigste Gelegenheit, danach empfängt Hertha Bayer Leverkusen, das noch um die Champions-League-Plätze kämpft.

Thomas Kraft ersetzt den operierten Rune Jarstein

Was beim Streben nach einem gelungenen Schlusspunkt helfen dürfte, ist der persönliche Ansporn der Berliner Stürmer. Kapitän Vedad Ibisevic (34) hat sein Torekonto am vorigen Wochenende auf zehn Treffer geschraubt. Sein bisheriger Rekord in Blau-Weiß liegt bei zwölf Saisontoren (2016/17). Eine Marke, die der Bosnier sicher gern knacken würde, allein schon, um weitere Argumente für seine Vertragsverlängerung zu liefern.

Stürmer Davie Selke (24), zuletzt nur noch Joker, dürfte indes den Scorer-Wert seiner Berliner Debüt-Saison ins Auge gefasst haben. Im Vorjahr kam er auf zehn Liga-Tore und vier Vorlagen. In dieser Spielzeit liegt er bei drei Treffern und neun Assists. Zwei weitere Torbeteiligungen und er hätte seine Vorjahresausbeute eingestellt.

Allzu viel verändern will Dardai im vorletzten Spiel seiner Amtszeit nicht. In einem Fall bleibt ihm jedoch keine andere Wahl. Flügelspieler Mathew Leckie fällt mit einer Sprunggelenksverletzung aus, für ihn ist die Saison beendet. Als Ersatz stehen Javairo Dilrosun oder Maximilian Mittelstädt bereit, daneben darf sich auch Mittelfeldspieler Marko Grujic Hoffnungen auf die Rückkehr in die Startformation machen. Sicher ist: Torwart Rune Jarstein, der am Mittwoch erfolgreich am Knie operiert wurde, wird durch Thomas Kraft ersetzt.

Ex-Herthaner Julian Schieber brennt beim FCA auf Tore

Aufpassen sollten der Ersatzkeeper und seine Vorderleute auf einen alten Bekannten. Julian Schieber (30), der im vergangenen Sommer von Berlin nach Augsburg wechselte, wird ganz besonders auf einen positiven Saisonabschluss brennen. Wie schon bei Hertha wurde der Stürmer erneut von vielen Verletzungen zurückgeworfen. Im erst achten Einsatz der Saison stand Schieber zuletzt endlich wieder in der Startelf. Er sagt: „Ich will natürlich noch ein paar Erfolgserlebnisse haben.“ Sich jene ausgerechnet keinen seinen Ex-Klub zu holen, wäre allerdings: ein wenig undankbar.