Bundesliga

Das Puzzle passt bei Hertha wieder

Herthas Torjäger Ibisevic, Kalou und Duda treffen endlich wieder. Nun ist die beste Rückrunde unter Trainer Dardai möglich.

Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (M.) bejubelt sein zehntes Saisontor

Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (M.) bejubelt sein zehntes Saisontor

Foto: Foto: Axel Schmidt / Reuters

Berlin.  Wer wissen will, wie es seinem Verein geht, schaue in den sozialen Medien vorbei. Über knapp zwei Monate herrschte auf den Accounts der Hertha-Profis am Abend nach den Fußballspielen jeweils Schweigen. Das hat sich geändert. Nach dem 3:1 (2:0) von Hertha BSC gegen den VfB Stuttgart, dem ersten Sieg nach sieben erfolglosen Spielen, war wieder wieder mächtig Betrieb beim Fotodienst Instagram. „Zurück auf der Torjägerliste“ schrieb Vedad Ibisevic. Marko Grujic schickte das Foto einer Hertha-Jubeltraube mit dem Text „drei Punkte“. Ondrej Duda zeigte ein Foto, wie er sein Trikot in die Ostkurve wirft und schrieb dazu „+ 3“. Maximilian Mittelstädt feierte seinen 50. Bundesliga-Einsatz mit Freunden und einem Selfie. Salomon ­Kalou postete ein Foto, das ihn im Stuttgarter Tor zeigt, wie er den Ball in der Hand Karim Rekik zeigt, als wolle er sagen: Schau her, er ist drin.

Hertha holte den zehnten Saisonsieg, weil die entscheidenden Puzzlesteine wieder passten. Ähnlich wie in den vorangegangenen Partien gegen Hannover und Frankfurt (jeweils 0:0) erarbeiteten sich die Blau-Weißen diverse Chancen. Mit dem Unterschied, dass sie endlich verwertet wurden.

Kalou zieht mit Pantelic gleich

Kapitän Ibisevic erzielte mit dem Führungstor seinen zehnten Saisontreffer. Duda verteidigte mit seinem elften Tor den Status als bester Schütze im Team. Den dritten Treffer steuerte Salomon Kalou bei. Der Stürmer rückte mit seinem 45. Bundesliga-Tor (seit 2014) in der ewigen Hertha-Torjägerliste auf Rang fünf vor. Den teilt sich Kalou nun mit Marko Pantelic, der von 2005 bis 2009 für Hertha getroffen hatte.

Erwähnenswert war die spektakuläre Vorarbeit von Javairo Dilrosun zum dritten Tor, ein „Gänsehaut-Solo“, wie Trainer Pal Dardai sagte. Der ein­gewechselte Niederländer beschrieb die Situation so: „Als ich den Ball hatte, habe ich den Raum vor mir gesehen. Ich habe den Ball an meinem Gegenspieler vorbei gelegt und Salomon hat ihn rein­gemacht.“ Es waren lange Durststrecken, die vor gut 48.000 Zuschauern im Olympiastadion beendet wurden. Kalou hatte zuletzt Mitte März gegen Dortmund getroffen (Endstand 2:3), Duda Anfang Februar in Gladbach (3:0).

Mittelstädt lobt Ibisevic

„Das war sehr wichtig, wir wollten diesen Dreier un­bedingt“, sagte Ibisevic. Wie es um das Ansehen des ältesten Profis im Team bestellt ist, zeigen die Aus­sagen von Maximilian Mittelstädt (22 Jahre). Er sagte über den 34-jährigen ­Kapitän: „Für Vedad freue ich mich sehr. Er hat vorne immer noch eine unglaub­liche Qualität und ist ein wichtiger ­Spieler für uns.“

Nach dem erst zweiten Heimsieg diesen Jahres ließen sich auch kleinere Härten ertragen. So sagte Marko Grujic, der nach Problemen am Sprunggelenk zu Wochenbeginn noch behandelt worden war, zu seiner Einwechslung nach einer Stunde: „Dass ich nicht von Anfang an gespielt habe, lag daran, dass ich nach drei Einheiten mit der Mannschaft noch nicht wieder ganz fit war. Das war absolut okay so, ich freue mich sehr für das Team und dass wir endlich wieder dreifach punkten konnten!“

Hertha steht vor der besten Dardai-Rückrunde

Die Mannschaft zeigte insofern Stabilität, dass sie Kritiker Lügen straft, die meinten, Hertha hätte sich sofort von Trainer Dardai trennen müssen, als die Klubführung am 16. April ­bekanntgab, mit einem neuen Cheftrainer in die kommende Saison zu gehen. Die Hertha-Bilanz seither: ein Sieg, zwei Unentschieden, keine Niederlage bei 3:1 Toren.

„Zum Ende der Saison ist es wichtig, dass wir Spiele gewinnen. Für unser Selbstvertrauen, mit Blick auf die nächste Saison“, sagte Kalou, „natürlich ist es auch ein Sieg für den Trainer. Nach vier Jahren ist es wichtig, dass wir ihm einen guten Abschluss bereiten.“

Obwohl im Umfeld und auch in der Sportlichen Leitung mancher der Ansicht ist, in dieser Saison einem stetigen Hertha-Niedergang, vor allem in der Rückserie, beizuwohnen: Falls die Mannschaft um Kapitän Ibisevic in den ausstehenden Partien in Augsburg (11. Mai) und gegen Leverkusen (18.) vier Punkte holt, wird Hertha die beste Rückrunde unter Pal Dardai gespielt haben.