Auszug aus Olympiastadion

Hertha will zur Not in einer temporären Arena spielen

Hertha-Manager Michael Preetz will in der Stadion-Debatte den Druck auf die Politik erhöhen. Ob das gelingen kann, ist jedoch fraglich.

Herthas Manager Michael Preetz ist es bislang nicht gelungen, die Politik für die Stadion-Pläne des Klubs zu begeistern.

Herthas Manager Michael Preetz ist es bislang nicht gelungen, die Politik für die Stadion-Pläne des Klubs zu begeistern.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Brandenburg keine Option, Tegel keine Alternative, dafür zur Not ein Umzug in eine temporären Arena: Hertha-Manager Michael Preetz versucht, die Stadion-Debatte voranzutreiben und den Druck auf die Berliner Politik zu erhöhen. „Wir ziehen 2025 aus dem Olympiastadion aus“, bekräftigte er in einem „Kicker“-Interview (Montag), und „die Gefahr, dass wir ab 2025 keine Spielstätte haben werden, kann ich ausschließen“. Woher er diese Gewissheit nimmt? Das blieb vorerst offen.

Erst Anfang April hatte der Wunsch-Plan des Bundesligisten – ein neues, reines Fußball-Stadion in direkter Nachbarschaft zum Olympiastadion – einen herben Dämpfer erhalten. Grund dafür waren die 24 Mietparteien in der Sportforumstraße, die für das Projekt weichen müssten.

Der Eigentürmer, die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892, ließ wissen: Die Tür ist zu, wir sind nicht mehr bereit, die Häuser an Hertha zu verkaufen. Ein Umstand, von dem sich Preetz nicht beeindrucken lassen will. Der Wunschstandort sei „keinesfalls“ aufgegeben.

Hintergrund: „Das Olympiastadion ist für modernen Fußball ungeeignet“

Michael Preetz: „Vielleicht ist der Druck noch nicht groß genug“

Der Manager nahm vor allem den Senat in die Pflicht. In den vergangenen zwei Jahren war es Hertha nicht gelungen, dort erfolgreich für einen Stadion-Neubau zu werben. „Vielleicht ist der Druck auf die Politik noch nicht groß genug“, meinte Preetz.

Er verwies auf die Mitgliederversammlung des Klubs am 19. Mai, auf dem der Wunsch der 36.000 Hertha-Mitglieder – zugleich auch Wähler – sicher zum Ausdruck kommen werde. Ob sie Informationen über die Finanzierung des Bauvorhabens erhalten werden, ist jedoch unklar. In einer vom Klub in Auftrag gegebenen Befragung unter Olympiastadion-Besuchern hatten sich rund zwei Drittel für eine neue Arena ausgesprochen.

Buchholz und Tegel scheiden als Standort für neues Hertha-Stadion aus

Mehreren Standort-Alternativen erteilte der 51-Jährige eine Absage. Brandenburg? Sei vom Tisch. Ein Neubau in Buchholz? Scheitere an der Nähe zu einem Betrieb, der mit Gefahrstoffen arbeite. Und Tegel? Ist zu abhängig von der Fertigstellung des BER.

Stattdessen nahm Preetz den „nördlichen Rand des Olympiaparks“ ins Visier, wo jedoch die Hürde Denkmalschutz genommen werden müsste. Auch bei dieser Variante bräuchte es die Zustimmung der Politik, dennoch ging Preetz auf Konfrontationskurs. Nach 56 Spielzeiten mit Hertha als Ankermieter des Olympiastadions sei „beim Land Berlin ein Gewöhnungseffekt entstanden“, meinte er. Man habe hinreichend erläutert, warum das Olympiastadion ein Wettbewerbsnachteil für Hertha sei. „Es zu verstehen, ist die Aufgabe der Politik – und da kann die Politik sicher noch nachbessern.“

Neues Stadion für Hertha: Ohne Wohlwollen der Politik wird es nicht gehen

Selbst wenn der Senat weiter auf Zeit spiele, will Hertha nicht im zu großen Olympiastadion bleiben. Zur Not werde man sich mit einer temporären Arena behelfen. Einen Standort für dieses Konstrukt nannte Preetz jedoch nicht, dabei drängt sich die Frage danach auf, schließlich müssten An- und Abreise von rund 30.000 Besuchern darstellbar sein. Ohne Wohlwollen von Senat und Bezirken wird sich auch diese Variante nicht realisieren lassen.

„Die Politik wird aus der Deckung kommen und sich bekennen müssen“, sagte Preetz, „das wird im Laufe dieses Sommers der Fall sein.“ Ob es Hertha bis dahin gelingt, in der Causa Sportforumstraße doch noch eine Lösung zu erzielen? Darauf darf man gespannt sein. Andernfalls wird der Neubau-Plan neben dem Olympiastadion wohl das bleiben, was es derzeit ist: ein Wunsch.