Herthas Trainersuche

Ante Covic – Keiner wie Dardai

Dass bei Herthas Trainersuche nun Nachwuchscoach Ante Covic in den Fokus gerät, ist ein gewagtes Gedankenspiel

Herthas U23-Trainer Ante Covic (43).

Herthas U23-Trainer Ante Covic (43).

Foto: imago sportfotodienst / imago/Picture Point LE

Berlin.  Der Zähler läuft stramm auf die Zehnermarke zu: Am Dienstag wurde der nächste Trainerkandidat für Hertha BSC durch Blätterwald und Digital-Kanäle gejagt, frei nach dem Motto „der Nächste, bitte“. Was bleibt denn auch, schließlich interessiert am Ende einer sportlich inzwischen bedeutungslosen Saison des Fußball-Bundesligisten nur noch eine Frage: Wer beerbt Pal Dardai?

Also wird ein neuer „Wunschkandidat“ gehandelt, eine neue „Nummer eins“. So wie zuvor schon der Schweizer Gerardo Seoane (der es aber vorzieht, bei Young Boys Bern zu bleiben), Jürgen Klinsmann (der alsbald alle Bundesliga-Gerüchte dementiert) oder David Wagner (der aller Voraussicht nach auf Schalke anheuert). Der große Unterschied: Diesmal ist der neue Kandidat nicht nur mit einem Bein in Berlin, sondern in der Hauptstadt verwurzelt.

Stallgeruch und Händchen für die Jugend

Wie zunächst „Bild“ berichtete, darf sich Herthas derzeitiger U23-Trainer Ante Covic (43) Hoffnungen auf den Aufstieg zum Chefcoach machen. Die Vorteile dieser Lösung lägen auf der Hand: Covic ist nicht nur gebürtiger Berliner, sondern auch durch und durch Herthaner. Er war Profi von 1996 bis 2000, Aufstiegsheld von 1997, und von 2003 bis 2010 im Karriere-Auspendel-Modus bei der zweiten Mannschaft.

Inzwischen arbeitet der frühere Flügelspieler seit neun Jahren als Jugendtrainer in Westend, kurzum: Covic hat das, was man gemeinhin als Stallgeruch bezeichnet. Zudem gilt als guter Nachwuchsförderer, außerdem genießt er hohe Sympathiewerte bei den Fans.

Ob das reicht, um in die Fußstapfen von Pal Dardai zu treten, der den Cheftrainerposten im Sommer räumen muss? Vielleicht ja tatsächlich, immerhin arbeitete auch der Ungar zuvor in Herthas Nachwuchs. Bei Amtsantritt im Februar 2013 galt er zunächst als Notlösung, erwies sich jedoch schnell als gute Wahl.

Förderer von Mittelstädt, Maier und Co.

Die Frage ist, ob seinem ehemaligen Teamkollegen Covic eine ähnliche Erfolgsstory gelingen kann. Was zweifelsohne für ihn spricht, ist sein Händchen für junge Spieler. Nach seinem Trainereinstieg in der U15 (2010 bis 2012) übernahm Covic im November 2013 die damals stark abstiegsgefährdete U23 in der Regionalliga Nordost. Auf den Klassenerhalt folgten die Plätze sechs, zehn, neun und acht, aktuell liegt das Team auf Platz vier.

Mehr noch: Covic fungiert bei Hertha auch als sogenannter Karriere-Coach, betreut die vielversprechendsten Talente also noch mal etwas intensiver. Dass Eigengewächse wie Maximilian Mittelstädt, Jordan Torunarigha, Arne Maier oder Palko Dardai den Sprung zu den Profis geschafft haben, darf sich auch Covic auf die blau-weiße Fahne schreiben.

Allzu viele weitere Parallelen zu Dardai lassen sich allerdings nicht finden. Zum Hertha-Rekordspieler reichte es bei Covic nicht im Ansatz, in seiner Vita finden sich überschaubare 62 Bundesliga- und 72 Zweitligaeinsätze.

Unerfahrene Version von Pal Dardai

Zugegeben: Eine erfolgreiche Profi-Karriere allein ist kein schlagkräftiges Argument für eine erfolgreiche Trainer-Laufbahn – siehe Jürgen Klopp. Über den heutigen Liverpool-Trainer erzählt man sich jedoch dasselbe wie über den früheren Sechser Dardai: dass sie schon als Spieler wie Trainer gedacht hätten. Covic indes haftete eher ein Bruder-Leichtfuß-Image an.

Länderspiele? Erfahrung als Nationaltrainer (Dardai trainierte von 2014 bis 2015 die Auswahl seines Heimatlandes)? Fehlanzeige. Coaching-Erfahrung im Profi-Bereich? Äußerst begrenzt. Nach der Entlassung von Michael Skibbe sprang Covic 2012 bei Herthas Profis als Co-Trainer ein und erlebte unter Otto Rehhagel die Relegation samt Abstieg.

„Wir suchen jemanden, der die DNA des Vereins versteht und das behütet, wofür wir als Klub stehen“, hat Manager Michael Preetz betont. Auf Covic würde das zutreffen, nur ist das Anforderungsprofil noch etwas umfangreicher angelegt. Der Neue sollte auch Aufbruchsstimmung erzeugen und die Entwicklung in Richtung oberes Bundesliga-Drittel vorantreiben. Covic hingegen wirkt eher wie eine unerfahrene Version von Pal Dardai, wie eine Notlösung.

Unklare Zukunftsvision für umworbene Profis

Was Spielern wie Valentino Lazaro, Davie Selke oder Niklas Stark durch den Kopf schießt, wenn sie lesen, dass Covic ihr zukünftiger Coach sein soll? Man kann es nur erahnen. Ein inneres Hurra dürfte es kaum sein, sie alle betrachten Berlin als eine Sprungbrett-Station und wollen sich persönlich weiterentwickeln.

Trainer wie Wagner oder Seoane, die in England oder der Schweiz beachtliche Erfolge errungen haben, würden die Fantasie der Profis sicher mehr kitzeln als Covic. Die Konsequenzen kann man sich ausmalen, und so darf man sich trotz aller Sympathien für Covic eigentlich nur eins wünschen: dass schon bald der nächste Trainer-Name gehandelt wird.