3:1 gegen Stuttgart

Endlich wieder Tore und ein Sieg: Ibisevic erlöst Hertha

Der Kapitän als bester Krisenmanager: Nach 360 torlosen Hertha-Minuten ebnet Vedad Ibisevic den Weg zum ersten Sieg seit Anfang März.

Vedad Ibisevic (Mitte) bejubelte gegen Ex-Klub VfB Stuttgart sein zehntes Saisontor, das den zweiten Heimsieg des Jahres einleitete.

Vedad Ibisevic (Mitte) bejubelte gegen Ex-Klub VfB Stuttgart sein zehntes Saisontor, das den zweiten Heimsieg des Jahres einleitete.

Foto: Jan Huebner/ / imago images /

Berlin. Liebevoll strich Trainer Pal Dardai Vedad Ibisevic über den Kopf , als dieser nach 70 Minuten ausgewechselt wurde. Es war der Teamroutinier, der Hertha BSC nach sechs Stunden Torflaute mit dem erlösenden Führungstor auf die Siegerstraße gebracht hatte. Am Ende gelang den Berlinern gegen den Drittletzten VfB Stuttgart ein 3:1 (2:0), der erste Erfolg nach zuvor sieben sieglosen Spielen. Damit ist der Hauptstadt-Klub für zumindest 24 Stunden auf Rang zehn vorgerückt. „Vom Engagement war es wie in der Woche zuvor auch gut, aber diesmal haben wir die Tore gemacht“, sagte Kapitän Ibisevic (34).

Videoschiedsrichter übersieht Handspiel von Karim Rekik

Es waren drei Aktionen in sieben Minuten, die die Partie vor 48.668 Zuschauern im Olympiastadion entschieden. Die erste war ein Versagen im Videokeller in Köln. Beim Stand von 0:0 sprangen bei einer VfB-Ecke im Hertha-Strafraum mehrere Spieler zum Ball, mittendrin in der Traube Torwart Rune Jarstein. Den Ball bugsierte jedoch Innenverteidiger Karim Rekik mit der Hand oberhalb seines Kopfes aus dem Strafraum (37.). Weil es in der Situation keine Proteste gab, lief die Partie jedoch weiter. Nach einer kurzen Freistoß-Unterbrechung mitten im Feld pfiff Schiedsrichter Daniel Schlager das Spiel wieder an – nun konnte gemäß den Regeln der Elfmeter nicht mehr gegeben werden, auch wenn inzwischen eine der 18 Kamera-Perspektiven zweifelsfrei ein strafbares Handspiel von Rekik belegte.

„Ich habe die Aktion im Spiel nicht gesehen, der Schiedsrichter auch nicht“, sagte VfB-Coach Nico Willig, „aber dafür haben wir den Videoschiedsrichter, dass er in solchen Situationen online ist.“ Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich auf der Tribüne war zerknirscht: „Das ist ein nicht ganz so gelungenes Beispiel für den Videoschiedsrichter.“ Pech für die Gäste, Glück für Hertha.

Blitz-Doppelschlag von Ibisevic und Duda

Für die zweite Aktion war Ibisevic verantwortlich. Zunächst hatte Mathew Leckie eine scharfe Flanke von Marvin Plattenhardt aufs Stuttgarter Tor geköpft, Torwart Ron-Robert Zieler bekam noch die Hände an den Ball, aber den Abstauber aus einem Meter Entfernung brachte der Hertha-Kapitän über die Linie – 1:0, das von Hertha-Trainer Pal Dardai so sehnlichst erwartete „Dosenöffner-Tor“ (40.). Nun fiel Hertha alles leichter. Ondrej Duda spielte doppelten Doppelpass mit Ibisevic, der Schuss des Torjägers prallte erneut von Torwart Zieler ab. Diesmal war es Duda, der den Abstauber im Tor versenkte, das 2:0 war sein elfter Saisontreffer (45.+1).

Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke gelang den Berlinern etwas, was sie sieben Monate lang nicht erlebt hatten: mit einer Zwei-Tore-Führung in die Pause zu gehen. „Hertha hat uns mit diesem Doppelschlag angeknockt“, sagte VfB-Trainer Willig.

Starke Torvorbereitung von Joker Dilrosun

Die abstiegsbedrohten Stuttgarter setzten mit den Einwechslungen von Mario Gomez und Hertha-Leihgabe Alexander Esswein auf mehr Offensive. Doch stattdessen ging der nächste Teil des Matchplans von Pal Dardai auf. Der (für den verletzten Leckie) eingewechselte Javairo Dilrosun verblüffte gleich in seiner ersten Aktion mit seinem Antritt. Dilrosun spielte sich den Ball mit einer 30-Meter-Vorlage selbst in den Lauf, sprintete einfach vorbei an seinem Gegenspieler Ozan Kabak und passte nach innen. Dort brachte Salomon Kalou den Ball trotz größter Bedrängnis im Tor unter – 3:0 (67.). VfB-Joker Gomez erzielte per Kopfball zwar noch den Anschlusstreffer für die Gäste (70.), aber schlussendlich brachte Hertha den Vorsprung über die Zeit.

„Das ist eine schwierige Saison mit Höhen und Tiefen“, sagte Ibisevic. Der Bosnier verhandelt derzeit mit Hertha über die Verlängerung seines im Juni auslaufenden Vertrags. Der Treffer gegen seinen Ex-Klub Stuttgart war sein zehntes Saisontor. Auf die Frage, ob er Hertha-Manager Michael Preetz damit ein weiteres Argument geliefert habe, antwortete Ibisevic: „Aber hoffentlich nicht nur mit dem Tor.“

Torwart Rune Jarstein wird am Knie operiert

Noch-Trainer Dardai – er muss zum Saisonende seinen Chef-Posten abgeben – war zufrieden: „Glückwunsch an die Jungs. Wenn jemand ein so wichtiges Tor schießen kann, dann ist das Vedad. Und im richtigen Moment kam Javairo mit seinem Gänsehaut-Solo zum 3:0.“

Bei den letzten beiden Hertha-Spielen gegen den FC Augsburg (11. Mai) und Bayer Leverkusen (18. Mai) wird Rune Jarstein fehlen. Der norwegische Nationaltorwart laboriert schon länger an Knieproblemen. Er wird in der kommenden Woche operiert, sodass er rechtzeitig in die Vorbereitung der Saison 2019/20 wieder einsteigen kann.